Vorwärts immer und nix wie weg: ITB Berlin 2018 eröffnet

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Gruppenbild mit Kanzlerin auf der Eröffnungskala der ITB Berlin 2018. Dr. Michael Frenzel, Präsident Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW); Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister; Dr. Christian Göke , Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH; Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland; Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern; Zurab Pololikashvili, Generalsekretär World Tourism Organization (UNWTO) (v.l.n.r.). © Messe Berlin GmbH

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Internationale Tourismus-Börse (ITB), bei Kennern steht das T im Kürzel auch für Trinker, wurde gestern Abend von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor geladenen Gästen offiziell eröffnet. Am heutigen Morgen öffneten sich Türen und Tore für Fachbesucher und solche, die es werden wollen.

Am Wochenende werden Privatbesucher zu den sogenannten Tütentagen von Ausstellern aus aller Welt erwartet. Der Veranstalter, die Messe Berlin GmbH, spricht von „rund 10.000 ausstellende Unternehmen aus 186 Ländern und Regionen“. Zur 52. Auflage der ITB kommen über 80 Prozent der Aussteller, die sich auf einer Fläche von 160.000 Quadratmetern präsentieren, aus dem Ausland.

Merkel dreschte in ihrer Rede die üblichen Phrasen. „Tourismus lebt von Weltoffenheit und belebt Weltoffenheit“, sagte die Frau, die die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland schutzlos stellte. Am bunten Strauß voller Belanglosigkeiten beteiligten sich unter anderem Dr. Michael Frenzel als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft und Michael Müller (SPD) als Berlins Regierender Bürgermeister. Ihre Reden wurden irgendwo im Nirgendwo des Weltnetzes veröffentlicht.

Durch die Nacht voller Friede, Freude und Eierkuchen moderierten quadratisch und praktisch wie der kahle Klotz auf dem Berliner Messegelände die offensichtlich ewig gut gelaunten und gerne grinsenden Judith Rakers (TV) und Tobias Woitendorf (MV).

Dr. Christian Göke sprach als Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin in einer der Messe vorausgehenden Pressekonferenz in Berlin davon, dass die ITB „Schwerpunkten wie Overtourism, revolutionäre Reiseformen und Digitalisierung … gleichermaßen Raum“ gebe „wie den kontinuierlichen Trendthemen Luxus, Technologie und Nachhaltigkeit“. Wohl gesprochen. Dabei kommt das Brot-und-Butter-Geschäft für stinknormale Urlauber nicht zu kurz. Eingeweihte und erfahrene Branchenkennen sagen dann: „Wenn die Masse Malle will, dann bekommt sie Malle. Und zwar satt. Mit Nachschlag!“

Gegessen wird auch in den Redaktionen, was auf den Tisch kommt. In Absprache mit den Anzeigenabteilungen wird von Ost- bis Bodensee Ägypten, Griechenland und Türkei hochgeschrieben. „Comeback eines Krisenlandes“ titelt die ARD (6.3.2018) und meint Griechenland, das angeblich zum „zweitbeliebtesten Reiseziel der Deutschen“ aufgestiegen sei. So und nicht anders steht es in Mitteilungen der Industrie und deren Handlungsbeauftragten, die im Pressezentrum der ITB ausliegen. Das Vorgekaute muss man nur noch abschreiben und aufwärmen.

Manche Lohnschreiber tippen in die Tasten, um im Sinne von Veranstaltern Ägypten ein „touristisches Comeback“ ans Revers zu dichten. Sie behaupten einen „größeren Auftritt“ auf der ITB. Größer sei nur noch der Auftritt der Türkei, die laut Messe Berlin sogar der „größte Aussteller der ITB Berlin“ sei. Weniger mit den Superlativen wird es nur nach mehr Alkohol.

Ägypten, Türkei und Griechenland werden auch bei „Spiegel-Online“ (6.3.2018) als „die Lieblingsziele der deutschen Urlauber“ gejazzt. Immerhin wird erwähnt, dass Deutschland die Nummer eins bleibe. Vom Hof wird brav auch über Mecklenburg-Vorpommern (MV) als aktuelles Parnterland der ITB berichtet. Der Beifall der Reiseindustrie dürfte entsprechend ausfallen.

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