Der Verführer lässt schön grüßen – „Der Auftragslover“ soll Vanessa Paradis in Pascal Chaumeils „L ´Arnaceour“ verführen

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Den trashigen Charme, den „Dirty Dancing“ versprüht, besitzt „Der Auftragslover“ nicht. Dazu seinem unübersehbaren Kitsch zu bekennen, fehlt dem vornehmen Franzosen der Mut. TV-Regisseur Chaumeil wähnt sein Kinodebüt weit über dem vergnüglichen amerikanischen Unterhaltungskino. Amüsanter, pikanter und süffisanter will „Der Auftragslover“ sein und zieht in seiner Anfangsszene romantische Filmklischees aus „Der englische Patient“ und „Jenseits von Afrika“ in den Staub der Wüste, wo Alex einer falsch Verliebten die Augen öffnet. Mit Dialogen, die wie aus einem Liebesschmöker aus der Bahnhofs-Buchhandlung abgelesen klingen, überzeugt er sein weibliches Opfer, dass ihr Partner der Falsche für sie ist. Letztes entscheiden die Freunde und Verwandten der Zielobjekte, die Alex mit Hilfe seiner Schwester Melanie (Julie Ferrer) und ihrem prolligen Gatten Marc (Francois Damiens) beauftragen.

Kein Sex, lautet bei der Arbeit Alex wichtigste Regel. Die fehlgeleiteten Herzen sollen nur auf den rechten Weg geführt, nicht gebrochen werden. Dafür droht dem „Auftragslover“ das eigene Herz zu brechen, als er die charmante Juliette (Vanessa Paradis) ihrem Zukünftigen entfremden soll. Emotionale Emanzipation ist in der Welt der vorhersehbaren Liebes-Schnulze ein Fremdwort. Herzen mögen irren, Vater oder Schwiegermutter nie. Die Redewendung, man heiratete stets eine komplette Familie, ist für Pascal Chaumeil oberstes Gebot. Mother knows best – im Falle von „Lárnacoeur“ ist es der reiche Papa. Rebell und Verführer soll Alex sein, doch diese Rolle spielt Hauptdarsteller Romain Duris sowenig unglaubwürdig wie Alex seine vermeintlichen Charmeurkünste. Kein Wunder, dass ihm seine erste Angebetete einen Korb gab, als er ihr nach einer Schultheateraufführung seine Liebe gestand. Wie ein müder Alfie für Arme wirkt „Der Auftragslover“ mit Gel glänzenden Locken und Drei-Tage-Bart.

Das Schicksal, welches er ihr Vater vor der Hochzeit mit Andrew prophezeit, scheint ihr eher mit Alex zu drohen. Wie qualvoll knapp über hundert Minuten tödlicher Langweile sein können, lehrt „Der Auftragslover“ das Kinopublikum. Dass sich der deutsche Verleihtitel ausgerechnet an die Hollywood-Vorbilder, welche das französische Original verhöhnen will, anbiedert, ist treffende Ironie. Da eignet sich Patrick Swayze auf einer „Dirty Dancing“-DVD besser als privater „Auftragslover“, der die Liebe von Familienbanden entfesselt: „Mein Baby gehört zu mir!“

Titel: Der Auftragslover – L`Arnacoeur

Land/ Jahr: Frankreich 2010

Genre: Liebeskomödie

Kinostart: 6. Januar 2011

Regie: Pascal Chaumeil

Drehbuch: Laurent Zeitoun, Jeremy Doner, Yopann Gomb

Darsteller: Vanessa Paradis, Romain Duris, Julie Ferrer, Francoise Damiens, HelenanNoguerra, Andrew Lincoln, Jaques Frantz, Jean-Marie Paris

Kamera: Thierry Arbogast

Musik: Klaus Badelt

Schnitt: Dorian Rigal-Ansous

Laufzeit: 105 Minuten

Verleih: Universum Film

www.universum.film.medianetworx.de

www.auftragslover.de

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