Die älteste Messe der Welt! – Serie: Die alte Frankfurter Herbstmesse im Gewand der „Tendence“ 2010 (Teil 1/2)

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In eine derartige Situation war die Messe Frankfurt bei den Konsumgütermessen gekommen und da hilft auch wenig, daß sie immer noch viel besser, viel stabiler dastand, als die Messen an anderen Orten. Verantwortlich fing sie an, neue Wege zu gehend. Der Termin der Messe war eines der Steuerungselemente, das erfolgreich erschien. Schon länger war die Internationale Herbstmesse in den August gerutscht, denn die Produktion brauchte die Zeit, auf das Ordern auf Messen mit den Produkten zu reagieren. Aber dann schien selbst der August schon zu spät für das Geschäft zu Weihnachten und zum nächsten Jahr. Also glaubte man, die Lösung im Juli-Termin gefunden zu haben. Das ging im letzten Jahr gründlich schief und eigentlich waren es die Aussteller, die durchsetzten, daß 2010 der traditionelle Augusttermin greift. Dazu war allerdings kein Kraftakt nötig, denn die Messeleute hatten bei ihren Umfragen im letzten Jahr einfach gut zugehört und sich für das Mehrheitsvotum von Zweidritteln entschieden, ein Termin, der nun wiederum einigen auch nicht passt. Alles unter einen Hut zu bringen, wird nie klappen.

Die Messe Frankfurt allerdings versucht es und stellte die Rahmenbedingungen der diesjährigen Tendence in einer Pressekonferenz vor. Dabei waren die personellen Änderungen vorgeschaltet, denn Stephan Kurzawski – zuständig für die Automechanika im September im jährlichen Wechsel mit der IAA des VDA, eine interessante und erfolgreich Hausmesse, die Frankfurt also selbst durchführt – wurde in die erweiterte Geschäftsleitung berufen und wird mit der Bereichsleiterin Nicolette Naumann zusammen die Konsumgütermessen planen, Strukturen geben und inszenieren. Souverän peilte Detlef Braun erst einmal den zu erwartenden Erfolg an. Denn mit Stolz konnte er berichten: „2 130 Aussteller aus 57 Ländern und damit zusätzliche 80 Firmen haben sich für das internationalste Konsumgüterevent der zweiten Jahreshälfte entschieden. Auch wenn sich die Tendence weiterhin in unruhigem Fahrwasser befindet, werten wir die erstmals wieder leicht gestiegenen Ausstellerzahlen als Zeichen, auf dem richtigen Kurs zu sein.“ Tatsächlich aber tritt Braun „mit Respekt“ und durchaus nicht obenauf diese Aufgabe an, wobei ihm Stephan Kurzawski in den vorsichtigen Interpretationen der wirtschaftlichen Lage zur Seite stand, denn den gestiegenen Ausstellerzahlen, von denen man sich auch eine Steigerung der Besucherzahlen erhofft, stehen gesunkene Ausstellungsflächen gegenüber.

Die Messestände werden also kleiner, rund 34 Quadratmeter im Schnitt, was den Zahlen von früher entspricht. Es gibt aber eine weitere Erklärung. Denn lautlos wurde die „Collectione“ eingestellt, die für das Großsortiment eine Sondermesse auf großen Ausstellungsflächen bot. Die auf ihr Maß zurechtgeschraubte Tendence darf allerdings gute ökonomische Erwartungen hegen. Eine von der Messe Frankfurt in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage der Forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse) hatte zum Ergebnis: „Zwölf Prozent der Deutschen gaben dabei an, Weihnachten 2010 mehr Geld für Geschenke ausgeben zu wollen. Im Durchschnitt planen sie rund 15 Prozent höhere Ausgaben ein. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung bedeutet dies, daß sich der Einzelhandel aus heutiger Sicht auf ein Umsatzplus von rund zwei Prozent vorbereiten kann.“ Der zu erwartende Umsatzanstieg beträgt also 1,43 Milliarden Euro auf der Basis des Vorjahresvolumens des Weihnachtsgeschäftes, das bei 73 Milliarden Euro lag.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels sieht also grünes Licht für die Spielwaren, Uhren und Schmuck, Bücher, Unterhaltungselektronik, Parfümerie und Körperpflegemittel, Bekleidung, Möbel, Einrichtung, Hausrat sowie Produkte aus dem Einzelhandel im engeren Sinn. Das alles ist auf der „Tendence“ zu sehen, die sich in die zwei Bereiche Living und Giving unterteilt, die von den Ausstellern her analoge Zahlen : 1 028 gegenüber 1 102 bieten, aber Living um ein Viertel größeren Raumbedarf hat, was leicht zu erklären ist, benötigen doch Hausrat, Kleinmöbel, Bilderrahmen, Leuchten und Gartenausstattung mehr Platz als beispielsweise Schmuck. Uns begeistern immer das Auf und Ab in den länderspezifischen Ausstellerzahlen, weil deren Interpretation manchmal naheliegt, oft völlig fern ist und man es im übrigen sowieso nicht genau weiß.

Daß Belgien, Italien, Dänemark, Schweden und die Schweiz erhebliche oder kleinere Zuwächse haben, kann man angesichts deren wirtschaftlicher Lage noch verstehen, daß aber auch Griechenland von 3 Ausstellern auf 8 zulegt, entzieht sich jeglicher auf Wirtschaftskraft der Länder begründeten Argumentation. Frankreich und Portugal im Minus, das paßt dann wieder. Und daß China ein gutes Viertel mehr an Ausstellern bringt (von 333auf 449) ist auch erklärlich, aber warum aus Südkorea (von 33 auf 12) und Taiwan (von 63 auf 31) so massive Einbrüche kommen, ist auf dieser Basis wiederum nicht schlüssig.

Wie es auf der Messe dann wirklich zugeht, werden wir auf unserem Ausstellungsrundgang ab dem 27. August erleben und beschreiben.

Vom 27. bis 31. August 2010

www.tendencemessefrankfurt.com

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