Foul in Abseitsposition – Zersetzungsattacke gegen den Chef des 1. FC Union Berlin

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Ausgerechnet das Oberhaupt des Vereins, der sich in der DDR als Underdog gegenüber dem vom Mielke-Ministerium unterhaltenen BFC Dynamo immer wieder durchsetzen musste und dessen Fans als aufmüpfig und widerborstig gegen den Staat galten, soll mit dem Erzfeind gekungelt haben.

Als Soldat und später als Unteroffizier hatte Zingler ab 1983 drei Jahre im Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ gedient und unter anderem wohl das Regierungskrankenhaus bewacht. Zingler sind nun zwar keinerlei Spitzeltätigkeit noch eine weitere Arbeit für die Stasi nachzuweisen. Laut eigener Aussage war der Hauptgrund seines Einverständnisses, im Stasi-Regiment zu dienen, die Nähe zu seinem Adlershofer Zuhause und auch zum Stadion An der Alten Försterei, wo die Kicker seines Vereins 1. FC Union Berlin spielten. Zingler kam aus einer Familie mit kommunistischer Prägung. Er galt als linientreuer Zeitgenosse. Das war gewiss einer der Gründe, weshalb man um die Dienste des damals 18-jährigen Zingler beim Dzierzynski-Regiment warb. All diese Fakten hat Zingler nie verschwiegen. Gut, er hat diesen Lebensabschnitt auch nicht vor sich hergetragen – aber wer macht das schon mit den nicht ganz so glänzenden Seiten seiner Person?

Gewiss ist es nicht das Ruhmesblatt im Lebenslauf des Union-Chefs, aber ist es ein Grund, eine Medienlawine loszutreten, die nun durch das ganze Land schwappt? Oder gibt es noch etwas hinter dieser Attacke? Warum startet gerade die Berliner Zeitung diese Jagd auf Zingler und damit den 1. FC Union?

Immerhin verteidigte am 1. November 2003 dieselbe Zeitung unter dem Titel „Falsche Stasi-Vorwürfe“ ihren Autor Andreas Förster. Der Historiker Hubertus Knabe hatte damals im RBB-Fernsehen behauptet, „dass in der Berliner Zeitung ausgerechnet ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter ständig über Stasi-Themen schreibe.“ Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, so die Zeitung weiter, „hatte mit dieser Äußerung unseren Redakteur Andreas Förster gemeint. Sowohl Förster als auch die Berliner Zeitung leiteten daraufhin rechtliche Schritte gegen Knabe und den RBB ein.“ 20 000 Euro Schmerzensgeld forderte damals Förster vor dem Berliner Landgericht von Knabe, weil durch dessen Behauptung der „Kläger massiv und damit in schwerwiegender Weise in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt worden sei“. Er habe an Schlafstörungen und Appetitlosigkeit sowie an größter nervlicher Anspannung gelitten wegen Knabes Anschuldigung. Schmerzensgeld konnte Förster letztlich nicht herausschlagen. Das Berliner Kammergericht überzeugte den Journalisten in letzter Instanz von der Aussichtslosigkeit der Klage, weil „Knabe sich in einer Unterlassungserklärung verpflichtet habe, den pauschalen Vorwurf der Stasi-Mitarbeit nicht mehr zu erheben“.

In Försters Stasi-Akte ist zu lesen, dass er von 1977 bis 1980 als Soldat auf Zeit bei eben diesem Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ gedient hatte – wie auch Dirk Zingler einige Jahre später. Der Tagesspiegel schrieb am 26. Mai 2004, dass Förster beim Wachdienst eingesetzt war: „Da stand er meistens rum, in Uniform und mit Maschinenpistole und hat ’Objektsicherungsmaßnahmen durchgeführt`. So hieß das damals. Die ’Objekte` waren Ministerien in Ost-Berlin, auch das für Staatssicherheit, oder die Bonzensiedlung in Wandlitz, in der Erich Honecker, Erich Mielke und die anderen Politbürokraten wohnten.“ Förster soll sich für diese Fron beim Stasi-Regiment entschieden haben, weil er glaubte, dadurch Journalistik studieren zu können. Was sich dann auch als richtig erwies.

Dass ein Dienst beim Wachregiment keine Sünde sein kann, bescheinigte der Ehrenrat der Berliner Zeitung ihrem Geheimdienstexperten später noch einmal: „Vier Redakteure waren zu unterschiedlichen Zeiten beim Wachregiment ’Feliks Dzierzynski` des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR tätig“, so die Berliner Zeitung am 28. August 2008 in eigener Sache. „Da es sich insoweit um keine konspirative Tätigkeit handelte, sind daraus keine Konsequenzen zu ziehen.“

Offensichtlich ähneln sich beide Fälle. Weshalb aber wandelt sich die Berliner Zeitung nun vom Verteidiger zum Angreifer im nahezu gleichen Spiel? Da die Redaktion wohl kaum kollektiv an Alzheimer leiden kann, muss wohl ein anderer Beweggrund hinter diesem Foulspiel stecken. Kann es sein, dass es einigen in Berlin nicht passt, dass der Köpenicker Kickerklub, der früher durch Missmanagement immer wieder mal kurz vor dem Abgrund stand, nun ganz langsam, aber stetig auf solidem Fundament steht und sich höhere Ziele setzt?

Zufällig fällt die Periode der Konsolidierung des Vereins mit der Präsidentschaft Zinglers überein. Das weiß auch die Mehrheit der Unionfans. Natürlich diskutieren sie in diesen Tagen auch voller Emotionen, aber auch bemerkenswert sachlich über dieses Thema. Die meisten kennen die DDR als Zeitzeugen und kennen auch die Grautöne, die sich zwischen Schwarz und Weiß im Leben ziehen. Einer brachte es mit einem Bibelzitat auf den Nenner: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein…

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