Anarchismus in der Schweiz – Annotation zum Buch „Anarchisten“ von Nino Kühnis

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@ transcript Verlag
Nino Kühnis untersucht im vorliegenden, knapp 600 Seiten dicken Band anhand von französisch- und deutschsprachigen Zeitungen des Landes die Entwicklung der kollektiven Identität der anarchistischen Gruppierungen in der Schweiz. Zum Anarchismus in der Schweiz selbst kommt der Autor mit obigem Zitat erst nach 128 Seiten, von denen keine fehlen dürfte. Spannend und kenntnisreich springt Nino Kühnis durch die Geistesgeschichte der Menschheit, von den Anfängen des Traums der Herrschaftslosigkeit bis zu den Verwirrungen unserer Jahre. Streit und Nebenströmungen, die Akzeptanz von Gewalt und ihre Ablehnung, über diverse Attentate und Befreiungsversuche bis zur wachsenden Antipathie, ja dem Hass gegenüber vor allem der italienischen AnarchistInnen in der Schweiz. Damit gelingt am Beispiel der Anarchisten und Anarchistinnen eine Diskussion über Mechanismen und Medien von Ausgrenzung und Verfolgung. 
Fazit: Brillante Arbeit, flotte Sprache und spannend bis ins die letzte Anmerkungszeile!
Nino Kühnis, 1978 geboren und 2013 tragisch verunglückt, war multitalenter Gelehrter und Kosmopolit mit anarchistischem Blut. So wirkt diese nachgereichte Fleißarbeit umso eindringlicher, da sie den aktuellen Forschungsstand zum Anarchismus mit einem heißen Herzen vereint, das weiterlebt.
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Nino Kühnis, Anarchisten! Von Vorläufern und Erleuchteten, von Ungeziefer und Läusen. Zur kollektiven Identität einer radikalen Gemeinschaft in der Schweiz, 1885 – 1914, 560 Seiten, transcript Verlag Bielefeld, 2015, ISBN: 978-3-8376-2928-6, Preis: 44,20 € (D
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