Das Opel-Werk in Bochum soll geschlossen werden – Knapp 4.000 Arbeitsplätze gefährdet – Kritik, Protest und weitere Überlegungen

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2010 werden 1.800 Stellen gestrichen. 2011 gelingt es nicht, die Fertigung des Astra-Cabrios nach Bochum zu holen. Zur Zeit werden in Bochum der Zafira (Van) und der Astra Classic (Kompaktklasse) hergestellt. In dem Werk befindet sich auch eine moderne Karosserielackiererei.

Anfang dieser Woche verkündete Opel-Interimschef Thomas Sedran auf einer tumultuös ver-laufenden Betriebsversammlung kurz und schnöde das Ende des Produktionsstandortes für 2016. Er begründete diesen harten Schnitt mit dem reduzierten Automarkt in Westeuropa und den Überkapazitäten in der gesamten Branche.

Bochum wäre dann das erste bundesdeutsche Autowerk, welches der europäischen Nachfragekrise zum Opfer fiele. Bereits vor zwei Jahren war die Opel-Fabrik in Antwerpen geschlossen worden. Insgesamt sind bei Opel in Bochum, Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nimmt man die britische Opel-Schwester Vauxhall hinzu, sind es nahezu 40.000 Menschen. Striche man Bochum mit seinen 3.365 Opelanern, fiele nicht nur ein Werk, sondern auch fast zehn Prozent aller Opel/Vauxhall-Arbeitsplätze schlicht weg. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von Managementfehlern und meinen damit die Bevorzugung von GM-Tochter Chevrolet (Ex-Daewoo) gegenüber Opel, die Begrenzung der internationalen Märkte für Opel, finanzielle Beschränkungen oder technologische Transfers von Opel zu Konzernmutter GM.

Die Unruhe unter der Bochumer Belegschaft ist nach negativen Mitteilung entsprechend groß. Bei der aufgebrachten Betriebsversammlung soll beispielsweise auch von einem „Schlag ins Gesicht des Ruhrgebietes“ die Rede gewesen sein.

IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte gegenüber dpa, daß die Gewerkschaft eine Schließung des Werkes nicht akzeptiere. Reiner Einenkel, der Bochumer Betriebsratschef, äußerte dezidiert: „Wir wollen auch nach 2016 in Bochum noch Autos bauen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet von General Motors, daß der US-Konzern alles unternehme, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) appellierte an GMs Verantwortung und forderte, die sozialen Folgen abzumildern. Hannelore Kraft, SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, verlangt, daß „ernsthaft und belastbar an einer Perspektive für den Standort gearbeitet werde“. Allerdings ist schon jetzt vorgesehen, daß Opels Getriebewerk mit circa 300 Beschäftigten bereits Ende nächsten Jahres geschlossen werden soll.

Ganz aufgegeben werden soll der Standort Bochum nicht. Im Gespräch zwischen Management, Betriebsrat und IG Metall sind bereits der Aufbau einer Autoteilefertigung sowie der Erhalt des Warenverteilzentrums. Die Stimmen aus der Politik und von seiten der Mitarbeiter machen aber deutlich, daß das nicht ausreichen wird.

Um die Zukunft wird weiter gerungen werden müssen.

kb

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