Der Bart ist die Burka des muslimischen Mannes – Über das tabuisierte Geschlechterverhältnis

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Als ich vor einigen Jahren einen Artikel über die Burka schrieb, in dem ich darauf hinwies, dass in muslimischen Gesellschaften oft sexueller Missbrauch, aber nicht nur dort, sondern auch in der westlichen Kultur, besteht und nach außen projiziert wird, antwortete ein Ali indigniert und führte in einem Nachsatz aus, dass er auch nicht die Frauen verführe, indem er sich den Bart abrasiere und sich mit Gold behänge. Durch diesen angehängten Satz wurde mir deutlich, dass er der Meinung war, einen langen Bart tragen und ein nicht zur Schaustellung des Reichtums sei ein Schutz vor der Verführung der Frau. Das ist durchaus zu verallgemeinern, Reichtum ist oft erotisierend.
Ich hatte einmal einen Patienten, der in der Kindheit starkes Asthma entwickelt hat. Es ging der Familienmythos, dass die Großmutter ihn am Leben erhalten hat. Angeblich wurde die Mutter mit ihm nicht mehr fertig, und er wurde mit zehn Jahren in ein Internat geschickt. Das war seine Rettung, er hatte kein Asthma mehr. Ich bin aber der Meinung, dass das Asthma durch die Anwesenheit der Großmutter und die erstickende Atmosphäre im Kompetenzgerangel, auf wen das Kind mehr höre, zwischen der Mutter und der Großmutter eher entstand. Später machte er bei mir eine Psychotherapie. Eines Tages war sein langer Bart ab, und es erschien dahinter ein völlig anderer Mensch – viel erotischer. Er war der Einzige, der sagte, als ich plötzlich 1976 mit vollem Lockenkopf da saß „”¦auch das noch!“.
Also haben nicht nur Frauen, in dem sich körperlich zur Schau stellen, eine Verführungskraft für Männer, sondern auch Männer eine Verführungskraft für Frauen. In uralten Mythen wird diese dargestellt wie z.B. die Sage von der Loreley, wo die Männer bei dem Versuch, der Verführerin nahe zu kommen, in den Fluten zerschellten, oder in der Odyssee, wo Odysseus den Verlockungen von Circe widerstand. Am ehesten ist dem zu widerstehen, indem sich Frauen verhüllen bis zur Burka in muslimischen Gesellschaften. In unserer westlichen Kultur, in der das Verhüllen bis auf die Nonnen unüblich ist, neigen Frauen sich selbst unattraktiv darzustellen, indem sie z.B. eine hässliche Brille tragen oder sich voll fressen oder unattraktiv anziehen, am besten alles zusanmmen, um nicht die Blicke der Männer auf sich zu ziehen.
Wenn ich früher mit meinem Collie joggte, er fröhlich bellend herum sprang, geschah es wiederholt, dass eine Frau fröhlich lächelnd ihm zusah. Ihr Lächeln sofort aber erstarb, wenn sie mich anblickte. Ich dachte spontan sofort, sie denke „der soll bloß nicht denken, dass ich was von ihm will!“ Lächeln wird als Verführung und Anmache angesehen. Meine Gedanken wurden mir wiederholt von Frauen bestätigt. Also wird das Anlächeln schon als unstatthafte Verführung angesehen. Durch das Verbot wird sozusagen die Welt sexualisiert. Überall wird sexuelle Verführung hinein gesehen.
In patriarchalischen Gesellschaften, wo die Klitorisbeschneidung bzw. eine Sexualverstümmelung stattfindet, soll dadurch erreicht werden, dass Frauen treu und anständig sind, weil vermutet wird, dass Frauen ansonsten mannstoll und sexbesessen sind. Aber wie kommt es zu solchen Meinungen? Ich nehme an, dass böse, schlimme  Erfahrungen dahinter stecken, die sozusagen transkulturell weiter vererbt werden. Diese Erfahrungen sind sexuelle Übergriffe (Missbrauch), Vergewaltigungen in der Familie oder in Kriegen. Vor allem die Mütter sorgen in vermeintlicher Fürsorge dafür. Den kleinen Mädchen und Frauen wird unterstellt, dass sie daran selbst schuld sind, sozusagen Huren sind. Allein durch ihre Existenz stellen sie diese Verführungskraft für Männer dar.
Ich hatte einmal eine Serbin als Patientin, die unter Schmerzzuständen litt. Sie hatte sich mit 21 Jahren von ihrem Freund getrennt, weil er ihr zu gewalttätig war, woraufhin er mit 3 Freunden gemeinsam sie vergewaltigte und sie so misshandelte, dass ihr 3 Rippen gebrochen waren. Dabei wurde sie körperlich und vor allem seelisch schwer verletzt. Sie strengte daraufhin ein Verfahren gegen die Vergewaltiger an. Einer Freundin eines der Vergewaltiger gelang es, sie nach England zu locken. Daraufhin nahm sie dort die englische Polizei in Gewahrsam, von der deutschen gewarnt, sie solle getötet werden. 35 Jahre später kam sie zu mir, und erst auf Drängen einer Freundin erzählte sie mir, dem Psychotherapeuten, ihre Geschichte. Als Begründung für das langjährige Schweigen, stellte sie unwiderruflich fest, „eine Frau, die mit mehreren Männern geschlafen hat, ist eine Hure“. Sie fürchtete heute noch, von allen Leuten verurteilt zu werden, und erzählte niemanden davon. Als sie sagte „wann hören die Schmerzen endlich auf?“, antwortete ich „wenn sie darüber mit Freunden sprechen könne“. Ein paar Stunden später sagte sie „das könne sie nicht!“ und beendete folglich die Therapie. So sehr hatte sie das Bild verinnerlicht, das noch nach 35 Jahren den eigentlichen körperlichen Schmerz bedeutete. Die seelisch Wunden heilen viel schwerer (oder gar nicht) als die körperlichen, die sie sich aufgrund dieses verinnerlichten Bildes selbst zufügte. Selbst zufügen – das kann man aber nur in einer offiziellen Kultur der Selbstverantwortlichkeit und Selbstbestimmung sagen.
Männer wie Frauen haben von Natur aus die gleiche Intensität der Sexualität. Das kann sich beispielsweise in Liebesfilmen zeigen, wobei beide in gleicher Weise über einander herfallen. Sexuelle Übergriffe des Mannes – bei gestörter Persönlichkeit – etwa beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Familien oder bei der Pädophilie waren stark tabuisiert. Sexueller Missbrauch wird seit einigen Jahrzehnten offener angesprochen, die Pädophilie kam erst nach den Skandalen in Heimen, Schulen und Priesterseminaren deutlicher zur Sprache. Die Dunkelziffer ist aber wahrscheinlich noch hoch.
Frauen, vor allem wenn Sie gestört, puritanisch erzogen und frigide sind, neigen ebenso wie Männer zur Einbeziehung ihrer Kinder in ihre Form der Sexualität. Nicht umsonst schrieb Michael Amendt in der FR einen Artikel „ über die Vorliebe der Mutter für den Penis ihres Sohnes“. Auch sind sie in den ersten Lebensjahren normalerweise viel mehr da als die Väter. Ihre Kinder werden dadurch durch ihre Person wesentlich mehr beeinflusst.
In der verschwiegenen Atmosphäre der frühen Kindheit, an die das Kind wenig Erinnerung hat, – die Mütter haben ebenfalls kaum ein Erinnerung an die frühkindlichen Übergriffe aus Schutz vor Schuldgefühlen -, insbesondere wenn der Vater viel außerhäuslich ist, neigen Mütter dazu, das Kind als Partnerersatz zu nehmen, einen Jungen noch mehr als ein Mädchen, und zur Übergriffigkeit. Der Mutterkult insofern dient nicht nur der Verehrung der wichtigsten Person im Leben eines Menschen, sondern auch der Bannung ihrer Bedeutung und deren Folgen. Meiner Ansicht erfolgten deswegen früher die Hexenverbrennungen. Insbesondere in den muslimischen Gesellschaften, wo der Knabe im mütterlichen Bereich bleibt, stark getrennt, bis er mit 6 Jahren in den Männer in die Männergesellschaft entlassen wird. Die Mutter ist einerseits stolz auf den Jungen, anderseits neidisch auf ihn. Ambivalent, mit dem Stolz der Mütter geht er selbstbewusst durchs Leben, ihren Neid muß er zeitlebens in der Übertragung auf die Ehefrau und andere Frauen fürchten.
Häufiger als das Ausleben der Sexualität ist die Tabuisierung. Dann wird dem Knaben beigebracht, der Penis und eventuell sämtliche Körperlichkeit sind tabu oder schmutzig. Etwa bei den Peniswaschungen, zur Reinigung hinter der Vorhaut, entsetzt sich die puritanisch, frigide Mutter und schlägt drauf, wenn dieser aufgrund der Manipulationen steif wird. Der Junge verinnerlicht, Sexualität und Körperlichkeit sind tabu und schmutzig. Er wird sich später aufregen über alle, die das ungeniert pflegen, mit derselben Intensität, wie über ihn sich aufgeregt und er geschlagen wurde. Der dahinter stehende Neid darf ihm ja nicht bewusst werden, weil das Tabu noch vorherrscht und er dann einer von denen wäre.
So erzählte mal ein junger smarter Patient in der Gruppe, der in Spanien in Urlaub war. „Da machten die Männer mit den Frauen rum. So einer wäre er nicht!“. Ich dachte mir im Stillen, vielleicht habe ich es ihm auch so gedeutet, wenn mal eine Frau an dem hübschen Knaben Interesse zeigte, dann sagte er, mit mir nicht! Das war eine späte Rache an der Mutter und den Tanten, die ihn so erzogen haben, und an späteren Frauen, die er so fürchtete, dass er lieber schwul wurde.
Tabus haben anderseits die Tendenz unterlaufen zu werden, Opposition, Verweigerung und das Gegenteil zu tun. Männer werden also provoziert, das Sexualtabu zu unterlaufen. Das geht am besten, indem sie sich zusammentun, in Männerbünden, insgeheim unterstützt von den Müttern, die ja stolz auf sie sind. Dann müssen sie das Verwerfliche auf die Frauen projizieren. Die Frauen sind allesamt Huren, dann werden ihre Vorurteile bestätigt, zu denen zu gehen die Männer im Rotlichtmilieu eine Vorliebe haben. 1 Million Männer gehen täglich in Deutschland zu 400000 Prostituierten, nach Zahlen vor einigen Jahren. Vorurteile sind die Erfahrungen früherer Generationen. Auch haben sie die Neigung, die Frauen nicht hoch kommen zu lassen und zu benachteiligen, in ihnen die Mütter fürchtend.
Durch Verhüllen bis zum Ganzkörperschleier können sich die muslimischen Frauen vor den Blicken und der Anmache der Männer schützen. Aber sie zeigen genauso wenig und vermeiden ihre Attraktivität und ihre Unattraktivität, in dem kein Mensch Interesse an ihnen hat, und ihr Alter, sind sozusagen geschlechts- und alterslos, machen aber andererseits durch Verhüllung auf ihr Geschlecht aufmerksam. Sie vermeiden auch die Rivalität unter Frauen, die sich dann im häuslichen Milieu umso heftiger abspielt. Die Mütter missbrauchen ihre Töchter durch Projektion ihrer schlechten Selbstanteile. Also schützen sie sich auch vor den Frauen. Umgekehrt schützen sie die Männer vor ihren unstatthaften Begehrlichkeiten. 
Durch Tragen eines langen, struppigen Bartes schützt der Mann sich vor den Begehrlichkeiten der Frauen und die Frauen vor ihren eigenen Begehrlichkeiten. Dabei wird eine Sexualisierung unterstellt, die aber nur unter traumatisierten Verhältnissen stattfindet. Die Tabuisierung und Unterdrückung der Sexualität ist eine Traumatisierung und gleichzeitig eine Folge von kulturellen Traumatisierungen.
In diesen Widersprüchen im Verhältnis der Geschlechter zueinander, Tabuisierung und Projektion, Patriarchat bei einem insgeheim partiellen Matriarchat, ins Gegenteil wenden, macht man am besten reinen Tisch, indem man sich komplett verhüllt. Dann kann einen nicht mehr der böse Blick erhaschen, und man kann auch kaum jemanden verführen. Außerdem wird man der Kultur gerecht. Man ist vermeintlich auf der sicheren Seite. Und unter der Hand, wenn es keiner sieht, ist alles erlaubt, Frauen, Männer und Kinder, Männer und Männer, Frauen und Frauen, Männer in Frauenkleidern, Transsexuelle, wo Männer Frauen sind, und die wollen als solche noch gesehen werden. Auch Nonnen sind für manche Männer sehr verführerisch. Deswegen müssen sie einen Bund mit Gott abschließen. Einem guten Moslem stehen dabei die Haare zu Berge.
Man sieht, die Sexualität und das Geschlechterverhältnis sind eine äußerst diffizile Sache, von der sich niemand frei machen kann, wenn einmal eine Traumatisierung statt fand, die sich ins Erbgut eintrug.
Bibliographie:
Karl Haag (2006): „Wenn Mütter zu sehr lieben – Verstrickung und Missbrauch in der Mutter-Sohn-Beziehung“, Kohlhammer
Alexander Markus Homes „Von der Mutter missbraucht – Frauen und die sexuelle Lust am Kind“. Books on Demand – BoD – (ISBN 3-8334-1477-4)
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