Der Abgas-Gipfel oder Klatsche für die Konsumenten – Zum Aftergang der Merkel-Regierung bei den Autobauern

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Der Auspuff eines Autos.
Puff in die Luft. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Erneut warten unsere Top-Politiker mit einem Schuss ins Schwarze auf, sozusagen in die schwarzen Dieseldämpfe unserer Vorzeigekonzerne, mit denen man sogar die Sinne der Autokäufer erfolgreich vernebeln kann. Was die Bundesregierung aus den Altparteien CDU, CSU und SPD als Dieselkompromiss nach ihrem jüngsten Abgas-Gifpel vorweisen kann, darf man getrost als Verhöhnung der Kundschaft der Autokonzerne bezeichnen.

Eine Marathon-Sitzung hatten sich die Spitzen der Großen Koalition verordnet. Die Ziele: Endlich nach über drei Jahren die Diesel- beziehungsweise Abgas-Krise lösen. Kurzum, es sollte nach der lähmenden Debatte um Hans-Georg Maaßen endlich Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Dann präsentierten die Vertreter der Großen Koalition in verbalem Höhenflug ihre epochale Luftblase, ganz so, wie sie es immer tun, wenn es darum geht, den Wählern geistigen Unrat als geniale Leistung zu verkaufen.

Andreas Scheuer (CSU) setzte mit maximalem Einsatz den staatlich geduldeten Betrug hunderttausender Verbraucher wie zu Zeiten Alexander Dobrindts (CSU) fort, Käufer dreckiger Diesel, die immerhin zum Zeitpunkt der Anschaffung mit amtlichen Zulassungen der Verkehrsbehörde versehen wurden, die Ersparnisse aus der Tasche zu ziehen. Sozusagen Strafzahlungen für dämliche Anschaffungen in einer Zeit, in der Merkel-Regierungen den Verschärfungen der Grenzwerte in Brüssel immer gerne zustimmte.

Die Kunden sollen ab sofort ihre Dieselautos umtauschen können, um sich von dem Geld ein weniger schädliches und betrügerisches Auto zu kaufen. Alternativ ist eine Nachrüstung vorgesehen, wenn Besitzer der nun stigmatisierten Dreckschleudern in eine von 14 beziehungsweise weiteren 65 ausgewählten Städte fahren müssen. Zunächst hieß es, dass die Umrüstungen auf Kosten der Hersteller stattfinden müsse. Doch die winken ab und Scheuer zuckt zurück. Er kneift die sprichwörtlichen Arschbacken zusammen. Mit ihm im Konzert der Kneifer: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU).

Ich will`s mal so sagen: Wenn ich mir beim Metzger einen appetitlichen Schweinebraten kaufe, der mit Strychnin versetzt wurde, darf ich ihn jederzeit zurückgeben, sofern ich noch dazu in der Lage bin. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Bundesamt für Verbraucherschutz den Schweinsbraten vorher für unbedenklich erklärt hat. Nun ja, selber schuld, wenn ich meinem Metzger vertraut habe und sein vergiftetes Schweinefleisch esse. Selbst das Zurückgeben erübrigt sich.

Die Gesetzeslage ist klar. Man kann jederzeit ein Produkt tauschen oder das Geld hierfür zurückverlangen, wenn das Produkt nicht hält, was es verspricht. Im Falle meines Schweinebratens ist die Sache mit den giftigen Abgasen des Diesels zu vergleichen. Strychnin schadet meiner Gesundheit und gegebenenfalls auch der meines Gastes oder meiner Familie. Doch in der Automobil-Industrie gelten anscheinend andere Gesetze. Die Autobauer genießen den Schutz der Bundesregierung in Berlin. Der kriminelle Metzger dagegen käme in den Knast und müsste meine Bestattungskosten übernehmen.

Wie heißt es in den Erklärungen aus den oberen Etagen der Autohersteller mit Sitz auf dem Boden der Bundesrepublik so schön? Sie hätten große Angst, dass Kunden ein Umtauschrecht vor allem dazu nutzen würden, ihre dreckigen Diesel zurückzugeben und sich davon Autos ausländischer Produzenten zu kaufen. Wer könnte es ihnen verdenken, denn ich würde logischerweise meinen Schweinebraten auch lieber beim Metzger nebenan kaufen, sofern ich den ersten überlebt hätte.

Unserem Herrn Scheuer scheinen die Argumente der Autofahrer ziemlich Banane zu sein. Halter sollen ihren alten Diesel nur dann zurückgeben können, wenn sie sich dafür einen schadstoffärmeren der gleichen Marke kaufen. Und dann verspricht er noch „attraktive Tauschangebote und Leasingmodelle“ die er nicht einmal mit den Herstellern vertraglich festgenagelt hat. Die Regierung fordert von den Herstellern…, so klingt es aus euphorischen Politikerkehlen, bisher hat sich aber noch keiner bereit erklärt. Bürger sollen Autos kaufen, nicht etwa Forderungen stellen.

Von vielen ursprünglich vorgesehenen Städten, für die sein Super-Entschädigungsmodell gelten soll, sind auch nur 14 Städte übrig geblieben. Ach ja, eh ich‘s vergesse, für Privatfahrzeuge gelten diese Pläne selbstredend nicht. Das nenne ich die höchste Verarschungsstufe deutscher Dieselfahrer, dessen Niveau nur mithilfe deutscher Politiker zu erreichen ist.

Doch halt, ich will nicht den Stab über Herrn Scheuer und Konsorten brechen. Immerhin denken er und die anderen auch ans Staatswohl. Denn würde man die Automobilindustrie mit Umtauschzwang oder Entschädigungszahlungen nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten von Amerika verdonnern, müsste man mit Steuerausfällen in Milliardenhöhe rechnen. Die werden jedoch für Einwanderer und deren Versorgung benötigt.

Die Autoindustrie hat jahrelang mit Billigung der Zulassungsbehörde wissentlich Käuferinnen und Käufer darüber getäuscht, wie viel Schadstoffe ihre Fahrzeuge wirklich ausstoßen. Die Abgaswerte wurden manipuliert, die Autokäufer wurden belogen und betrogen. Und immer noch hält die Regierung die schützende Hand über die größten Steuerzahler unserer Republik, denn bei allen wichtigen Entscheidungen hinsichtlich Zulassungen von Motoren saßen die Herrschaften an einem Tisch.

Wie es aussieht, werden Millionen Besitzer von alten Diesel-Motoren weiterhin unsere Luft verpesten, bis die Fahrzeuge entweder von staatlicher Stelle stillgelegt oder aus allen Städten verbannt werden. Ohne Entschädigung, versteht sich. Das wäre so, als müssten meine Nachkommen für meine Beisetzung wegen staatlicher Billigung des Konsums von Strychnin in meinem Schweinebraten selber aufkommen. Mir wird`s nichts nützen, wenn der Metzger im Knast sitzt wie Rupert Stader, der bei Audi die Kunden belog und betrog.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Claudio Michele Mancini wurde unter dem Titel „Diesel-Kompromiss – ein Hohn für die Verbraucher“ im Scharfblick am 3.10.2018 erstveröffentlicht.

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