
Berlin, BRD (Weltexpress). Mit dem „Römischen Gruß“ („saluto romano“), dem erhobenen rechten Arm, mit dem sich Mussolini, wie auch Hitler grüßen ließen, haben am 7. Januar 2026 Hunderte Faschisten an einer Gedenkfeier in der Via Acca Larentia in Rom vor dem früheren Sitz der faschistischen Bewegung Movimento Sociale Italiano (MSI) für zwei Aktivisten von deren Jugendbewegung teilgenommen. Sie kamen an diesem Tag 1978 bei einem Zusammenstoß mit linksradikalen Antifaschisten ums Leben.
Die herrschende Atmosphäre dieser Jahre habe ich – seit 1973 als Korrespondent der Nachrichtenagentur ADN der DDR in Rom – selbst erlebt. 1974 waren die Kommunisten mit 34 % Wählerstimmen hinter der DC zweitstärkste Partei geworden und PCI-Generalsekretär Berlinguer ging mit deren Vorsitzenden Aldo Moro zur Regierungszusammenarbeit (historischer Kompromiss) über. Drei Jahre später fand im luxuriösen Midas-Hotel in Rom im Januar 1977 der MSI-Parteitag statt. An die gespenstigen Szenen erinnere ich mich noch heute.
In einem düsteren Kongresssaal hatten sich rund 1 200 Faschisten versammelt. Vor dem Parteisymbol, einem schwarzen Sarg, über dem eine Flamme in den Farben der italienischen Trikolore aufsteigt, hatte die MSI-Führung mit Giorgio Almirante und Pino Rauti an der Spitze an einem mit schwarzem Tuch überzogenen langen Tisch Platz genommen. Die Flamme sollte – so die Interpretation – symbolisieren, dass Mussolinis Seele aus dem Sarg emporsteigt, um seine Nachfolger zu ermutigen.
Als Almirante sich in wüsten antikommunistischen Ausfällen erging und den DC-Vorsitzenden Aldo Moro als Philokommunisten, der das Land den Roten ausliefere, diffamierte, schien in der Tat der Geist Mussolinis über dem Saal zu schweben. Während Almirante Pinochet feierte, brachen die Teilnehmer in frenetischen Beifall aus, sprangen von den Plätzen, rissen den rechten Arm zum Führergruß empor, schrien Eja, eja, alala, den dem deutschen Hipp Hipp Hurra vergleichbaren Schlachtruf, mit dem sich Mussolini einst begrüßen ließ, und skandierten »Pinochet, Pinochet«. Es dauerte Minuten, bis die Menge innehielt und Almirante, immer wieder von tosendem Beifall unterbrochen, weitersprach.
Der neue »Duce« forderte eine »chilenische Lösung« für Italien und rief zum Studium der Erfahrungen Pinochets auf. Pino Rauti, die Nummer Zwei der Bewegung und Chef der nach SS-Vorbild aufgebauten Terrororganisation »Ordine Nuovo« (in demagogischer Weise führte diese den Namen der von Antonio Gramsci 1919 geschaffenen kommunistischen Organisation und Zeitung, des Vorläufers der IKP-Gründung) und überhaupt aller schwarzen Terrorbanden, rief »zum Sturz der Regierung« und »zur Erhebung gegen das Regime« auf. Das Massenelend in Süditalien, die Ausweglosigkeit der Arbeitslosen und das Schicksal der perspektivlosen Jugendlichen sollten als »Pulverfass« dienen, »in das man ein Streichholz werfen« müsse. Er erinnerte an die von der MSI angezettelten Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen in Reggio di Calabria und führte unter erneuten Beifallsstürmen aus, dort »konnten wir früh, mittags und abends in aller Ruhe jeden umbringen«, der gegen uns war. In seinem Schlusswort erteilte Almirante Pressestimmen, die solche Ausführungen als »Übertreibungen« verharmlosen wollten, eine klare Absage. »Wir haben nicht gescherzt, und wir werden auch in Zukunft nicht scherzen.« 1
Das war also die Atmosphäre, in dem die beiden Faschisten ums Leben kamen und es ist daran zu erinnern, dass die MSI Nachfolger der faschistischen Partei Mussolinis war, aus der die heutige Partei Brüder Italiens (FdI) von Ministerpräsidentin Meloni hervorging, Sie selbst war damals Leiterin der Jungendbewegung der MSI und ist heute, wie der kommunistische Philosoph Luciano Canfora in „der untote Faschismus“ (Papyrossa Köln 2024) schrieb, in diesem Geist mit ihrer FdI „fast an der Spitze der italienischen Republik angekommen“, und will nächstes Jahr wiedergewählt werden. Die jährlichen Gedenkfeiern, waren diesmal deshalb besonders stark von ihrer FdI besucht, und blieben kein Einzelfall. Bereits im Dezember 2025 hat Meloni auf dem Jugendfest der Partei in Rom, auf dem deren Gründung 2012 als MSI-Nachfolger mit deren Parteilogo, der aus dem Grab aufsteigenden Flamme, der Seele des “Duce“, gefeiert wurde, für ihre Wiederwahl getrommelt.
Angesichts des wachenden Widerstandes gegen ihren Kurs auf Wiederbewaffnung, des beispiellosen Sozialabbaus, ihrer Unterstützung für Israels Völkermord in Gaza, des Krieges in der Ukraine und zuletzt der Billigung des völkerrechtswidrigen Überfalls Trumps auf Venezuela und der Entführung Präsident Maduros scheint sich Meloni eines Wahlsieges jedoch nicht sicher zu sein. Bei mehreren Regionalwahlen 2025 scheiterte sie teilweise, Mitte Links zu besiegen. „RAI News“ sprach von deren „Erdrutschsiegen“ in Apulien und Kampanien. In den Marken und in Kalabrien hatte Meloni zwar gewonnen, aber die rote Toskana blieb bei Mitte Links. Die Sekretärin der sozialdemokratischen PD, Ellena Schlein, wertete die Ergebnisse im Süden als „eine Alternative“ zu Meloni. Der Ausgang der Wahlen 2027sei noch völlig offen.
Mit ihrer Justizreform und dem sogenannten Premierato, ihrer Direktwahl als Regierungschefin, sowie einer automatischen Mehrheit der Parlamentssitze für die Sieger will Meloni ihre Macht sichern. Dem dient die Mobilisierung der faschistischen Schlägerbanden. Ihre Jugendfront prügelt Schülerproteste nieder, und nicht zufällig erfolgte am 7. Januar auch ein Feuerüberfall auf das Hauptquartier der CGIL-Gewerkschaft im römischen Stadtteil Primavalle, bei dem Kugeln in allen Fenstern einschlugen. Eine Warnung im Stile von US-Präsident Trump, sich unterzuordnen. Wenn sie im Referendum für die Verfassungsänderung eine Niederlage erleiden sollte, hat Meloni bereits angekündigt, nicht zurück zu treten. Es bleibt offen, zu welchen Mitteln sie dann greifen könnte, um an der Macht zu bleiben.
Anmerkungen:
1 Ausführlich siehe Buch des Autors: Umbruchsjahre in Italien. Als Auslandskorrespondent in Rom 1973 bis 1979, PapyRossa Köln, 2019.
Siehe die Beiträge
- Proteste gegen USA-Überfall auf Venezuela und Solidarität mit dem Widerstand – Die Haltung der faschistischen Regierung unter Ministerpräsidentin Meloni von Gerhard Feldbauer
- Im Schatten des Generalstreiks gegen ihr Kriegskurs und Sozialabbau – Ministerpräsidentin Meloni feierte Festival ihrer faschistischen Partei Brüder Italiens mit Siegeszuversicht von Gerhard Feldbauer
- Faschisten feierten die Machtergreifung von Benito Mussolini 1922 – Ministerpräsidentin Meloni schwieg dazu, weil sie zu dessen Erben gehört, die „nicht abschwören“ von Gerhard Feldbauer
- Ministerpräsidentin Meloni hat ihre „Justizreform“ durchgesetzt – Juristenverbände warnen vor Aufhebung der Gewaltenteilung von Gerhard Feldbauer
im WELTEXPRESS.
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