Auf den Spuren der Seide. Wo einst Kamele Seide schaukelten, genießen heute Reisende die Landschaft Zentralasiens vom Zugfenster aus.

Samarkand - Registan-Platz

Nasira arbeitet als Teppichknüpferin in der Seidenfabrik von Abdullahad Badghisi in Samarkand in Usbekistan. Er ist einer der Hauptorte, durch den einst die Straße führte, der die Seide den Namen gab. Die Seidenstraße wurde nicht geplant, sie wuchs ganz allmählich aus einem Geflecht alter Handelswege, die das Mittelmeer mit Ostasien verbanden, zusammen. Erst Jahrhunderte nach ihrem Niedergang prägte der deutsche Geograph und Geologe Ferdinand Freiherr von Richthofen während seiner Chinareisen Mitte des 19. Jahrhunderts das Wort Seidenstraße. Statt auf schaukelnden Kamelen bereist man sie heute bequem mit dem Bus oder Zug. „450 Mitarbeiter hat das 200 Jahre alte Familienunternehmen“, erzählt Abdullahad und demonstriert wie reißfest Seide ist: „Stärker als Stahl. Wir verwenden nur usbekische Seide aus dem Umland von Taschkent für unsere Teppiche und färben sie mit Naturfarben, die wir aus Granatapfel- und Wallnussschalen, Krappwurzel oder der Indigopflanze gewinnen.“

Ashgabat in Turkmenistan ist Ausgangpunkt der zweiwöchigen Zugreise. An geschmeidige Seide erinnert hier nichts. In der blitzsauberen Hauptstadt baute sich der ab 1991 regierende Präsident Saparmurat Nijasow, der sich den Namen Turkmenbashi gab, ein Personenkultimperium aus weißem Marmor, das in Teilen an Washington D.C. und Disneyland erinnert. Goldene oder bronzene Abbilder seiner selbst pflastern Parks und Plätze. Als der ehemalige Elektrotechniker 2006 an Herzversagen starb, setzte sein Zahnarzt mit dem fast unaussprechlichen Namen Gurbanguly Berdymuchammedow den Personenkult fort.

Vom 1952 erbauten Bahnhof verlässt der Zug ein touristisch unterentwickeltes Land, in dem es nur eine Hand voll Ansichtskarten im Postamt zu kaufen gibt und jeder Schritt von Polizisten beobachtet wird. Putzbrigaden halten die menschenleere Stadt fast klinisch rein. Durch braune Steppe und entlang roter Mohnfelder rattert der Zug einem Staat entgegen, in dem der Tourist von Souvenirläden überschwemmt wird: Usbekistan. In jeder Nische einer Medrese (Hochschule), wo früher die Koranschüler wohnten, wird alles rund um Seide angeboten: Schals, Tischdecken, Wandbehänge, Teppiche, Bilder.

Buchara, die Edle, ist die erste Station. Eine der sieben heiligen Städte der islamischen Welt zwischen Kisilkum- und Karakumwüste. Eine Oase aus Kuppeln, Türmen, Torbögen, verziert mit blauen und grünen Fayencenmosaiken und Majolikafliesen. Mitten in der Altstadt zwischen der Medrese Mire-e-Arab und dem Mausoleum der Samaniden betreibt Davron Toshev ein Geschäft als Miniaturmaler. Seine Werke entstehen hauptsächlich auf handgeschöpftem Seidenpapier aus Samarkand. „Es ist sehr robust und hält Jahrhunderte“, berichtet der Maler: „Auch Goethe soll einst Gedichte auf Seidenpapier aus Samarkand verfasst haben.“ In den überdachten Basaren von Buchara haben sich seit dem Zerfall der Sowjetunion viele Handwerker und Händler wieder selbständig gemacht.

Während die Touristen durch die Kopfsteinpflasterstraßen der Altstadt schlendern, drehen ein paar Schwäne im Wasserbecken vor dem Ensemble „Labi-Hauz“ ihre Runden. Greise hocken auf ehebettähnlichen mit Matratzen belegten Gestellen. Sie schlürfen Tee, sinnieren und lachen. Vielleicht über ein paar Schwänke des Till Eulenspiegels der Region. Das Denkmal von Nasreddin Afandi auf dem Esel steht ein paar Meter entfernt unter schattenspendenden Bäumen. Seine Späße sind im Buch „Wer die Maus unter dem Arm kitzelt“ in einem etwas holprigen Deutsch zusammengefasst. Aber nicht jeder usbekische Scherz trifft auch den deutschen Humor.

Die Stahlkarawane zuckelt tiefer hinein in die Kisilkumwüste, überquert einen der größten Flüsse Zentralasiens, den Amudarja, und stoppt schließlich unweit der Oase Chiwa, einem aus Lehmziegeln erhaltenen Märchen aus 1001 Nacht. Die Altstadt stammt aus dem 18. Jahrhundert. Paläste, Moscheen, Minarette, Mausoleen und Koranschulen sind von einer mächtigen Stadtmauer umschlossen und bilden eines der besterhaltenen Beispiele mittelalterlichen, orientalischen Städtebaus. Chiwas Wahrzeichen ist das Kalta Menar. Ein unvollendeter Stumpf, der einmal das höchste Minarett Zentralasien werden sollte. Doch das Schicksal wollte es anders.

Ankunft in Samarkand. Unweit der Teppichfabrik von Abdullahad Badghisi gründete Zarif Muhtorov in den 1990er Jahren seine Seidenpapiermanufaktur. Aus der Rinde des Maulbeerbaumes stellen er und seine 15 Mitarbeiter wieder Seidenpapier her. 60 Blatt pro Tag in Handarbeit. Drei Frauen sitzen im Hof und ziehen von den Baumästen die Rinde ab, die sie dann mehrere Stunden lang kochen. Danach wird die Masse mittels eines mit Wasserkraft betriebenen Stößelsystems zerstampft bis ein Brei entsteht. Diesen gibt Zarif in einen Wasserbottich. Mit einem rechteckigen Rahmensieb trennt er Wasser und Fasern. Das Wasser tropft ab. Die Fasern verbleiben auf dem Sieb. „Danach werden sie gepresst und schließlich mit Achatstein oder einer Muschel poliert, damit das Blatt glatt und beschreibbar wird“, erklärt Zarif. Zu seinen Kunden zählen Kaligraphen, Miniaturmaler wie Davron Toshev aus Buchara, Buchrestaurateure, Restaurants, die ihre Speisekarten auf Samarkander Papier drucken.

Das Zentrum Samarkands ist der Registan, der „sandige Platz“, mit seinen drei Medresen. Ihre Blütezeit verdankt die Stadt Timur, einem Kriegsherrn, der heute Kultcharakter erlangt und Lenin vom Sockel verdrängt hat. Bei seinen Feldzügen, die sich von Indien bis Europa erstreckten, ließ er die besten Handwerker und Künstler verschleppen. Diese schufen ab dem 14. Jahrhundert jene Architektur, die Samarkand über die Grenzen hinweg bekannt machte. Ulugbek, ein Enkel Timurs, errichtete die erste Medrese im Jahre 1420. Die gegenüber liegende Universität, die Sherdor Medrese („Löwenhaus“) entstand 200 Jahre später und kurz darauf rundete die Tillya Kori, „die Goldgeschmückte“, das Ensemble ab. Das bei der Restaurierung verwendete Blattgold stammt aus dem bayerischen Schwabach bei Nürnberg. Nicht weniger beeindruckend ist die Gräberstadt Schah-e-Sende. 25 Gebäude säumen die „Straße der fünf M’s“: „Mauern, Moscheen, Minarette, Medresen und Mausoleen. Mc Donald’s ist noch nicht dabei“, sagt Reiseleiter Asis und grinst.

Türkis, lila, blau, grün, ocker sind auch in Samarkand die dominierenden Farben der Bauwerke. Wiederzufinden am kommenden Tag auf dem großen Basar unterhalb der Ruinen der Bibi-Hanim-Moschee, die Feldherr Timur für seine Lieblingsfrau bauen ließ. Hier weicht das Museale der orientalischen Wirklichkeit. Pyramiden von Tomaten, Gurken, Granatäpfeln, bernsteinfarbenem und weißem Kandiszucker und glänzenden, runden Fladenbroten türmen sich an den Marktständen. Daneben stapeln sich Säcke mit Mais, Pistazien, Mandeln und Zwiebeln. Messerschleifer, Hut- und Schuhmacher bieten ihre Dienste an. Ein Markt, so bunt und faszinierend wie das Leben.

Die letzte Station ist Taschkent, nicht minder bestückt mit Moscheen, aber eine moderne Großstadt mit genauso vielen Einwohnern wie Hamburg und der einzigen U-Bahn Zentralasiens. Und von hier dauert ein Flug über die Seidenstraße nach Europa heute gerade mal noch sechs Stunden.

Information

Beste Reisezeit:
 April bis Juni und September/Oktober mit Tagestemperaturen um 25 Grad, sonnig, wenige Regentage

Anreise:
von Frankfurt direkt mit Lufthansa nach Asghabat/Turkmenistan und Astana oder Almaty/Kirgistan

von München direkt mit Lufthansa nach Taschkent/Usbekistan

Visum:
Für diese Reise ist ein Reisepass erforderlich, der bei Abreise noch mindestens sechs Monate gültig ist. Für alle drei Länder wird jeweils ein Visum benötigt. Preise: Usbekistan 35 Euro, Kasachstan 45 Euro, Turkmenistan 120 Euro + 12 US$ Einreisegebühr. Die Visa-Bearbeitungsdauer für Turkmenistan beträgt 13 Wochen.

Währung:
Kasachstan: 1 Euro = 200 Tenge (KZT)
Turkmenistan: 1 Euro = 7.200 Manat (TMM)
Usbekistan: 1 Euro = 2.100 Sum (UZS)

In größeren Städten auch Bezahlung mit Euro und US$ bzw. Kreditkarten möglich.

Veranstalter:
Lernidee Erlebnisreisen
, Eisenacher Str. 11, 10777 Berlin, Tel. 030 7860000, www.lernidee.de

14-tägige Sonderzugreise „Registan“ auf der zentralasiatischen Seidenstraße von Ashghabat (Turkmenistan) durch Usbekistan bis Astana (Kasachstan) oder umgekehrt inkl. Flug von/nach Frankfurt. Übernachtung im Zug und in Hotels, Vollpension.

Reisetermine
von West nach Ost: Kasachstan – Turkmenistan: 07.04. – 20.04.2011 und 06.10. – 19.10.2011
von Ost nach West Turkmenistan – Kasachstan: 19.04. – 02.05.2011 und 18.10. – 31.10.2011

Reisepreis
je nach Abteilkategorie 2.750 bis 6.970 Euro pro Person im DZ, Aufpreis bei Abteilalleinbenutzung

11-tägige Reise mit Schnellzug und Sonderzug durch Usbekistan
inkl. Flug von/nach München/Taschkent, Übernachtung im Zug und in Hotels, Vollpension

Reisetermine
10.04. – 20.04.2011 und 09.10. – 19.10.2011

Reisepreis
je nach Abteilkategorie 2.190 – 3.620 Euro pro Person im DZ, Aufpreis bei Abteilalleinbenutzung

12-tägige Busrundreise durch Usbekistan
inkl. Flug von/nach München/Taschkent, Inlandsflug Taschkent/Urgentsch, Übernachtung in Hotels, Vollpension

Reisetermine
19.05. – 30.05.2011, 08.09. – 19.09.2011 und 29.09. – 10.10.2011

Reisepreis
1.960 Euro pro Person im DZ, Aufpreis für Übernachtungen im Einzelzimmer 220 Euro

35-tägige Private Select-Reise „Die komplette Seidenstraße – individuell“ von Ashgabat bis Shanghai inkl. Flüge mit Lufthansa ab/nach Frankfurt, Flüge innerhalb Zentralasiens, Bahn- und Autofahrten, Übernachtung im DZ inkl. Frühstück, diversen Extras

Reisetermin
nach Wunsch

Reisepreis
Do – Mi: 2 Gäste 5.980 Euro pro Person im DZ, 4 Gäste 5.690 Euro pro Person im DZ, 6 Gäste 5.490 Euro pro Person im DZ, Aufpreis für Übernachtungen im Einzelzimmer 790 Euro

Weitere Anbieter von Gruppen- und Individualrundreisen per Bus oder Auto durch Usbekistan:

Gebeco GmbH & Co KG, Holzkoppelweg 19, 24118 Kiel, Tel. 0431 54460 www.gebeco.de

Marco Polo Reisen GmbH, Riesstr. 25, 80992 München, Tel. 089 1500190, www.marco-polo-reisen.com

Studiosus Reisen GmbH, Riesstr. 25, 80992 München, Tel. 089 500 600 oder Tel. 00800 2402 2402, www.studiosus.com

Ventus-Reisen GmbH, Krefelder Str. 8, 10555 Berlin, Tel. 030 39100332, www.ventus.com

Literatur:
Zentralasien – Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan – von Klaus Pander, DUMONT, Kunst-Reiseführer, 8. Auflage, 2010, Euro 25,90

Usbekischer Volkshumor „Wer die Maus unter dem Arm kitzelt“, Witze und Anekdoten um Nasreddin Afandi