Birmingham hält die Weltelite in Schach – Torloses Remis im UEFA Champions League Halbfinale gegen Tyresö – Jedes Auswärtstor im Rückspiel wird für die Blues doppelt zählen

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Meghan Klingenberg (Tyresö FF) im Zweikampf mit Melissa Lawley © Birminghamcityladiesfc

Veronica Boquete scheiterte am Aluminium des Torpfosten

Marta, Caroline Seger, Veronica Boquete und Meghan Klingenberg  hatten dank der medizinischen Abteilung des Tyresö FF ihre Verletzungsproblematik rechtzeitig überwunden und standen bei Tyresö in der Startelf. Die 28-jährige Brasilianerin Marta, die derzeit höchstdotierste Kickerin im internationalen Frauenfußball, war es auch, die nach einer Balleroberung gegen die 23-jährige Kerys Harrop die erste Torchance verzeichnete, jedoch aber knapp das Tor verfehlte. In der Folge scheiterte die 27-jährige Spanierin Veronica Boquete am Aluminium des Torpfosten und die 25-jährige US-WNT Spielerin Christen Press wurde beim Nachsetzen noch entscheidend von der 18-jährigen Verteidigerin Aoife Mannion gestört.

Birmingham ließ kaum Lücken für den Gegner zu

Dank dem  wachsenden Selbstvertrauen der Birmingham Ladies – angeführt von der 26-jährigen Karen Carney – verlagerten die Engländerinnen die Partie in Richtung der gegnerischen Hälfte. Zur Pause hin bestand ein Übergewicht der Schwedinnen, deren überlegende Spielweise mindestens mit einem Führungstor hätte belohnt werden müssen. Es zeigte sich aber nach dem Seitenwechsel, dass die junge Abwehr der Birmingham City Ladies immer seltener eine Lücke für Tyresö ´s Sturmmaschine aufwies. Die sichere 23-jährige Torfrau Rebecca Spencer sorgte schlussendlich im Kasten der Midland-Girls für die Begrenzung etwaiger Durchbrüche der Elite-Kickerinnen aus der schwedischen Liga.

Es rettete die Querlatte

Als sich dann die 19-jährige Engländerin Melissa Lawley vom Mittelfeld aus in den schwedischen 16er durchtankte und ihr gewaltiger Schuss nur knapp am Tor vorbei flog, wurde langsam klar, dass die junge Truppe von Cheftrainer David Parker jeglichen Respekt vor den Weltfußballerinnen im Solde von Tyresö FF abgelegt hatte. Im direkten Gegenzug gelangte eine von der 26-jährigen Dänin Line Rí¸ddik als Flanke gedachte Ballweitergabe an die Querlatte der Blues. Die Engländerin Melissa Lawley erreichte dann noch einmal ganz gefährlich den schwedischen Strafraum, wurde aber von der 29-jährigen Caroline Seger gestoppt.

Konzentrierte Defensive von Birmingham

Die junge Lawley war im Februar 2013 vom Londoner Konkurrenten Arsenal Ladies FC zu den Blues gewechselt. Die Gäste aus Schweden bissen sich an der konzentrierten Defensive der Blues im Damson Park in Birmingham neunzig Minuten lang die Zähne aus. Die Gastgeberinnen blieben nun schon zum sechsten Mal in der Champions League ohne Gegentor und verhinderten, dass ihre Gegnerinnen kein entscheidendes Auswärtstor mit nach Hause nehmen konnten. In den letzten neun Minuten hatten die Blues sogar die besten Voraussetzungen das Spielfeld als Sieger zu verlassen, als die 23-jährige Mittelfeldspielerin Jade Moore nach einem Doppelpass mit Karen Carney zu einem weiten Schuss ausholte.

Zweite Gelbe Karte für Harrop

Die Blues verunsicherten die Schwedinnen bis zum Abpfiff in den Großräumen des Spielfeldes. Als Unglücksfall für die Birmingham Ladies erwies sich zu Beginn der zweiten Halbzeit die zweite Gelbe Karte für Kery Harrop, die nun das Rückspiel in Tyresö wegen Suspendierung verpassen wird.  Die junge Abwehrchefin Aoife Mannion verhalf ihrem Team von Birmingham City LFC über die gesamte Zeitdistanz ein torloses Unentschieden zu halten. Einige der Fachleute meinten sogar nach dem Spiel, dass es durchaus möglich gewesen sei, dass Birmingham den FF Tyresö hätte besiegen können, während die Fans eher glaubten, dass solch ein zu Null Remis Spielausgang für die junge englische Mannschaft aus den Midlands typisch sei.

Nur gegen die Rückennummern, nicht gegen große Namen

Die Reaktion auf das Ergebnis der Blues war eine Mischung aus Freude und Frustration, da die letzte starke halbe Stunde nicht genutzt werden konnte, vor dem Rückspiel am kommenden Sonntag in Schweden die Führung zu übernehmen. Die 18-jährige Verteidigerin Aoife Mannion hatte die gefährliche Sturmreihe des FF Tyresö, bestehend aus Marta, Christen Press und Veronica Boquete, so konzentriert abgeschirmt, dass sie gegenüber den Journalisten nach dem Spiel ironisch bemerken konnte, dass sie nicht gegen Weltstars, sondern gegen die Rückennummern spielte, deren Zahlen auf den Trikots geschrieben stand und nicht Namen.

Nicht mehr als ein ehrenvolles Trostpflaster

Die schwedische Seite fand überaus großen Lob für ihre englischen Gastgeberinnen, die so überaus clever gespielt hatten, während der Cheftrainer Tony Gustavsson seine medizinische Abteilung ebenso mit Lob versah, die ihm seine bis dato verletzten Spielerinnen fit gemacht hatten. Denn noch bei der verpatzten Ligapremiere gegen Kristianstad fehlte das Star-Quartett Marta, Caroline Seger, Veronica Boquete und Meghan Klingenberg, dass diesmal von Anfang an dabei war. Birminghams Torfrau Rebecca Spencer zeigte ihre besondere Klasse bei einem Kopfball der 26-jährigen Tyresö-Verteidigerin Linda Sembrant. Für den 7,8 Millionen Euro verschuldeten FF Tyresö wird eine mögliche Finalteilnahme mit 200.000 Euro nicht mehr als ein ehrenvolles Trostpflaster sein, um dem wirtschaftlichen Bankrott zu entgehen.

Kunstrasen könnte für Technikerinnen von Vorteil sein

„David“ Birmingham City LFC hielt dem Druck von „Goliath“ Tyresö FF mit Marta, Malin Diaz, Veronica Boquete, Christen Press und Lisa Dahlquist stand, die es nicht packten, dass engmaschige, tiefgestaffelte Bollwerk der gegnerischen Abwehr zu durchbrechen. Das Team von Tyresö FF zeigte aber, dass es in der Lage sein kann, ein Spiel mit Schnelligkeit und besserer Technik für sich zu entscheiden. Der beim Tyresö in Schweden vorhandene Kunstrasen könnte im Rückspiel für die auf Kunstrasen eingespielten Technikerinnen der Heimmannschaft von Vorteil sein.

Stimmen zum Spiel

David Parker (Birmingham City LFC), Cheftrainer:

Es war ein wohlverdientes Unentschieden. Eine torlose, weiße Weste zu behalten war enorm wichtig für uns. Wir wollten uns kein gegnerisches Tor einfangen.  Wir wollten sogar in Führung gehen. Wir mussten uns ohne ein eigenes Tor abfinden. In der letzten halben Stunde haben wir gezeigt, dass wir für das Rückspiel in Schweden gut vorbereitet sind ind in der Lage sein werden, dort ein Auswärtstor zu machen. Denn in den letzten dreißig Minuten waren wir das bessere Team. In der zweiten Halbzeit haben wir uns nicht nur auf den Ball konzentriert. Es waren aber unsere Nerven, vielleicht war es aber dadurch auch die Chance, dass wir einfach versucht haben, unser eigenes Spiel aufzuziehen.  Wir haben ein 0:0 Unentschieden erreicht und können unsere Spielerinnen ermutigen, dass sie ein Tor schießen werden. Wenn man das Spiel verfolgte, konnte man sehen, dass wir noch nicht voll an unserem möglichen Limit angelangt waren. Wir glauben an unser Spielsystem. Wir wissen, dass wir ein Tor schießen können. Wir haben das heute zeigen können. Wenn es uns gelingt, nur ein Auswärtstor zu machen, wird Tyresö zwei Tore schießen müssen.

Karen Carney (Birmingham City LFC), Stürmerin:

Wir müssen noch mehr an uns glauben, denn ich denke, dass wir nicht alle unsere Fähigkeiten komplett abgerufen haben. Es ist ein super Ergebnis, dass der Tyresö FF kein Tor gegen uns gemacht hat. Jedes Tor, dass wir im Rückspiel erzielen, wird doppelt so viel wert sein. Insgesamt gesehen war es deshalb ein gutes Ergebnis, nun müssen wir noch mehr Selbstvertrauen einbringen. Mel Lawley präsentierte sich nach der Pause immer selbstbewusster, sie war absolute Superklasse am Ball. Wenn sie auf unsere Gegnerinnen zulief, erstarrten diese meist vor lähmender Angst. Wir werden beim nächsten Spiel von Anfang an alles abrufen und noch selbstbewusster auftreten. Unser Team besteht aus exzellenten Spielerinnen. Trotzdem sollten wir realistisch sein und auf dem Teppich bleiben. Wenn uns jemand vor dem Spiel gesagt hätte, dass unser Match zu Hause in Birmingham mit 0:0 ausgehen würde, wären wir wohl einverstanden gewesen. Denn das Remis ist kein schlechtes Ergebnis. Wir werden daraus lernen und hoffentlich das Finale in Lissabon erreichen. Wir werden noch hart an uns arbeiten müssen, denn es wird noch schwer werden bis ins Finale. Wir dachten vorher niemals dran, dass wir hierzu einmal eine Chance hätten. Vor dem Spiel war es der Mannschaft nicht wichtig gewesen, was andere über uns sagten. Wir glaubten nur an uns selber. Chelsea Westen war heute super. Jeder redet über Marta, weil sie eine glänzende Fußballerin ist, was ich nicht bestreite, aber Chelsea hat heute auf Weltklasse Niveau gespielt. Chelsea spielt übrigens jede Woche so. Sie wird meistens unterschätzt. Wir werden im Rückspiel mit noch mehr Selbstvertrauen an den Start gehen. Schauen wir mal dann, was passiert. Wir werden alles geben.

Tony Gustavsson (Tyresö FF), Cheftrainer:

Es war ein tolles Ergebnis zwischen zwei guten Mannschaften, die beide taktisch gut aufgestellt waren. Dabei neutralisierten sie beide jeweils den gegnerischen Angriff. Beide Teams hatten jeweils ihre Chancen, in Führung zu gehen. Deswegen war das am Ende ein faires und gerechtes Unentschieden. Es war einer dieser Tage, wo kein Tor gelingen will. Wir haben in der Kabine intensiv im Pausengespräch über den Killerinstinkt im Strafraum geredet. Der Gegner stand sehr tief, sodass für uns kein Durchkommen war. Ein großes Lob verdient unsere medizinische Abteilung. Sie haben eine vorzügliche Arbeit geleistet, sodass alle meine Spielerinnen auflaufen konnten. In der zweiten Halbzeit sah man sehr deutlich, dass mein Team müde wurde. Die Spielerinnen haben in den letzten Wochen viel trainiert, deswegen fehlte ihnen in den Schlussminuten die notwenidige Kraft. Die Folge waren unsere durchgeführten Auswechselungen.

Line Roddik (Tyresö FF), Verteidigerin:

Es war eingutes Spiel.Wir wollten gewinnen, trotzdem war es wichtig, eine torlose, weiße Weste zu behalten. Nun steht das Heimspiel vor uns. Wir hatten erwartet, dass sie sehr stark sein würden. Und das waren sie auch. Wir haben es fast geschafft, in Birmingham ein Tor zu erzielen – ein Auswärtstor zu machen. Deshalb werden wir sicher beim Heimspiel ein Tor schießen. Wir freuen uns darauf, zu Hause auf Kunstrasen zu spielen. Wir sind daran gewöhnt, obwohl das Spielfeld heute ebenso gut war.

Quellen: Birmingham City LFC, UEFA, Tyresö FF, Wikipedia

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