Das weltweit erste Drive-In-Opernhaus: Initiative der English National Opera im Zeichen des Corona-Virus

Der Saal im Londoner Coliseum füllt sich. © English National Opera

London, VK, Wien, Österreich (Weltexpress). In den 50er-Jahren waren Drive-In-Kinos der letzte Schrei: Man konnte sich, komfortabel im eigenen Auto platziert, Blockbuster anschauen und dazu möglichst auch die Freundin im Arm halten; Snacks und Coca Cola wurden durchs Fenster gereicht. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten – dem Ursprungsland der Drive-In-Kinos – von den ursprünglich 320 nur noch gerade 25 Kinos. Die stets innovative English National Opera (ENO) will nun die inzwischen fast legendäre Drive-In-Idee im Zeichen der Corona-Krise und des „social distancing“ wieder aufgreifen: Mit dem ersten Drive-In-Opernhaus der Welt.

Im historischen, 1873 auf einer Anhöhe in Nord-London erbauten Alexandra Palace (benannt nach der damaligen Kronprinzessin – und späteren langlebigen Queen-Mother – Alexandra von Dänemark) sollen in den ersten drei Septemberwochen live Opernaufführungen auf einer eigens für diesen Zweck errichteten Bühne stattfinden, die man vom Auto aus miterleben kann – in Sicherheit vor Ansteckung. Geplant sind Plätze für 300 Autos – auch Fahrräder und Motorräder sollen zugelassen werden.

Das Konzept nennt sich „Drive & Live“ und ist Teil der ENO-Philosophie „Opera for Everyone“ – „Oper für jeden“. Unter diesem Titel hat die ebenso sozial wie fortschrittlich handelnde ENO für alle Samstagabend-Vorstellungen Freikarten auf den oberen Rängen (Balkon) für unter 18-jährige Besucher eingeführt – mit dem Hintergedanken, angesichts eines ständig alternden Publikums die junge Generation für die Oper zu motivieren. Auch die Drive-In-Opera soll die neue Generation ansprechen und helfen, die Schwellenangst gegenüber traditionellen Opernhäusern zu überwinden. Die ENO ist im Londoner Coliseum, nahe des Trafalgar Square, beheimatet – dem größten Theater Londons, größer noch als die Royal Opera Covent Garden. Grundsätzlich alle gezeigten Opern und Operetten werden in der ENO auf Englisch gesungen.

Für die ersten zwölf Vorstellungen ist eine auf 90 Minuten gekürzte Fassung von Puccinis „La Bohème“ sowie eine einstündige, „familienfreundliche“ Kurzfassung der „Zauberflöte“ geplant. Die erste Aufführung wird eine Gratisvorstellung für das wahrhaft heroische Personal des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS).

Anmerkung:

Vorstehender Artikel von Dr. Charles E. Ritterband wurde in „Klassik begeistert“ am 27.4.2020 erstveröffentlicht.

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