„Centre Pompidou“ in Metz – „Ableger“ vom berühmten Centre Pompidou in Paris

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© Foto: Eva-Maria Koch

Das Centre Pompidou in Paris, das Mutterhaus, war nicht mehr in der Lage, seine immensen Kunstschätze alle gleichzeitig auszustellen und das, obwohl das Gebäude schon sehr groß angelegt ist. Damit die Schätze nicht im Keller ihr Dasein fristen müssen, überlegte man sich eine passable Lösung und beschloss, dem Mutterhaus eine Schwester zu schenken. Gesucht wurde hierzu eine Stadt, nicht zu weit weg von Paris und gut mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV zu erreichen: Metz erhielt „den Zuschlag“. Namensgeber ist George Pompidou, der auf Charles de Gaulle nachfolgende Präsident Frankreichs.

„Haus der Schlümpfe“

Der Anblick der außergewöhnlichen Leichtigkeit vermittelnden fließenden Architektur von Shigeru Ban (Tokio) und Jean de Gastines (Paris) versetzt nicht nur Kunstkenner in Erstaunen: Sechs große Trägersegmente aus kunstvoll verstrebten, am Computer modellierte Holzplanken aus Fichten-, Buchen- und Lärchenholz, tragen eine sechseckige, konisch zulaufende Dachkonstruktion mit einer lichtdurchlässigen, gewellten, 8000 m ² großen teflonbeschichteten Membran als Dach. Es sieht aus wie die Erdhäuser der belgischen Comicfiguren „Die Schlümpfe“, sagt ein Kind in der Warteschlange vor den Kassen. Aus dieser gewellten Membran lugen die Fensterfronten hervor, von denen aus man ganz Metz im Blick hat.  „Wir wollten eine Architektur, die für die Offenheit des Centre Pompidou-Metz steht, seine Aufgeschlossenheit für die Vielfalt der Kulturen, und einen Ort des Wohlbefindens schaffen, der einen unmittelbaren und sinnlichen Bezug zu seiner Umwelt hat. “ lautet das Manifest von Shigeru Ban und Jean de Gastines,

Das Centre Pompidou-Metz verfügt über eine Ausstellungfläche von 5000 m ², gruppiert um einen 77 Meter hohen Mast – eine Hommage an das 1977 eröffnete Centre Pompidou Paris. Die „Grande Nef“, das Hauptschiff des Gebäudes, hat 18 Meter hohe Wände –  einzigartig in Europa. Unter der phantastischen Dachkonstruktion überlagern und kreuzen sich die drei 80 m langen, rechteckigen Ausstellungsgalerien mit 17 Ausstellungsräumen. Hier werden in „Meisterwerke der Geschichte“ exquisiteste Oeuvres ausgestellt, die im Rotationsverfahren von Paris nach Metz ausgeliehen werden und turnusmäßig durch neue Werke aus Paris ersetzt werden. Internationale Leihgaben von renommiertesten Kunsthallen der Welt vervollständigen den Augenschmaus aus den verschiedensten Jahrhunderten. Ein Studio für Bühnenkunst sowie ein Auditorium mit 144 Plätzen für Filmvorführungen und Vorträge vervollständigen den Anspruch der Macher. Eine Buchhandlung, ein Restaurant, zwei große Terrassen und das Dokumentationszentrum – wer nach drei Etagen Kunstgenuss noch nicht müde ist, hat die Qual der Wahl!

Perspektivisches Phänomen

Um einen Museumsführer in der 3. Etage herum steht eine muntere Gruppe von Saarländern, die mit einem Saarbrücker Kulturreiseunternehmen im Bus hierher gefahren sind. Dieser erklärt Ihnen ein ganz besonderes Phänomen, welches die beiden pfiffigen Architekten eingebaut haben –  eine Täuschungsperspektive: Eine große Fensterfront weist auf die Stadt Metz. Wenn man von hier aus – den schräg aufsteigenden Fußboden hinauf mit seinen perspektivisch sich verjüngenden Wänden – zur gegenüberliegenden Fensterfront schreitet, will es erscheinen, als ob Metz immer näher rückt. Nicht nur Metz rückt scheinbar näher, sondern insbesondere die Kathedrale wird immer deutlicher und zuletzt so nahe, dass man nur noch das Ziffernblatt der Kathedrale die ganze Front ausfüllt. „Das sieht aus wie bei „Jim Knopf und die wilde 13“, sagt Lothar, einer der kulturinteressierten Saarländer aus der Saarbrücker Gruppe, „Herr Turtur, der Scheinriese und Leuchtturmwärter, war von Weitem auch riesengroß und wenn er den Berg hinunterstieg, um Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer zu begrüßen, wurde er immer kleiner. Lukas kratzte sich darauf hin ratlos den Kopf.“  
Ein munteres Raunen geht durch die Gruppe, die sich dieses Phänomen auch nicht erklären können – es sind physikalische Gesetze mit denen schon die alten Griechen arbeiteten und sie sind alle begeistert. Gabi, eine Teilnehmerin, sagt ist sehr zufrieden mit dem Kulturreiseunternehmer: „Wir waren mit ihm sogar schon in St. Petersburg.“ Etliche Teilnehmer der Gruppe sind gehbehindert oder Rollstuhlfahrer und marschieren ab zum Café im Erdgeschoss, um eine kleine Pause einzulegen und sich zu erfrischen. Der Rest der „Truppe“  genießt das Centre von oben nach unten – es ist egal, mit welcher Etage man anfängt, am besten man sucht sich die Etage, wo der wenigste Warteandrang herrscht, denn das Centre ist gut besucht!
Fauvismus, Kubismus, Dadaismus, Filme, Video- und Lichtinstallationen, eine Mona Lisa von einem Leonardo da Vinci-Schüler, afrikanische Masken, Kugelinstallationen, große und kleine Skulpturen großer Meister sei es aus der Antike oder Neuzeit, Picasso, Matisse, Renoir, Giacometti, Man Ray;  wilde zeitgenössische Baukonstrukte; großflächige Wandgemälde – und das immer mit dem Blick auf diese phantastische Perspektive auf Metz!
 Modelle vom Centre Pompidou in Paris und anderen Kunst- und Kultorten in Frankreich wie die Fondation Maeght in St. Paul de Vence – kurz und gut: auf den drei Etagen wird alles, was das Kunstherz begehrt ausgestellt, was Paris aus seinen Schatzkammern anfahren kann. Aber auch Laien kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus!!!

Insbesondere – aber nicht nur – für Kinder bietet das Centre Workshops zur ersten Erfahrungen in der Kunstwelt. Sonderveranstaltungen, Tanz-, Schauspiel- und Konzertveranstaltungen des Pariser Mutterhauses runden den kulturellen Gesamtanspruch ab,  den das Centre sich zum Ziel gesetzt hat. Mit dem TGV, dem französischen Hochgeschwindigkeitszug ist das Centre schnell zu erreichen. Der Zug hält direkt vor dem Eingang.

Tourismus in Lothringen: http://www.tourismus-lothringen.eu/de/default.asp

Das Centre Pompidou in Metz: www.centrepompidou-metz.fr

Das französische Fremdenverkehrsamt in Deutschland: http://www.franceguide.com

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