Entspannender Abend: Kein Warten auf Godot, aber musikalischer Abgesang auf das Abendland – Christoph Marthalers „Riesenbutzbach. Eine Dauerkolonie“ bei den Wiener Festwochen als Eigenproduktion

Wien (Weltexpress) – Gähn, gähn. Gähnen hier, Gähnen da. Fing es auf der Bühne an und setze sich im Publikum fort oder gähnten sie gleichzeitig? Wie auch immer: Gähn! Nicht daß Sie denken, dies sei aus Langeweile geschehen. I wo! Das Publikum hat sich amüsiert, das war den vielen Lachern anzumerken, der mal als Solitär und Kracher aus einem Zuschauer herausbrach oder kichernd und prustend, wie bei den beiden Frauen in der zweiten Reihe, die hier für sich eine Comedy erlebten. Das allgemeine Gähnen war ein Entlastungsgähnen, das sich einstellt, wenn nach und nach die Spuren des Tages Geist und Körper verlassen und matte Glieder zurücklassen, denen man mit Gähnen Sauerstoff zuführt, weil man sich wohl fühlt. Das, was sich unsere westliche Ober- und Mittelschicht heutzutage im Fitneßstudio holt, um anschließend herzhaft gähnen zu können, das, was in Wellnesszentren teuer erkauft wird, damit ihre Körper und Seelen entspannt zurückbleiben, das bekommen Sie bei den Wiener Festwochen bei dieser Inszenierung von Marthaler mit hinreißenden Einlagen von fünfzehn Schauspielern, die exzellent die Bühne bevölkern, das bekommen Sie hier umsonst – einschließlich des Gähnens.

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