Frisch, fußballfromm, fröhlich, frei am Freitag – Michael Skibbe neuer Trainer von Eintracht Frankfurt

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Tatsächlich kam einem der Neue, Michael Skibbe, wie ein Ziehsohn des umsichtigen Eintrachtmanagers Heribert Bruchhagen vor. Zum einen, weil er genau das sagte, was in der Situation der angeschlagenen Eintracht nötig ist, deren bisheriger, letztlich glücklose Trainer Friedhelm Funkel von ihr gegangen wurde, zum anderen, weil er bei seinen Worten immer wieder nach links schaute, wo sein Boß saß.

Warum es Michael Skibbe erst einmal für nötig hielt, über sein angeblich schlechtes Image zu sprechen, demnach er kein Gewinnertyp sei – „Mir haftet der Ruf des nicht erfolgreichen Trainers an“, was er für unfair erklärte – und tatsächlich mit 43 Jahren schon bei einigen Clubs rausgeflogen ist, war für uns – völlig unbelastet – erst einmal unverständlich. Erst mehrere Telefongesprächen mit Kollegen in der Republik machte uns klar, daß da tatsächlich etwas in der Luft hängt, was wohl auch Grund dafür war, daß Rudi Völler, ein weiterer Ziehvater, äußerte: „Der Michael wird immer etwas unterschätzt. Das liegt an seiner Art.“ Und zu seiner Art gab Skibbe in Frankfurt an: „So knorrig, wie ich manchmal dargestellt werde, bin ich doch gar nicht. Ich gehe nicht zum Lachen in den Keller.“ Das hätte bei dieser Pressekonferenz auch niemand angenommen, wo Michael Skibbe das Motto des alten Jahn sehr natürlich vorlebte und das verbreitete, was alle Erwarten: Aufbruchsstimmung und im Sinne Heribert Bruchhagens: Aufbruchstimmung mit Augenmaß.

Darstellung und Fragen drehten sich um drei Punkte. Das waren erst einmal Nachfragen zu seiner Person, seinem bisherigen Wirken und den Anstellungsmodalitäten in Frankfurt. Das waren die nach seiner Spielkonzeption für die Frankfurter Eintracht und letztendlich die nach dem Einsatz bisheriger Spieler, Stichtwort Caio, und den nötigen Neuzugängen, den „Zukäufen“. Sein Vertrag beginnt am 29.6.2009 um 15 Uhr mit dem Trainingstart und läuft erst einmal als Zweijahresvertrag bis zum 30.6.2011. Der Gelsenkirchener Michael Skibbe spielte in seiner Jugend bei der SG Wattenscheid und wurde 1982 mit ihr U 18 Juniorenmeister. Dann wechselte er zu den Profis vom FC Schalke 04, wo er nur 14 Bundesligaspiele bestritt, weil er oft verletzt war und schließlich drei Kreuzbandrisse sein Aus als Fußballspieler bedeuteten.

Dafür wurde er dann ein sehr junger Trainer. Mit 22 Jahren also trainierte er die Jugend von Schalke 04. 1989 besetzte er das Amt des Jugendkoordinators bei Borussia Dortmund, wurde dort 1994 Trainer der A-Jugendmannschaft, 1997 Trainer der Amateurmannschaft und 1998 Cheftrainer. Im bewegten Auf und Ab ging er zurück auf die Position des Nachwuchskoordinators und wechselte dann zum DFB, wo Rudi Völler mit ihm als Doppelspitze die Leitung der Fußballnationalmannschaft ausübte. Mit der Deutschen Nationalmannschaft wurde er 2002 Vize-Weltmeister in Japan und Südkorea und trat zusammen mit Völler nach der miesen Fußball-Europameisterschaft in Portugal 1994 zurück, blieb aber beim DFB Jugendkoordinator und Trainer der U18-Nationalmannschaft. Von Oktober 2005 bis Mai 2008 war Michael Skibbe Trainer von Bayer 04 Leverkusen, wo Rudi Völler Sportdirektor war und ist.

Michael Skibbe ging in die Türkei und trainierte dort Galatasaray Istanbul, mit denen er den Türkischen Supercup gewann, aber nachdem die Mannschaft auf Platz 5 stand, im Februar 2009 abrupt seines Amtes enthoben wurde. Zwar ist diese Mannschaft mit dem neuen Trainer nicht besser plaziert wie auch Bayer ohne ihn nicht aufwärts stieg. Es sind eben neue Zeiten, wo an Trainern ausgelassen wird, was meist vielfältige Ursachen hat. In Frankfurt nun ist Michael Skibbe derjenige, der dieselbe Situation beerbt, auf dem alle Hoffnungen ruhen, die der Fans, die Funkel nicht mehr funkelnd fanden, die der Chefetage nebst den Oberen, die über die vergangene Saison ins Murren kamen, die der Journalisten, die gerne über spannende Spiele berichten wollen. Das nämlich eint alle, was Skibbe auch bediente, wenn er immer wieder betonte: „Ich will attraktiven, aggressiven und offensiven Fußball spielen.“ Danach lechzen alle und Heribert Bruchhagen, immer loyal Trainer Funkel zur Seite, wagte gar die Äußerung: „In unserem Spiel war zuletzt eine gewissen Behäbigkeit und Vorhersehbarkeit”¦Wir haben Friedhelm Funkel, der fünf Jahre bei uns gewesen ist, eine entsprechende Würdigung gegeben. Aber das betrachten wir als beendet.“

Beendet dürfte damit auch die Rolle des Stiefkindes des mit 3,8 Millionen vor eineinhalb Jahren teuersten Eintrachteinkaufs, des Brasilianers Caio, sein. An ihm hatte sich der Fanaufstand in besonderem Maße entzündet: „Caio rein, Funkel raus!“ Zu sehr schienen die Laktatetests und Fitnessergebnisse dessen fußballerisches Können zu dominieren. Wir fanden immer – und das steht in unseren Spielberichten – , daß er ins Spiel der Eintracht eine sonst fremde Eleganz bringt und einfach eine traumwandlerischen Umgang mit dem Ball hat, den er sich butterweich spielt. Skibbe tat also gut daran, an diesem wunden Punkt zu rühren: „Er hat ein sehr großes Potential. Ich bin sicher, daß von Caio noch eine Sprung zu erwarten ist, und ich traue mir zu, ihn auf die richtige Spur zu bringen.“

Das hörten auch die anwesenden Eintrachtrepräsentanten gerne. Peter Fischer, Eintracht-Präsident, ist voll zufrieden, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herbert Becker, freut sich schon jetzt, Caio auf dem Feld zu sehen und sie alle wollen – was Heribert Bruchhagen betonte – , die Situation der Eintracht nach dem Zugang von Maik Franz, bisher Karlsruher SC, der aus der Bundesliga absteigt, durch weitere Verstärkung konsolidieren. Der Worte sind genug gewechselt. Die Taten werden es weisen.

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