Drei Kandidaten und ein Joker – Die CDU vor der Zerreißprobe

Joker
Ein schwarzer Joker. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Nach meiner langjährigen Erfahrung in der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag gehe ich davon aus, dass es keine Entscheidung auf dem Hamburger Parteitag gibt, die das Ende der schlimmen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei bedeuten könnte. Die CDU hat drei Kandidaten, die jetzt – unmittelbar vor der Entscheidung des Hamburger Parteitages – anfangen übereinander herzufallen. Das heißt, der Streit und der Riss gehen durch die Regionalkonferenzen, zu denen die CDU – mitten in dieser Kandidatenkür – aufgerufen hat.

Selbst mit einem Austausch eines oder einer Parteivorsitzenden auf dem Hamburger Parteitag kann die CDU es nicht bewenden lassen. Der jetzt schon ausgebrochene Streit zwischen den Kandidaten verdeutlicht, dass die eigentlichen Auseinandersetzungen nach der der Wahl einer oder eines Vorsitzenden erst stattfinden werden. Wer auch immer gewählt werden wird, wird inmitten aller öffentlichen Scheinwerfer stehen, die alle auf ihn oder sie gerichtet sein werden. Es ist jetzt schon abzusehen, welche Diskussionen es da geben wird und sie werden die Partei zerreißen, davon gehe ich aus.

Die Kandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer

Zunächst mal zu Annegret Kramp-Karrenbauer. Jeder in Deutschland geht davon aus, dass sie die Platzhalterin für die sich jetzt noch in Amt befindende Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel ist. Die ganzen Diskussionen, die sich jetzt schon über Merkel ergeben und die mit der Zeit noch dramatischer werden, werden sich anschließend über Kramp-Karrenbauer abladen und daher wird sie der Katalysator eines Streits in Deutschland werden, der sich mit der Politik der Kanzlerin beschäftigt.

Der Kandidat Friedrich Merz

Bei Friedrich Merz ergeben sich dramatische Diskussionspunkte aus seiner bisherigen beruflichen Tätigkeit und aus seiner Funktion als Präsident der Atlantikbrücke. Da kann man jetzt schon absehen, was da kommt. Und es war ja auch bereits zu vernehmen, dass da zwischen der Partei „Die Linke“ unter dem Vorsitzenden Bernd Riexinger und der Parteichefin der SPD Andrea Nahles die Champagnerkorken hin und her fliegen, weil Merz, aus allen diesen bereits genannten Gründen, der Lieblingskandidat der Parteien links der Mitte sein wird und nicht nur der Parteien links der Mitte.

Der Kandidat Jens Spahn

Was den Kandidaten Jens Spahn betrifft, so ist doch sehr auffällig, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Landesvorsitzende der dortigen CDU, Armin Laschet, nichts unversucht lässt, um die Wahlchancen des Kandidaten Spahn noch unter Null zu drücken. Das ist deshalb auffallend, weil Laschet als Parteivorsitzender und Ministerpräsident in Düsseldorf das auch schon bei der Wahl des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus genau so gemacht hat. Glaubt Laschet auch nur im Traum daran, dass die beiden es ihm nicht heimzahlen werden, wenn diese Auseinandersetzungen vorbei sind?

Der Joker

Laschet hat übrigens sehr deutlich gemacht, dass er deshalb nicht an dieser Wahlauseinandersetzung teilnimmt, weil er davon ausgeht, nur antreten zu können, wenn sich das Kanzleramt und der Parteivorsitz in einer Hand befinden. Die strategische Lage, die wir jetzt zwei Wochen vor dem Parteitag in Hamburg haben, geht genau in diese Richtung.

Die sich gerade jetzt im Rennen befindlichen Kandidaten sind in der CDU der Anlass für ungeheuren Ärger nach der Wahl in Hamburg. Das könnte bei Armin Laschet das Interesse wecken, im letzten Moment selbst ins Rennen zu springen, wenn er gleichzeitig die Bundeskanzlerin dazu bewegen kann auch das Bundeskanzleramt aufzugeben. Die Dramatik wird zunehmen, ob Laschet springt kann man im Moment noch nicht absehen, aber die taktische Anlage der ganzen Auseinandersetzung ist genau darauf ausgerichtet.

Doch die Gesprächsverweigerung, die die CDU unter Führung der Bundeskanzlerin gegenüber der deutschen Bevölkerung in Sachen Migration betrieben hat, wird die Partei zerreißen. Die Merkel-CDU stärkt die Grünen und die AfD, schwächt die SPD und die Union. Bleibt Merkel Kanzlerin und wird in Hamburg einer der drei Kandidaten gewählt, war`s das.

Anmerkungen:

Vorstehender Kommentar ist das Resultat der Antworten, die Willy Wimmer World Economay in einem Exklusivinterview gab und die unter „K-Frage: eine Platzhalterin, ein Nordatlantiker, ein Chancenloser und ein Joker“ am 26.11.2018 erstveröffentlicht wurden.

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Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a.D. Von 1994 bis 2000 war Willy Wimmer Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).