Ende gut, alles gut? – Serie: Unterwegs auf der 63. Internationalen Automobilmesse (IAA) im September 2009 (Teil 6/6)

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Abschlusspressekonferenz der 63. IAA: v.l.n.r. Dr. Kunibert Schmidt, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), und Eckehart Rotter, Leiter der Pressestelle des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

Entspannt und gut gelaunt saßen mit Wissmann sein Geschäftsführer Kunibert Schmidt und Eckehart Rotter auf dem Podium den Journalisten gegenüber, die gegenüber der Eröffnungspressekonferenz als Häuflein der Unentwegten übrig blieben. Denn die über 9 000 Kollegen sind schon längst wieder zu Hause. Daß allerdings diejenigen, die als Aussteller – ausländische Hersteller, vor allem Japan – zu Hause geblieben sind, sich jetzt schwarzärgern werden, war eine Schadenfreude, die sich Matthias Wissmann gerne gönnte. Dies herauszustellen ist auch wichtig, denn eine abgeschlossene IAA heißt im Gegenzug sehr bald die Vorbereitung der neuen 2011! Und die Botschaft wird ankommen, daß sich die diesmal auf der IAA fehlenden Aussteller selber um ihre Geschäfte gebracht haben. Die stärkste Waffe, die eine Messe hat. Die soll man auch anwenden.

Lächelnd ging darum der Präsident auch über den vielleicht unbewußt vorgenommenen – umso schlimmer! – Affront hinweg, daß zwei Dezernenten der Stadt Frankfurt ausgerechnet am Montag der IAA dem japanischen Aussteller Mitsubishi einen Großauftritt in Frankfurt beschert hatten. Mitsubishi gehört zu denen, die auf der Messe sehr vermißt wurden. Denn sie haben – und das war Thema in Frankfurt – das erste Elektroauto, das schon regulär seit Juli in Japan unterwegs ist. „Pech für Mitsubishi“, konterte Wissmann kühl, denn die guten Abschlüsse für die Anwesenden werden sich herumsprechen. Erst recht für die neue grüne Welle, die nicht nur ausgerufen wurde, sondern tatsächlich als massive Umorientierung auf dieser IAA überall zu sehen, zu spüren und auch zu hören war. Auch wenn der Verbrennungsmotor noch weiter die Mehrheit der Autos bestimmen wird, gehören dennoch den „neuen Modelle“ die Zukunft: „War vor zwei Jahren noch der Hybrid das ’Zauberwort`, so zählt der ’Antrieb der zwei Herzen` mittlerweile zum ’Standardangebot` bei nahezu allen Herstellern. Der ’reine` Elektromotor sorgte auf dieser 63. IAA PKW für Aufsehen. Dabei wurde nirgendwo sonst so intensiv und detailliert über die Herausforderungen diskutiert, die mit der Elektromobilität verbunden sind.“, erläuterte Wissmann.

Nachfragen galten den Besucherzahlen. Wie undurchsichtig das eigentlich ist, ergaben erst Nachfragen. Denn beim Rekordergebnis von 2007 mit fast einer Million Besuchern waren rund 400 000 aufgrund von Einladungen der Aussteller nach Frankfurt gekommen, die also die Eintrittskarten bezahlt hatten. Bei diesen nun gab es diesmal den eigentlichen Einbruch mit rund 40 Prozent Verringerung. Denn die Autofirmen müssen sparen. Für die gewöhnlichen Besucher, die sich ihre Karten selbst kaufen, bedeutet das unterm Strich, daß nur rund 5 Prozent weniger gekommen sind als im Rekordjahr 2007 und damit mehr als in den 90er Jahren! Das allerdings ist wirklich erstaunlich, denn ansonsten mußten alle Messen zum Teil herbe Verluste einstecken und vor allem bei den bisherigen internationalen Automessen waren die Einbrüche gewaltig. Ob das nun ein deutsches Phänomen ist oder sich auch auf den Export auswirken wird, kann nur die Praxis der nächsten Monate zeigen. Positiv überrascht war Wissmann auch vom Zugewinn bei internationalen Besuchern.

Voll waren die Hallen überall. Aber es war Wissmann wichtig, darauf zu verweisen, daß die neue Halle 11 von 91 Prozent der IAA-Besucher besucht wurde. Dort nämlich hatte BMW einen sehr eigenwilligen, mutigen und teuren Halleneinbau gestemmt, auf fünf Millionen waren schon die Planungen veranschlagt. Mit dieser Halle 11, vor allem aber mit dem neuen Portalhaus, beide im Juli eröffnet, ist die Struktur der Messe grundsätzlich verändert, was bei der IAA erstmals zum Tragen kam. Denn über das neue Portalhaus kommen alle diejenigen, die mit dem Auto nach Frankfurt reisen, in die Messe. Das sind rund 40 Prozent aller Messebesucher. Bisher kamen diese auf der Höhe der Galerie per Bus von den Parkplätzen und waren damit stärker in die Mitte der Messe integriert. Die Frankfurter, aber auch die, die mit dem Zug oder Flugzeug von auswärts kommen, nutzen den Eingang an der Festhalle. Dort nun ist zur IAA traditionell Mercedes beheimatet, die unter dieser schönen Kuppel auch diesmal wieder ästhetisch Furore machten. Es reihen sich also mit der Festhalle am Anfang wie auf einer Perlenschnur die Hallen aneinander bis hin zur letzten und neuesten Halle, eben der Halle 11. Aber die Letzten werden die Ersten sein. Das gilt nicht nur als biblischer Spruch, sondern ist Realität der Frankfurter Messe, je nachdem von welcher Seite man kommt.

Zu den Besuchern sagte Matthias Wissmann: „Das Publikum ist sehr fachkundig und interessiert. Unsere Umfrage hat ergeben, daß jeder vierte IAA-Besucher in den nächsten sechs Monaten ein Auto kaufen will. Und schließlich konnten wir uns nahezu jeden Tag über bestes „Kaiserwetter“ freuen: Das stabile Hochdruckgebiet sorgte für angenehme Temperaturen und genügend Sonne, so daß das vielfältige Aktionsprogramm auf dem Freigelände, das vom Offroad-Parcours bis zu Probefahrten reichte, ebenfalls sehr gut angenommen wurde.“ Wissmann kündigte an, daß man künftig weitere Aktionen im Freien anbieten werde. Im Vergleich mit anderen Automessen, könne man für die IAA feststellen: „Nirgendwo sonst wird dem Besucher ein solch eindrucksvolles Innovationsfeuerwerk geboten wie hier in Frankfurt. Die Palette reicht vom heutigen Clean-Diesel-CO2-Champion mit 87 g/km CO2 und einem Verbrauch von 3,3 l/100 km bis hin zum emissionsfreien Stadtfahrzeug, das ab 2013 auf unseren Straßen – elektrisch angetrieben – fahren soll. In wenigen Jahren wird es auch Oberklasse-Modelle geben, die so wenig Sprit verbrauchen wie heute der sparsamste Kleinwagen. Auf der anderen Seite kamen die Fans von technologischen Leckerbissen und Leistungspaketen auf ihre Kosten: Ob Audi R8 Roadster, Lamborghini Reventon Roadster, der neue Flügeltürer SLS von Mercedes-Benz oder eine getunte Brabus-E-Klasse mit 800 PS – auch die „Grenzgänger des technologisch Möglichen“ zeigten auf der IAA, was sie können. Vielleicht gehört auch das zu den Erkenntnissen dieser Messe: Wer ein 3-Liter-Auto für den Massenmarkt anbietet, kann andererseits auch einen sportiven 12-Zylinder präsentieren, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen. Und erfreulicherweise wird die Umwelt- und Klimadebatte nicht mehr mit einer humorlosen Verbissenheit geführt. Es gibt wieder mehr Raum für automobile Vielfalt – gerade weil die CO2-freundlichen Modelle immer zahlreicher werden.“

Der Präsident ging auch auf die gut zwei Dutzend Fachveranstaltungen ein, die von mehr als 4 000 Gästen besucht wurden. Auch dort ging es im Kern um die Gretchenfrage: Wie schaffen wir individuelle nachhaltige Mobilität mit immer geringeren CO2-Emissionen, weniger Verbrauch, hohen Sicherheitsstandards, angemessenem Komfort, anspruchsvollem Design, wirtschaftlichen Kosten und damit bezahlbaren Preisen? Da ging es nicht nur um sparsame Motoren, sondern ebenso um Leichtbau, neue Antriebsarten, Infrastrukturkonzepte und um Investitionen? Ein großes Lob erhielten Polizei, Sicherheitskräfte, die Messe Frankfurt, die Feuerwehr und die Stadt Frankfurt für alle Maßnahmen, die zu einem reibungslosen Ablauf der IAA beigetragen hätten. Die 64. IAA findet vom 15. bis 25. September 2011 auf dem Frankfurter Messegelände statt. Die wirklichen ökonomischen Erfolge dieser Messe werden die Auftragsbücher der nächsten Monate zeigen und die Zahlen, die daraus resultieren.

www.iaa.de

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