Deutsche Ski-Adler fliegen allen davon

Bretter, die für Skispringer die Welt bedeuten. Quelle: Pixabay

Wisla, Polen (Weltexpress). Hingucker für die Freunde der Schanzenshows waren am Wochenende die Schlesischen Beskiden. Auf der „Adam-Malysz-Schanze“ segelten die Skispringer beim Weltcup-Auftakt zu Tal. Freude kam bei den deutschen Ski-Adlern auf, denn mit Markus Eichenbichler (137,5/134 m), Karl Geiger (133,5/128/ (138,5/125,5 m) segelten gleich zwei unserer Schanzenpiloten auf die beiden ersten Plätze des Podiums. Als Dritter flog der Österreicher Daniel Huber heute auf das Treppchen.

Schon am Sonnabend gewannen die Österreicher den Team-Wettbewerb mit knappen 8,7 Punkten Vorsprung vor Deutschland und Polen 16,7 Punkte zurück. Wir konnten Weltmeister Markus Eichenbichler nachempfinden, als er jubelte: „Das hätte ich nicht erwartet, auch wenn ich wusste, dass ich gut drauf bin. Ich bin extrem happy, dass ich hier den zweiten Weltcupsieg meiner Karriere feiern durfte.“

Sachlich wie immer stellte der Oberstdorfer Karl Geiger fest: „Unser Erfolg zeigt, dass wir im Sommer gut gearbeitet haben.“ Mit Platz zwölf und 18 müssen sich Pius Paschke aus Kiefersfelden und Martin Hamann aus Eilenburg nicht verstecken. Der 23-Jährige segelte sogar bis auf die Schanzenrekord-Weite von 138,5 Meter, wollte dann aber vor lauter Freude die Arme hoch reißen, was ihn von den Brettern riss und er dadurch in der Punktetabelle im Tiefflug durch die Ergebnisliste düste.

Mit Andreas Wellinger und Severin Freund standen auch zwei Gold-Adler am Ablauf in Wisla, die sich zuletzt im deutschen „Adler-Horst“ gesundpflegen lassen mussten.

Der Ruhpoldinger Wellinger hatte einen Kreuzbandriss auskuriert. Dadurch war ihm die gesamte verflossene Saison verloren gegangen. Im Sommer musste er zu allem Übel noch einmal einen Schlüsselbein-Bruch auskurieren, den er sich in Australien zugezogen hatte.

Severin Freund wiederum war fast zwei Jahre zur Schanze-Abstinenz verurteilt. Im Frühjahr 2015 war er nach Jens Weißflog und Martin Schmitt als dritter Deutscher zum Gesamtweltcup gesegelt. Danach traf es den Rastbüchler hart auf hart. Erst eine Hüftoperation, kaum genesen, riss ihm das Kreuzband und als er im Februar 2019 wieder loslegen wollte, musste er wegen eines kaputten Meniskus unters Messer. Schließlich plagten den Ex-Weltmeister zu Jahresbeginn erneut Rückenprobleme. Verständlich, wenn der Zollbeamte über ein Karriereende nachdachte und sich fragte: „Willst du dir das noch einmal antun?“ „Dann aber dachte ich doch. Es gibt noch etwas zu tun. Erst wenn es nicht mehr kitzelt, höre ich auf“, gestand er den Journalisten. Ein fünfter Rang bei den Deutschen Meisterschaften im Oktober in Oberstdorf brachte das Vertrauen zurück.

Bundestrainer Stefan Horngacher macht seinem Star keinen Druck. „Severin muss sich erst langsam wieder an das Weltcup-Geschehen gewöhnen.“ Was dem 32-Jährige recht gut mit einem 25. Rang und Weiten von 122,5/124,5 Meter recht gut glückte.

Für Andreas Wellinger ging es schon beim internen Ausscheid ziemlich knapp zu. Er übertrumpfte nur um Haaresbreite den Sachsen Richard Freitag. Wellinger ist allerdings an Nervenkitzel gewöhnt. Bei den Olympischen Winterspielen in Phöngjang, auch Pjöngjang geschrieben, parkte er auf einem fünften Rang im ersten Durchgang. Dann sprang er in der südkoreanischen Kälte mit Schanzenrekord von 113,5 m noch zum Gold.

Die Weite in Wisla von 117 m und die Zuschauerrolle beim zweiten Durchgang schien Andreas noch egal, wenn er sagte: „Ich bin extrem happy, dass ich überhaupt wieder im Weltcup springen darf. Ich bin mit dem Einstieg zufrieden. Die Nervosität war doch wieder ein bisschen höher als ich dachte.“ Der österreichische DSV-Bundestrainer Stefan Horngacher macht dem Bayern keinen Druck: „Andreas hat zuletzt nicht die besten Sprünge gemacht. Er muss nach einjähriger Pause erst wieder in den Wettkampf-Rhythmus kommen Aber ich bin zuversichtlich.“