Abgeschmiert – Eintracht Frankfurt unterliegt im Heimspiel Hannover 96 mit 0:3 – Serie: Ein Spiel, zwei Meinungen (1/2)

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Dabei hatte es anders angefangen. Vor großartiger Stimmung in der vollbesetzten Fankurve zeigten die ersten zwei Minuten gleich zwei Eintrachtchancen und auch einen tornahen Gekas, der sich in der Folge vom Spiel abmeldete. Wurde er so gut bewacht? Auf jeden Fall blieb er ausgeschaltet, obwohl man ihn auf dem Feld herumwuseln sah und er sechsmal es im Abseits versuchte. Im gewissen Sinn sind seine Laufleistung und die von Altintop – der mal in der Mitte, dann wieder weiter hinten, dann wieder weiter vorne lief und lief – vergleichbar und das genaue Gegenteil der Hannoveraner Spielzüge: aufwendig und kraftkostend, aber uneffektiv.

Die zwei Tore Hannovers in der ersten Halbzeit gehen beide auf Mannschaftsfehler der Eintracht zurück, könnte man solidarisch sagen; man könnte aber auch deutlicher werden und beim ersten Tor Benjamin Köhler nennen, der sich auf der Mittellinie von Pinto den Ball einfach abnehmen ließ, was die Innenverteidiger, das Ersatzduo Richard Clark und der 18jährige Neuling Kevin Kraus, auch dann nicht störten, als dieser den Ball zu Mohamed Abdellaoue gab und der einfach zum ersten Tor für Hannover in den Kasten schoß. „Ein Führungstor aus dem Nichts“, kommentierte zutreffend später Eintrachtboß Heribert Bruchhagen. Und Trainer Mirko Slomka wußte: „Sehr wichtig das erste Tor – mit einer Führung im Rücken gewinnen wir fast immer.“

Ähnlich dann auch das zweite Tor. Diesmal verhalfen die Eintrachtler Alexander Meier – auf dem Tiefpunkt sowieso – und Richard Clark dem Hannoveraner Christian Schulz zu seinem Kopfballtor zum 0:2. Damit war das Spiel gelaufen. Das zeigte die sich im ungefährlichen Eintrachtspiel genauso wie im meist die Eintracht abwehrenden Kampf der Hannoveraner. In der zweiten Halbzeit zog Eintrachttrainer Michael Skibbe die Konsequenzen, nahm Meier aus dem Spiel, gab Martin Fenin hinein und wechselte leider erst in der 65. Minute Caio für Georgios Tzavellas und in der 75. Minute Ioannis Amanatidis für Halil Altintop ein.

An den beiden Letzteren kann man Eintrachtmisere verdeutlichen. Caio und Amanatidis hatten in ihrer Spielzeit mit je vier Torschüssen die meisten Versuche, ein Tor zu erzielen. Wäre Fußball ein Rechenspiel, bedeutete das, daß Amanatidis beispielsweise für vier Versuche in 15 Minuten über die ganze Zeit zu rund 24 Torschüssen gekommen wäre und auch Caio fast 14 Torchancen gehabt hätte. So viel zur Statistik, die rechnerisch stimmt, aber von der Bedeutung her täuscht. Demnach hatten nämlich beide Mannschaften je 15 Torschüsse, mit dem Unterschied, daß die Hannoveraner davon drei verwandelten: das dritte Tor fiel in der 89. Minute durch Didier Ya Konan, als die Eintracht eigentlich die Anschlußtreffer vorhatten und ständig stürmten.

Aber die Statistik täuscht uns noch weiter. Je fünf Ecken, das ist in Ordnung, 24 Flanken auf seiten der Eintracht, nur 8 für Hannover. 59 Prozent der Ballkontakte gewannen die Frankfurter, nur 41 Prozent für die Gegenseite, 57 Prozent der Zweikämpfe entschieden die Eintrachtler für sich, nur 43 Prozent für den Gegner. Halt. Entscheidend ist nicht die prozentuale Verteilung, sondern in welcher Spielphase das geschah. Und genau darin liegt die Stärke von Hannover 96, von Mirko Slomka auf diesen Kurs gebracht: gnadenlos die Fehler der anderen an den entscheidenden Stellen durch Fußballeinsatz aufs gegnerische Tor zu nutzen. Wenn abschließend der etwas ratlose Michael Skibbe sagte: „ Wir haben den Gegner mit unseren Fehlern stark gemacht!“, ist das genau die entscheidende Spielanalyse.

Daß den 15 Fouls der Eintracht immerhin 26 der Hannoveraner gegenüberstanden, lassen wir unkommentiert. Das ist aber zu verfolgen, weil Foul nicht gleich Foul ist und technische Fouls eine eigene Spielkategorie geworden sind. Wir wollen heute auch nicht kommentieren, was in Frankfurt als Begründung für das Vorführen der Eintracht durch Hannover angezogen wird: den Ausfall durch gravierende Verletzungen der gesamten Hintermannschaft, von Chris, Russ, Franz, Vasocki. Damit ist allerdings nicht erklärt, warum der Angriff keine Tore schießt.

In der ungewöhnlichen Bundesligasaison liegt Hannover 96 nach diesem Spiel auf dem zweiten Platz. Durch die drei Tore konnte Hannover die bisher negative Tordifferenz von 25:27 immerhin zu einem 1 Tor Plus von 28:27 steigern. Wie schlecht das ist, zeigen die Torverhältnisse von Dortmund mit 42:11, die von Mainz auf der dritten Position mit 30:20, erst recht Bayern München auf dem 5. Rang mit 32:21, aber auch noch das der Eintracht auf Platz 8, das trotz der hohen Niederlage jetzt 24:24 beträgt. Für Hannover 96 geht es mit dem Heimspiel gegen Schalke am Samstag weiter, die Eintracht spielt am Freitagabend in Hamburg, wo nun wegen der fünften gelben Karte auch der sonst stabile, heute fahrige Pirmin Schwegler ausfallen muß.

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