
Berlin, BRD (Weltexpress). Sich vom Faschismus »ein konkretes Bild zu machen« erfordere, seine »spezifischen Wurzeln« in der Geschichte samt ihrer Ausstrahlung zu sehen, schrieb der führende kommunistische Philosoph Italiens, Luciano Canfora in seinem Buch „der untote Faschismus“ (Papyrossa, Köln 2025). Wie recht er hat, beweisen gerade wieder einmal die faschistischen Ausschreitungen zum Jahrestag des Marsches Mussolinis auf Rom, der am 22. Oktober 1922 begann und zur Errichtung seiner Diktatur am 28. des Monats führte. Höhepunkt war am 26. Oktober Predappio bei Rimini, der Geburtsort des Diktators, wo sich, wie die Radio- und Fernsehanstalt (Rai) berichtete Tausend Faschisten versammelten, den rechten Arm zum verbotenen „saluto romano“ erhoben, „Duce“, „Duce“ schrien und zur Krypta, der Familiengruft, marschierten, wo Mussolini und seine Frau Ráchele in einem Ehrenhain begaben sind. Unter den Teilnehmern befand sich auch die Urenkelin des „Duce“ Orsola Mussolini.
In der norditalienischen Stadt Parma rotteten sich am 28. Oktober 2025 vor der Zentrale der Faschistischen Partei Brüder Italiens (FdI) von Ministerpräsidentin Meloni Mitglieder ihrer Jugendorganisation Gioventù Nazionale zusammen, um den Jahrestag der Machtergreifung zu feiern. Ein Video zeigte sie beim Singen der faschistischen Hymne „Me ne frego“ (Ist mir doch egal), in der es um den Triumph der „Schwarzhemden“ geht, dazu Duce-Rufe erklangen. „Duce, Duce, Duce“!
Gewaltsame faschistische Ausschreitungen zum Jahrestag des Marsches auf Rom richteten sich an Universitäten und Gymnasien gegen die Proteste der Studenten und Schüler, die die Unterstützung der Meloni-Regierung für den Völkermord Israels im Gazastaat verurteilten. In der Hafenstadt Genua überfielen am 26. Oktober faschistische Banden die Leonardo da Vinci-Hochschule und verprügelten und misshandelten die Schüler, die das Gymnasium aus Protest dagegen besetzt hatten. Am selben Tag überfielen Faschisten in Turin die Einstein-Oberschule und verurteilten auf Flugblättern die Proteste. Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen griff die Polizei ein, nicht um gegen die Faschisten vorzugehen, sondern um einen minderjähriger Schüler festzunehmen und ihn in Handschellen auf die Polizeiwache zu bringen. Die Schülerorganisation OSA protestierte, dass die Polizei eingriff, um die Faschisten zu verteidigen und stattdessen einen gegen den Völkermord in Gaza protestierender Schüler festgenommen und in Handschellen abgeführt hat. OSA prangerte an, dass der Überfall „weder ein sporadisches Ereignis noch ein Einzelfall ist“, sondern das klare Ergebnis der Politik der faschistischen Meloni-Regierung, allen voran ihr Vizepremier, Bildungsminister, Giuseppe Valditara. Es ist die Reaktion auf die sprunghaft zunehmende Teilnahme junger Menschen, Arbeiter, Studenten und Schüler an den Protesten gegen Israel und die diese unterstützende Meloni-Regierung. Sie nehmen an den Aktionen der Gewerkschaften und der Hafenarbeiter zur Blockierung von Waffentransporten nach Tel Aviv teil, solidarisieren sich mit den streikenden Arbeitern und waren unter den Hunderttausenden, die gegen Netanjahu und Meloni auf die Straße gingen.
Es dürfte kaum ein Zufall sein, dass die faschistische Ministerpräsidentin Meloni ausgerechnet in diesen Tagen zusammen mit einer so genannten Justizreform zur Verfassungsänderung ihre Direktwahl bei den Parlamentswahlen 2027 durchsetzen will. Ähnlich wie das Mussolini 1924 verfolgte, will sie bei einem Sieg ihrer Brüderpartei, dass diese 55 Prozent der Sitze in beiden Kammern – Abgeordnetenhaus und Senat – des Parlaments erhält.
Meloni schwieg zu den Feiern ihrer Gefolgschaft und ließ sie lediglich platonisch von ihrem Partei-Vize Guido Grosetto, verurteilen ohne dass es Konsequenzen gab. In diesem Kontext sei noch einmal Canfora erwähnt, der zu Meloni daran erinnerte, dass ihre Brüderpartei aus der schon im Dezember 1946 wiedergegründeten Nachfolgeorganisation der faschistischen Partei Mussolinis in Gestalt des Movimento Sociale Italiano (MSI) hervorging. Und diese sich unter der Losung „Wir werden wiederkommen“ im Namen und im Programm auf die faschistische Diktatur berief, und deren Erben stolz darauf sind, „nicht abzuschwören“ – und die nun unter und mit Meloni „fast an der Spitze der italienischen Republik angekommen sind“.
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