Ehrengast China will tausend Blumen blühen lassen – Das Gastland der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt stellt sein Programm vor

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Es sind also rund 40 belletristische Titel zu erwarten und auch der überraschend gewählte chinesische Nobelpreisträger von 2000 Gao Xingjian , der aber in Paris lebt, an dessen Person aber verdeutlicht werden kann, daß das chinesische Herz der Chinesen sich weitet, wird in die Vorbereitungen des Buchmessenauftritts eingebunden. Die Buchmesse, die Vorstellungen und das Anschauen der Bücher, und vor allem die Verkaufsverträge sind ja nur das eine. Wichtiger für die öffentliche Wirkung werden die Veranstaltungen sein, die rund ums chinesische Buch sich bisher auf rund 600 belaufen, von denen 150 Autorenlesungen sind, die schon im März zur Leipziger Buchmesse begannen und rund übers Jahr verteilt sind mit dem Schwerpunkt Oktober.

Dann werden in Frankfurt rund 1000 Chinesen – bisher unspezifisch und allgemein: Frauen und Männer, Junge und Alte, – anwesend sein, von denen ein Zwanzigstel tatsächlich Autoren sind, also 50 Personen, die vom Organisationskomitee ausgewählt worden sind. Nach welchen Kriterien, das sind so Fragen, die nur westliche Journalisten stellen. Fest steht, daß Schriftsteller „Das Gewissen der Gesellschaft“ seien und die Organisationsbehörde die Rückendeckung der Regierung hat, äußerte deren Generaldirektor Zhang Fuhai. Er trat bei der Vorstellung des chinesischen Programms und der Mitwirkenden gleich in die selbstgestellten Fallen, als er im Zusammenhang mit den Menschenrechtsfragen in China von den kulturellen Unterschieden sprach, – die Gott sei Dank natürlich vorhanden sind !- , mit denen er aber  nun ausgerechnet die deutschen Kopfkissen meinte, die Chinesen schlecht schlafen ließen, weil sie, wie für ihn selbst auch, zu weich seien. Lieber nicht nachfragen, was das mit Menschenrechten zu tun hat!

Buchmessendirektor Juergen Boos, der in die seit zehn Jahren laufenden Verhandlungen mit China als Gastland der Buchmesse vor vier Jahren eintrat, sagte: „China ist sich bewußt, daß es im Oktober im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit steht.“ Aber er würdigte auch die enormen Anstrengungen, die China in diesem Zeitraum gemacht hat. „Mit dem Ehrengastauftritt in Frankfurt macht China einen großen Schritt auf uns zu: Erstmals präsentiert es seine Kultur auf einer internationalen Bühne. Das ist nicht nur für Chinas Literatur eine Chance, sondern auch für uns. Denn über die Literatur können wir ein China kennenlernen, das sich aus vielen Stimmen zusammensetzt und überraschende Antworten gegeben kann. Wir brauchen dazu nur Neugier und den Mut, Fragen zu stellen“, so Boos.

Sicher ist die jetzt zur Buchmesse bekanntgegebene Unterstützung der kleinen und mittleren Verlage durch knapp 6 Milliarden Euro (!), die vor allem dem Kauf/Verkauf von ISBN-Nummern dienen, auf dem Humus dieser Vorbereitungen gewachsen. Von den rund 10 000 Verlagen sitzen mehr als die Hälfte in Peking und auch bei der letztjährigen Buchmesse waren die privaten chinesischen Verlage erstmals offiziell vertreten. Für die Autoren  sprach Chi Zijian über „Das Fenster des Schriftstellers“. Sie nahm ein Haus als Modell für das sprachliche Schaffen und Erschaffen des Autors, in dem aber das Wichtigste nicht die Mauern und das Design seien, sondern die Fenster, durch die Schriftsteller die Welt sehen können. „Ein Haus ohne Fenster ist erdrückend und der Besitzer wird schließlich darin ersticken. Ein Haus mit Fenstern ermöglicht es dir, den Rhythmus des Klangs der Welt zu finden.“

Ll Jiwei schließlich stellte sein Designkonzept vor für die Ehrengasthalle auf der Buchmesse „Die chinesische Kultur als künstlerischer Raum“. „Ein Blatt Papier, ein Tropfen Wasser, ein Schriftzeichen, ein Buch – das sind, in kondensierter Form, die Elemente, von denen die chinesische Kultur zusammengehalten wird.“, sagte der Künstler.  Das klang alles sehr poetisch und der Oktober wird zeigen, wie es ihm gelingt, die vielen Ansprüche der Darstellung der chinesische Buchkultur von der Antike bis heute mitsamt den westlichen Einflüssen darzustellen.
 
Montag, 15. Juni wird in der Zentralbibliothek eine Fotoausstellung „China im letzen Jahrhundert“ eröffnet, die bis zum 11. Juli dauert. Dabei geht es nur um Privataufnahmen, rund 150 von 30 Familien, die  die Kuratorin Bi Chunping aus Fotografien von fast 10 000 chinesischen Familien ausgewählt hat, um alle Bevölkerungsklassen zu Bild kommen zu lassen. Die älteste Aufnahme stammt von 1898 und die Absicht ist, auf diesem Wege den Wandel und die Entwicklung  in China bildlich werden zu lassen.
Eröffnung am 15. Juni mit Vortrag und Diskussion um 19.30 Uhr.

Internationale Frankfurter Buchmesse vom 14. bis 18. Oktober 2009.

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