Ein polnisches Denkmal für deutsche Schuld brauchen wir in Berlin nicht

Auf dem Großpolenring: Ländliche Idylle unter Baumriesen. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Mich packt der Zorn, wenn zum 30. Jahrestag des „Nachbarschaftsvertrages zwischen Deutschland und Polen“ weder der Bundespräsident in Berlin noch der polnische Präsident, jedenfalls nach Presseberichten wie beispielsweise in der „NOZ“, die Annexion von halb Ostpreußen, Hinterpommerns und ganz Schlesiens, einschließlich der Vertreibung der Bevölkerung in Millionenzahl, erwähnenswert finden.

Für Frank-Walter Steinmeier ist es eine Schande, für Andrzej Duda verständlich, denn bekanntlich gibt es nur deutsche Schuld. Ich sage das um so deutlicher, weil ich als Kind ganz bewußt die polnischen Verbrechen am eigenen Leibe erfahren und als Historiker mich gerade mit der Geschichte Polens und seiner katholischen Kirche befaßt habe.

Duda hat recht, wenn es keine Tabuthemen und Verlogenheit geben darf, doch dies gilt eben besonders für Polen. „Geraubte Kulturgüter“? Fast alle pommerschen Kirchen und Dome samt Inventar gehören z.B. dazu. Von Hab und Gut der Vertrieben will ich gar nicht sprechen. Was meine Mutter und ich noch tragen konnten, entrissen uns Polen in Fiddichow an der Oder, als uns dann die sowjetischen Soldaten am anderen Ufer wie Engel vorkamen.

Vergeben will ich gerne; nur dazu gehört – und polnische Katholiken sollten das wissen – die Reue. Annexion und Vertreibung sind als Reparation mehr als genug. Ein polnisches Denkmal für deutsche Schuld brauchen wir in Berlin nicht.