Der Luxemburg Kunst-Sommer 2014 – Alles Vauban oder was?

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© Foto: Eva-Maria Koch, 2014

Luxemburg

Kein Weg führt an ihm vorbei, dem Stararchitekten Ludwig des XIV: General Vauban. In Umwandlung des Sprichworts „Alle Wege führen nach Rom“ kann man postulieren: „Alle Wege führen zu Vauban“. In der gesamten Grande Région Saar-Lor-Lux sind die Meisterwerke des Befestigungs-Genies anzutreffen, meist mit einem heutigen Unesco-Weltkulturerbe-Titel geadelt, wie ich schon in etlichen Reportagen für den Weltexpress zeigen konnte. Viele Orte tragen seinen Namen, so auch die „Villa Vauban“, die auf der von ihm geschaffenen, später von Feinden geschliffenen Stadtmauer erbaut wurde.

Die klassizistische Villa Vauban ist eine von vier großen Kunstmuseen in der Stadt Luxemburg (1995 und 2007 Kulturhauptstadt Europas). In Kooperation mit der Eremitage St. Petersburg und dem Dordrechts Museum, wird unter dem Titel Königliche Sammellust: Wilhelm II. der Niederlande und Anna Pawlowna (12.07.-12.10.2014) eine Schau gezeigt, die erstmals eine der bedeutendsten Kunstsammlungen des 19. Jahrhunderts wieder zusammenführt. Die ausgestellten Gemälde bieten einen repräsentativen Querschnitt durch die europäische Kunstgeschichte seit dem 16. Jahrhundert (darunter Werke von Massys, Melzi, Murillo und Rubens). Kostbare Prétiosen, Gemälde und Skulpturen. Hinzu kommt noch der wunderschöne Blumengarten, der die Villa  umrahmt. Eingebettet ist das Ganze in den idyllischen Stadtpark Parc Municipal/Ed Klein, in dessen erfrischendem Grün man nach Herzenslust seine Seele baumeln lassen kann nach dem Kunstgenuss. Eine Reihe von Klassikkonzerten rundet den Genuss ab.

Das zweite Kunstmuseum, Mudam (Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, ) mit  Damage Control: Art and Destruction Since , beschrieb ich in "Luxemburg: Summer 2014 im MUDAM, Museum für moderne Kunst" erst kürzlich.

Das dritte Museum „im Kunstsommer-Bunde“ ist das Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain. Es  präsentiert mit HLYSNAN – The Notion and Politics of Listening (17.05.-07.09.2014) eine internationale Gruppenausstellung rund um das Thema „Sound“. Sie widmet sich verschiedenen Audio-Praktiken und versucht, diese mit aktuellen sozio-politischen Realitäten in Einklang zu bringen (mit Werken von u.a. Yoko Ono, Susan Schuppli und Christine Sullivan & Rob Flint). Yoko Ono – 81 Jahre ist die Gute mittlerweile!

Last but not least: Schön zentral- unweit vom Großherzoglichen Palast gelegen wird im stattlichen Musée National d`histoire et d`art du luxembourg (Nationalmuseum für Geschichte und Kunst) (www.mnha.lu) sind unter dem Titel Eine romantische Reise Meisterwerke holländischer und belgischer Maler des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Rademakers gezeigt (04.04.-14.09.2014), darunter B.C. Koekkoek, Charles Leickert, Jacob Abels, Marinus Kruseman, Cornelis Lieste, Andreas Schelfhout, Bartholomeus van Hove, Victor-Jules Génisson und Basile de Loose.

Wer noch „Kunst-Puste“ hat, kann sich noch einer Führung im Großherzoglichen Palais anschließen, der während der Sommermonate zu besichtigen ist – allerdings nur nach Voranmeldung.

Amerikanischer Soldatenfriedhof

© Foto: Eva-Maria Koch, 2014Auf dem Nachhauseweg nach Deutschland fahre ich noch beim Amerikanischen Soldatenfriedhof vorbei, den ich bislang „geflissentlich“ bei anderen Besuchen umfuhr. Heute jedoch, wo „unsere“ Präsidenten Gauck, Hollande und Cameron sich am „Menschenfresserberg“ Hartmannswiller in den elsassischen Vogesen versöhnlich in die Arme fallen, will ich meine Ängste vor diesem schlimmen Thema überwinden.

Ich habe es nicht bereut: Große Namens-Steintafeln und Steintafeln mit Bronzegravuren zeigen die Marschrouten der amerikanischen Heere – so habe ich das noch nie erklärt bekommen, schon gar nicht in unseren Gymnasien, die das Thema der Naziverbrechen mehr oder minder totschwiegen. Während ich in Memorialkirche bin, einem Meditationsraum mit Kondolenzbuch, höre ich eine männliche Stimme vom ästhetisch gebauten Friedhof: ein amerikanischer Vater steht mit seiner Familie vor einer dieser riesigen Steintafeln und erklärt seinem kleinen Sohn, wie General Patton damals die Heere befehligte und wie er bei einem Linkskommando das gesamte Heer logistisch in eine Linkskurve bewegen musste – über hunderte bis tausende Kilometer Distanz: eine einzige Linkskehrtwende.

„Ich bin Soldat und viele meiner Familienangehörigen haben geholfen, Europa zu befreien. Ein Onkel war in Italien damals.“ Mir kommen fast die Tränen in die Augen, denn nur zu gut habe ich noch die schreckliche Augenzeugenschilderung eines deutschen Todesschützen von einer ARTE-TV-Dokumentation vor Augen: Dieser erklärte, dass er als Deutscher mit seinen Maschinenwehrsalven die an den Normandiestränden ankommenden Soldaten nieder metzelte. Die nachkommenden Soldaten hatten keinen Schutz! Ein junger Soldat warf sich nach der Landung auf die Knie, nachdem er die tausenden toten Kameraden auf dem Strand gesehen hatte, holte einen Rosenkranz heraus und fing an zu beten. „Er fiel in zwei Hälften auseinander von den Maschinensalven.“ sagte dieser deutsche Täter und Augenzeuge.
„Mein Sohn heißt mit zweitem Namen Patton.“ sagt der Soldat zu mir und der kleine Junge schaut mich stolz und mutig an. General George Patton ist ebenfalls auf diesem Friedhof beigesetzt. Auch Soldaten aus dem ersten Weltkrieg sind hier beigesetzt.

Ja, es ist so, wie Präsident Hans-Joachim Gauck zu sagen wagte – in gewissen Fällen muss Gewalt auch mit Gewalt erwidert werden können, sonst wäre Psychpath Hitler und seine Massenpsychose-Anhänger niemals beseitigt worden.

Überwältigt fahre ich von diesem Friedhof und Mahnmal weg, das in einem Land liegt, Luxemburg, wo die Nazis schlimmstens gewütet haben und Luxemburger zwangseingezogen wurden in das deutsche Heer. Eine Filmdokumentation, in der luxemburgischen Botschaft Berlin gezeigt, ließ mir damals das Blut in den Adern frieren!

Ein Kontrapunkt zu den Kunstmuseen, jedoch im MUDAM ist „Zerstörung“ ja auch ein Thema, ein Thema dieser Tage in der kriegszerrütteten Gegenwart, dieses Jahrhundert mehr oder minder weit weg von uns!

Das sommerliche Flair an den Ufern der Mosel, die Weinreben in vollem Grün, Weinfeste werden gefeiert – den Schrecken abschütteln, auch das kann man in Luxemburg! Es lebe das Leben und die Liebe!

Unterstützerhinweis:

Die Recherche wurde unterstützt vom Mudam Luxembourg.

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