Dialog der Vernunft und Menschlichkeit zwischen IGB und FIFA – Faire Arbeitsbedingungen müssen in Katar rasch und nachhaltig umgesetzt werden – Mutige Initiative von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

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© IGB /equal times
Treffen in Doha

Die einstündige Sitzung fand im Home of FIFA in Zürich statt. FIFA-Präsident Blatter beauftragte Exekutivkomiteemitglied Dr. Theo Zwanziger, der ebenfalls am Treffen teilnahm, zusammen mit dem IGB den Dialog unter Einbindung von Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen fortzuführen. Blatter informierte über sein Treffen in Doha  mit dem Staatsoberhaupt von Katar, dem Emir Tamim bin Hamad bin Khalifa al-Thani. Bereits vor mehreren Monaten haben die verantwortlichen Stellen in Katar begonnen, auf die akuten Probleme im Bereich der Arbeitsbedingungen zu reagieren.

Mächtig genug

Vorausgegangen war die Forderung des Internationalen Gewerkschaftsbund IGB an die Adresse von FIFA-Präsident Joseph Blatter auf, beim Besuch in Katar Druck für Arbeitnehmerrechte zu machen. Der Weltfußballverband FIFA sei „mächtig genug“, den 1,3 Millionen Arbeitern in Katar Rechte und bessere Arbeitsbedingungen zu garantieren, sagte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Ohne Arbeitnehmerrechte dürfe es keine WM in Katar geben. Der FIFA-Chef solle bei seiner Reise nach Doha Druck ausüben auf die Verantwortlichen.

Unzureichend
Nun hatte zwar der Weltfußballverband FIFA zwar zugesagt, sich in jedem der WM-Gastgeberländer für die Achtung grundlegender Rechte einzusetzen. Zudem hatte Blatter bei seinem Treffen mit dem Emir von Katar in Doha die Frage der Arbeitnehmerrechte und der Arbeitsbedingungen angesprochen. Nach Blatters Rückkehr hatte der IGB den Höflichkeitsbesuch beim Emir als „eine unzureichende und enttäuschende Reaktion auf die Krise in dem Land“ bezeichnet. Es sei „eine Schande“, so IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow, dass die FIFA weiterhin auf Distanz gehe und trotz von ihr inspirierter Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer in anderen WM-Gastgeberländern nicht wirklich etwas in Katar unternehme.

Grundstein gelegt

© IGB /equal timesDer IGB startete eine internationale Kampagne. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nutzte die sportpoltische Chance für eine Vermittlung und initiierte den gemeinsamen Pakt zwischen Gewerkschaften und Sportverbänden auf internationaler Ebene. Insofern spricht jetzt die internationale Sportgemeinschaft die Sprache der politisch organisierten Arbeitnehmerschaft. Mit Hilfe von Niersbach wurde hiermit den Grundstein für eine neue Ära der Kampf um die Menschenrechte gelegt. Kurz zuvor hatte der Diplomat und Taktiker Blatter noch die Meinung verteten, dass der Weltverband FIFA nicht in die Arbeitnehmerrechte eines Landes eingreifen könne. FIFA-Präsident Blatter erklärte aber zu den Zuständen auf den WM-Baustellen erklärt, dass er die Missstände auch nicht ignorieren könne."

Resolution des DGB

Derzeit wächst weltweit die Empörung über die Unterdrückung und Sklaverei ähnlichen Zuständen auf den Baustellen der  Fußball-WM 2022 in Katar. Die Gastarbeiter, sie stammen vor allem aus Sri Lanka, Bangladesch, Nepal und Indien, haben in Katar kaum Rechte. Sie leben unter unmenschlichen Bedingungen; regelmäßig gibt es Unfälle auf den schlecht gesicherten Baustellen. Der DGB hatte am 2. Oktober den Deutschen Fußballbund mit einer Resolution aufgefordert, auf die FIFA einzuwirken, damit Katar die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 entzogen wird.

Mit Genugtung registriert

DFB-Chef Niersbach nahm die Herausforderung an, forcierte sogar das Tempo der Meinungsbildung und setzte sich mit seiner Gesprächsvermittlung klugerweise an die Spitze der Verständigung. Sein Vorgänger und jetziges FIFA- Exekutivkommitée-Mitglied  Dr. Theo Zwanziger wird es wohl mit Genugtung registriert haben.  Hier scheint sich eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen der DFB-Zentrale und dem deutschen Mitglied in der FIFA-Hierachie zu entwickeln. Niersbach zeigte mit seinem Vorstoß, dass nach den ersten Monaten und seiner Wiederwahl sein Amt auch als politische Speerspitze nutzt.

Im Anschluss an die Sitzung sagten die Beteiligten, die sowohl auf der Homepage der FIFA und des DFB gleichlautend veröffentlicht wurden:

© IGB /equal timesFIFA-Präsident Blatter: „Die Wirtschaft und die Politik müssen mithelfen, die untragbare Situation in Katar zu verbessern. Ich begrüsse daher die Initiative des IGB und des DFB sehr, denn gemeinsam können wir das Ziel erreichen. Ich bin überzeugt, dass Katar die Situation sehr ernst nimmt. Allein die Diskussion über Katar zeigt, wie wichtig der Fussball sein kann, um Öffentlichkeit zu erzeugen und dadurch Veränderungen anzustossen.“
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Über die Vergabe der WM und die grosse öffentliche Aufmerksamkeit haben wir die Chance, auf Missstände hinzuweisen und nachhaltig etwas zu verändern. Wenn uns das gelingt, ist sehr viel erreicht. Es war uns deshalb ein Anliegen, den Internationalen Gewerkschaftsbund und die FIFA als Vertragspartner von Katar schnell zusammenzubringen.“

Michael Sommer, Vorsitzender des IGB und DGB: „Wir begrüssen, dass die FIFA und der DFB sich für unser Anliegen, im Gastgeberland Katar menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen, einsetzen. Katar muss die Kernarbeitsnormen der ILO garantieren und somit Diskriminierung und Zwangsarbeit beseitigen sowie die Vereinigungsfreiheit der 1,3 Millionen Wanderarbeiter zulassen.“

Dr. Theo Zwanziger: „Das Ziel ist es, bereits bei der Sitzung des Exekutivkomitees im März 2014 über konkrete Massnahmen von Seiten Katars berichten zu können. Dabei müssen die grossen Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Und auch die Staatengemeinschaft muss sich der Verantwortung stellen.“

Missachtung des Rechts

Als Generallinie wurde von beiden Seiten anerkannt, dass der menschliche Respekt vor den Arbeitnehmerrechten eine Bedingung für die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 in Katar sein muss. Ohne Arbeitnehmerrechte sollte es keine WM in Katar geben. Noch ist Zeit, erneut über den Austragungsort der Fußball-WM 2022 abzustimmen, falls in Katar keine Reformen stattfinden. Die Verletzungen fundamentaler Arbeitnehmerrechte und die Missachtung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit sind unerträglich für eine Sportart, die eigentlich der Völkerverständigung dienen sollte.

Wertegemeinschaft

Der Weltfußballverband FIFA sowie der DFB als einer der größten Verbände stellen sie der Verantwortung, einen Veranstaltungsort für die Weltmeisterschaft auch wenn es sein muss abzuwählen, wenn die Arbeitnehmerrechte nicht respektiert werden. Es gilt den Tod von Arbeitskräften in Katar zu untersuchen und mit den international organisierten Gewerkschaften gemeinsame Inspektionen in Katars Arbeitslagern und Arbeitsstätten durchzuführen. Das heutige Treffen und die Einigung zwischen FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und IGB-Präsident Michael Sommer ist eine Sternstunde der internationalen Sport- und Wertegemeinschaft. Insbesondere sollte der Schritt von Blatter nach vorne nicht als reine Taktierei abgetan werden. Auch der ehemalige Arabien Lobbyist und neu gewählte deutsche IOC-Präsident Thomas Bach sollte seinen Weltverband ebenso positionieren.
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