2. spanisches und iberoamerikanisches Filmfestival läuft – Vom 25. bis 29. November 2009 im Institut Cervantes in Frankfurt am Main

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Szene aus dem Film "Los Bastardos"

Das ist lange vorbei, aber die propädeutische Funktion, für alle des Spanischen Mächtigen zu sprechen, hat Spanien schon lange in positivem Sinn übernommen. Sicher auch aus durchaus ’egoistischen` Gründen, wird doch in Europa Spanien als eines der größeren europäischem Länder wahrgenommen, dem erst die lateinamerikanischen Länder Weltgeltung verschaffen. Dieses Jahr liegt sogar der Festivalschwerpunkt auf dem lateinamerikanischen Gegenwartskino. Teilweise vielfach prämierte oder noch unbekannte Filme junger Regisseure füllen das fünftägige Programm, das dadurch ausgesprochen aktuell ist, auch wenn der auf der diesjährigen Berlinale preisgekrönte Film aus Peru „La Teta Asustada“ nicht zu haben war. Der Weltexpress hatte damals eine sehr  positive Besprechung veröffentlicht, in der auch die Aussagen der Regisseurin Claudia LLosa, Nichte des Dichters, Eingang fanden.

Die neue Direktorin des Instituts Cervantes, Mercedes de Castro, verwies bei der Ankündigung des neuen, im letzten Jahr äußerst erfolgreichen Festivals auf die Vorreiterfunktion, die das Spanische Generalkonsulat einst mit der Einrichtung dieser Filmreihe übernommen hatte und auf die Kooperation mit dem dem exground filmfest, das vom 13.-22. November in Wiesbaden stattfand und wo die jetzt in Frankfurt aufgeführten Filme zu großen Teilen zu sehen waren. Wie positiv verflochten sich die Kooperation auch auf diplomatischer Ebene in Frankfurt gestaltet, sieht man daran, daß die Generalkonsulate von Spanien, Peru, Mexiko bei der Eröffnung und dem Empfang anwesend waren, aus deren Ländern Filme zur Aufführung gelangen, was auch für das Generalkonsulat der Vereinigten Staaten gilt, die das Festival unterstützt haben, was einen nicht wundern muß, denkt man an den großen Anteil der spanischsprechenden Bevölkerung. So wurde der Auftakt am 25. November ein so interessantes wie lebendiges gesellschaftliches Zusammensein, das durch Rotwein, Tortilla, Chorizo, Käse und Oliven noch gewann!

Filmischer Auftakt war „Un novio para Yasmina“, ein Film aus Spanien von Irene Cardona, die nicht nur Regisseurin ist und auf Cuba fachlich ausgebildet wurde, sondern auch einen universitären Abschluß in Bildwissenschaften besitzt sowie eine Schauspielerinnenausbildung absolvierte. Das ist eine starke Grundlage für das Regieführen, was Irene Cardona in diesem, 2008 hergestellten Film, ihrem ersten langen Spielfilm, für den sie auch das Drehbuch schrieb, auch beweisen kann. Der spanische Film reagiert sehr sensibel auf gesellschaftlich virulente Probleme, zu denen die massive Immigration aus Nordafrika sicher gehört, die schon in den letzten Jahren thematisiert wurde und – wie es spanische Art ist – nicht politisch abstrakt und gedankenschwer daherkommt, sondern als Satiren und komisch geboten wird oder wie beim Bräutigam für Yasmina (Sanaa Alaoui) als heitere Komödie, auch als kleine Liebesschnulze.

Inhalt ist das Heiraten, das Frauen wie Lola (Marí­a Luisa Borruel) einfach so schön findet, daß sie viele verkuppelt. Am liebsten aus Liebe. Aber wenn keine Liebe, sind es andere Beweggründe, die insbesondere für Immigranten wichtig werden: die automatisch erworbene Staatsangehörigkeit. Scheinehen nennt man das, wenn jemand aus Mildtätigkeit einen anderen Menschen sich antrauen läßt, aber da gibt es auch die wie Alfredo (José Luis Garcí­a Pérez), die das aus Geld tun. Pfui, vor allem, wenn das Geld im Briefumschlag diejenige entdeckt, mit der er gerade knutscht und so gerne weiterknutschen wollte. Aber überhaupt ist das ein Film über Beziehungen, über die gelungenen, die abgelebten, die nicht zustandekommenden”¦

Am 26. und 27. November dreht sich alles um „Widersprüchliche Welten Lateinamerikas“. Die Filme aus Argentinien und aus Kooperationen verschiedener Länder und aus Brasilien, Mexiko/Frankreich der beiden ersten Festivaltage behandeln die Gegensätzlichkeit und Gleichzeitigkeit von Luxus und Armut auf dem südamerikanischen Kontinent sowie die überbordende Gewalt und mangelnde Moral in Teilen der lateinamerikanischen Gesellschaften. Drei Filme davon haben deutsche Untertitel, aber der vierte: „Los Bastardos“, eine Gemeinschaftsproduktion von Mexiko und Frankreich, spielt in Los Angeles und ist auf Englisch und Spanisch gedreht und hat spanische Untertitel. Die Handlung versteht man aber auch so. Zwei mexikanische Tagelöhner bekommen den Spezialauftrag, die Frau Ihres Ex-Chefs umzubringen”¦ Was tun? Und wie geht es aus?

An den beiden letzten Tagen geht es um „Starke Gefühle“. Am 28. und 29. November sind Religion, Aberglaube, Spiritualität und natürlich Liebe die Zutaten für wirklich großes Kino. Daß man die Namen von Regisseuren und Schauspielern in der Regel nicht kennt, sollte einen nicht abhalten, sich die Filme anzuschauen. Danach nämlich kennt man diese nicht nur, sondern kann auch Auskunft geben, wie vielfältig, vom Spaß zum Ernst, spanisches Kino heutzutage agiert. Höchste Zeit, daß die Frankfurter auch aficionados des spanischen Kinos werden. Vergessen Sie nicht, die Matinee zum Dokumentarfilm am Sonntag, 29. November, um 12 Uhr.

Ablauf/Programm

Mittwoch, 25. November 2009

19.30 Uhr ERÖFFNUNG APERTURA

Feierliche Eröffnung des 2. Spanischen und Iberoamerikanischen Filmfestivals im Instituto Cervantes Frankfurt durch den Spanischen Generalkonsul in Frankfurt

20.00 Uhr UN NOVIO PARA YASMINA von Irene Cardona, Spanien 2008, 35mm, 92 Min., span. OF

Ein Sommermärchen über Vernunftehen, gesellschaftliche Verpflichtungen und über das Leben in einer Paarbeziehung. Eintritt frei. Anschließend Empfang

WIDERSPRÜCHLICHE WELTEN LATEINAMERIKAS MUNDOS CONTRADICTORIOS DE LATINOAMERICA

Donnerstag, 26. November 2009

18.30 Uhr UNA SEMANA SOLOS von Celina Murga, Argentinien 2008, 35mm, 110 Min., span. OmeU

Im abgeschirmten Luxus-Wohnviertel der argentinischen Oberschicht amüsieren sich Kinder eine Woche ohne ihre Eltern. Plötzlich müssen sie sich mit der Außenwelt auseinandersetzen.

20.00 Uhr DIOSES von Josué Méndez, Peru/Argentinien/Frankreich/Deutschland 2008, Digital Betacam, 91 Min., span. OmeU

Die High-Society von Lima verbringt den Sommer am Meer. Wenig Moral und viel Dekadenz zeichnen das Leben der Reichen aus, die sich wie Götter aufführen. Das Mädchen aus dem Armenviertel bleibt darin ein Fremdkörper.

Freitag, 27. November 2009

19.30 Uhr FAVELA ON BLAST Dokumentarfilm von Wesley Pentz und Leanoro HBL, Brasilien 2008, Digital Betacam, 80 Min., port. OmeU

Ein authentischer Musikfilm über den Baile-Funk, die DJs, Musiker, Tänzer und die Partykultur in den Favelas von Rio de Janeiro. Aber auch über das Leben hinter der Party.

21.00 Uhr LOS BASTARDOS von Amat Escalante, Mexiko/Frankreich/USA 2008, 35mm, 90 Min., span./engl. OmspanU

24 Stunden im Leben zweier mexikanischer Tagelöhner in Los Angeles. Die tägliche Routine eintöniger Arbeiten wird durch einen Spezialauftrag unterbrochen: Jesús und Faustus sollen die Frau ihres Ex-Chefs umbringen.

STARKE GEFÜHLE SENTIMIENTOS FUERTES

Samstag, 28. November 2009

17.00 Uhr DESIERTO ADENTRO von Rodrigo Plá, Mexiko 2008, 35mm, 112 Min., span. OmeU

Elias glaubt, dass Gott ihn wegen eines Vergehens bestraft und seine Kinder früh sterben müssen. Er widmet sein Leben dem Bau einer Kirche, in der Hoffnung, dass Gott ihm verzeiht.

19.30 Uhr CAMINO von Javier Fesser, Spanien 2008, 35 mm, 143 Min., span. OmeU

Eine außergewöhnliche Elfjährige macht zwei neue Erfahrungen: Sie ist unheilbar krank und sie ist verliebt. Und alles dreht sich um Jesus. Ein faszinierender Film, der mit 6 Goyas ausgezeichnet wurde.

Sonntag, 29. November 2009

14.00 Uhr MAMI TE AMO von Elisa Eliash, Chile 2008, Digital Betacam 78 Min., span. OmeU

Raquelitas Mutter erblindet. Um ihr wieder näher zu kommen, mischt das Mädchen Chemikalien, damit sie ebenfalls erblindet. Eine radikale Geschichte, aufgelöst in einer radikalen Bildsprache.

DOKUMENTARFILM MATINEE

Sonntag, 29. November 2009

12.00 Uhr EL íšLTIMO GUIí“N von Gaizka Urresti und Javier Espada, Spanien/Mexiko/Deutschland 2008, 35mm, 112 Min., span. OF

Der ungewöhnliche Dokumentarfilm begibt sich mit dem Drehbuchautor und langjährigen Mitarbeiter Luis Buñuels, Jean-Claude Carrière und Buñuels Sohn, dem Filmemacher Juan Luis Buñuel, auf die Spuren des Altmeisters an die Orte, die sein Leben prägten. Entstanden ist ein persönliches Bild einer faszinierenden Persönlichkeit, das von der biografischen "Oberfläche" über sein Denken und Handeln hin zu seinem Werk, zur Faszination und Magie seiner einzigartigen Filme reicht.

www.frankfurt.cervantes.es

www.exground.com

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