Exklusiv-Interview mit Martina Voss-Tecklenburg – Schweizer Nationaltrainerin der Frauen – „Meine Zeit in Jena war kurz, aber unheimlich intensiv“

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Hatten nach dem 6:1-Erfolg des FF USV Jena in Essen allen Grund zur Freude: Chef-Coach Daniel Kraus, Martina Voss-Tecklenburg, ehemalige Trainern in Jena und heute verantwortlich für das Nationalteam der Schweiz und Kai-Uwe Hirsch, Geschäftsführer des FF USV. © Foto: Silke Winkler
Martina Voss-Tecklenburg, Schweizer Nationaltrainerin und von Mitte 2011 bis Ende Januar 2012 Verantwortliche für die Bundesligaelf des FF USV, nahm ihre ehemalige Spielerin erfreut in die Arme und gratulierte zum Premierentor, zum Sieg und natürlich zum Ehrentag. Auch der Rest des Teams begrüßte erfreut den bekannten und jederzeit gern gesehenen Gast, den bis heute eine starke Zuneigung mit dem Frauenfußball in Jena verbindet. Und mit dem 6:1-Erfolg in Essen kam nach zwei erfolglosen Versuchen auch endlich die Wende, was die Punkteausbeute des FF USV Jena bei Besuchen von Pflichtspielen durch die ehemalige Trainerin angeht.
Das Spiel heute ist die dritte Partie ihres ehemaligen Vereins in dieser Saison, bei dem Sie live vor Ort sind. In Freiburg und Duisburg brachte Ihre Anwesenheit dem FF USV Jena kein Glück.
Martina Voss-Tecklenburg (MVT): Ich freue mich natürlich, dass der USV heute gewonnen hat. Und ich denke, auch hoch verdient gewonnen hat. Vielleicht ist das Ergebnis etwas zu deutlich ausgefallen. Denn nach dem 2:1 gab es durchaus eine Phase, wo es nochmal eng war. Aber nach dem 3:1 haben sie es souverän heruntergespielt. Wenn für Jena heute kein Sieg herausgekommen wäre, hätte ich wohl ncht mehr wiederkommen dürfen. Von daher war es einfach Pflicht, heute zu gewinnen.
Wie schätzen Sie die Entwicklung Ihres ehemaligen Teams ein?
MVT: Ich finde, Daniel macht einen tollen Job wie das gesamte Team. Man sieht, dass sich alle weiterentwickelt haben, eine gewisse Erfahrung da ist und die Mannschaft auf eine gute Art Fußball spielt. Man hat das Gefühl, alle wissen, was zu tun ist. Auf den Schlüsselpositionen, auf den zentralen Positionen stehen gute Spielerinnen, mit Abby Erceg, mit Carolin Schiewe, mit Iva Landeka auf der Sechs, vorne die gefährlichen Stürmerinnen. Und jetzt kommen die Jungen öfters rein, die da auch herein wachsen können. Ich finde, die Mannschaft ist wirklich nochmal einen ganzen Schritt nach vorne gekommen. Es macht Spaß, diese tolle Entwicklung zu sehen.
Wenn man Jenas altgediente Spielerinnen nach Höhepunkten ihrer Zeit beim FF USV fragt, fällt auch immer wieder voller Begeisterung der Name Martina Voss-Tecklenburg.
MVT: Ich muss sagen, ich bin genauso begeistert von Jena. Ich hatte dort sieben tolle Monate, die zwar einerseits sehr kurz, aber unheimlich intensiv waren. Ich bin wirklich so froh, dass ich diese Zeit erleben durfte. Sie hat mir unheimlich viel gegeben. Das schwingt bis heute nach. Wir bringen uns eine hohe Wertschätzung entgegen und verlieren uns nicht aus den Augen. Ich telefoniere regelmäßig mit Daniel und halte Kontakt zu den Spielerinnen. Ich weiß auch, dass ich immer wieder nach Jena zurückkommen darf als Freundin. Es freut mich ebenso, dass alle Beteiligten damals das Angebot aus der Schweiz für mich als Riesenchance gesehen und verstanden haben. Ich spüre das Interesse am Geschehen bei der Schweizer Nationalmannschaft. Stenia Michel  und Lara Keller, die hoffentlich bald wieder spielen kann, machen einen guten Job beim FF USV. Es ist gut so, wie es ist.
Wie wichtig ist es für Ihre Nationalspielerinnen, in einer starken Liga wie der deutschen Bundesliga zu spielen?
MVT: Alle Schweizerinnen, die in der Bundesliga spielen, werden regelmäßig eingesetzt bei ihren Vereinen. Noelle Maritz in Wolfsburg zwar nicht so oft, aber sie ist auch die Jüngste, die nach Deutschland gewechselt ist. Für die Entwicklung des Nationalteams ist das extrem wichtig, weil sie ständig auf einem hohen Niveau spielen und wir so als Mannschaft große Fortschritte machen können. Eigentlich müssen wir uns in Konkurrenz zu den Ländern sehen, die eine ähnliche Struktur haben wie die Schweiz. Mal ganz klar gesprochen: wenn die Schweiz mehr Spielerinnen in der Bundesliga hat als Dänemark, dann hilft uns das in der Entwicklung. Von daher bin ich froh über jede Schweizerin, die irgendwo im Ausland spielt, Erfahrung sammeln und z.B. in der Bundesliga Fuß fassen kann. Ich als Trainerin bin sehr glücklich darüber.
Für Ihr Team stehen in den nächsten Tagen zwei Spiele in der WM-Qualifikation an. Was kann auf dem Weg nach Kanada noch schief gehen?
MVT: Nächste Woche Samstag spielen wir gegen Malta. Das ist für uns natürlich eine Pflichtaufgabe. Malta ist bisher das schwächste Team in der Gruppe. Deshalb wollen wir dieses Spiel souverän gestalten, uns Selbstbewusstsein holen und attraktiven Fußball spielen. Am Donnerstag danach folgt die Partie gegen Dänemark in Aarau. Das wird schon ein Schlüsselspiel sein, denn Dänemark steht sehr unter Druck. Sie müssen eigentlich gegen uns gewinnen, um ihre Chancen zu wahren. Wir wollen aber auch  gewinnen. Vielleicht kommt es uns entgegen, dass Dänemark mehr gefordert ist als die Schweiz. Wenn wir diese beiden Spiele positiv bestreiten, dann sieht es für die WM 2015 in Kanada sehr gut aus.
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