Leuchtendes Dresden – Weihnachtsgenuss in höfischem Glanz

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Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Weihnachtsdekoration an der Frauenkirche. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Dresden, Sachsen, Deutschland (Weltexpress). Bereits seit 583 Jahren bildet der Striezelmarkt in Dresden das Zentrum weihnachtlicher Prachtentfaltung.

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Fahne und Uniformen des Stollenfest-Umzuges. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Ein Stück Weihnachtsstollen für Napoleon? Ein Kostverächter, daran zweifelt niemand, war dieser sicherlich nicht, solange er sich in seinen Siegen sonnte. Aber hatte nicht der helle Stern seines Erfolgs nach dem militärischen Debakel in den Weiten Russlands merklich an Glanz verloren? Und damit nicht genug. Denn hinzu kam für ihn die Schlappe der verlorenen Völkerschlacht auf sächsischem Boden, die ihm die Freude am Genuss endgültig verdarb. So verwandelte sich das erhoffte „Bon Appétit!“ umgehend in ein verzweifeltes „Rette sich wer kann!“

Einen erheblichen Anteil an diesem Sieg über die „Grande Armée“ konnten die Sachsen für sich verbuchen. Bis heute versäumen sie es daher nicht, alljährlich beim Dresdner Stollenfest stolz ihre Fahnen und Standarten zu präsentieren, die sie einst im Schlachtgetümmel vor mehr als 200 Jahren vor sich her trugen. Mit Stolz erfüllen zugleich die Uniformen im Stil jener Zeit, in denen man mit Glanz und Gloria einen wahrhaft ehrenhaften, ja epochalen Sieg errungen hatte.

Abwechslungsreicher Budenzauber

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Kostprobe des Original Dresdner Stollens. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Zentrum des weihnachtlichen Treibens ist der legendäre Dresdner Striezelmarkt, dessen Name sich von dem Vorläufer des Dresdner Stollens ableitet. Bereits zur Zeit Napoleons hatte der Markt eine mehr als dreieinhalb Jahrhunderte zurück reichende Tradition. So gilt er auf seinem angestammten Platz zwischen Kreuzkirche und Frauenkirche als der schönste Weihnachtsmarkt weit und breit. Daher wird an allen Ständen die Begeisterung spürbar, wie sie sich bis in die Gegenwart hinein erhalten hat.

Um die wärmenden Glühweinquellen herum verbreiten anheimelnde Holzfiguren aus dem Erzgebirge, bunte Weihnachtssterne mit ihrem warmen Licht sowie kuschelige Handpuppen einen abwechslungsreichen Budenzauber. So kann jeder Standbetreiber darauf hoffen, bei der abschließenden Prämierung der Marktstände einen der Spitzenplätze zu ergattern. Damit wird der Weihnachtsgenuss in vielerlei Hinsicht auf die Spitze getrieben.

Königsdisziplin der Backkunst

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Weihnachtsbäckerei auf dem Striezelmarkt. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Gleich in der Nähe des Kasperletheaters lockt die Weihnachtsbäckerei. Sie bietet großen und kleinen Kindern die Gelegenheit, sich in die Kunst des Plätzchen Backens einführen zu lassen. Wild wirbeln die scharfkantigen Metallförmchen über den dünn ausgewalzten Teig, um die persönlichen Lieblingsfiguren aus der glatten Oberfläche heraus zu stechen. Dabei werden rund um den riesigen Tisch zahlreiche rote Wangen erkennbar, an denen sich die kreative Anspannung unschwer ablesen lässt.

Nur wenige Buden weiter wird die Königsdisziplin der Dresdner Backkunst sogar zu einem Weihnachtserlebnis der besonderen Art. Es ist das Reich des „Schutzverbandes Dresdner Stollen e.V.“, der seit gut zwanzig Jahren mit großer Ernsthaftigkeit über die Bezeichnung „Original Dresdner Stollen“ wacht. Und der dabei, so erklärt es Stollenbäcker Rainer Grohmann, nicht nur die Qualität der Stollen im Auge hat, sondern zugleich auch die Interessen der 150 heimischen Kolleginnen und Kollegen.

Traditionelles Stollenfest

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Stollenbäckerei auf dem Striezelmarkt. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Von seiner kleinen Backhütte aus nutzt er nun die Gelegenheit, sein Handwerk wie zur Zeit Augusts des Starken nach den Regeln traditioneller Backkunst zu zelebrieren. Verführerisch anzusehende Zutaten ergeben schon bald eine Knetmasse, aus der mit geübten Handgriffen zu Teigrollen gewickelte Stollen entstehen. Erinnern diese nicht gar mit etwas Fantasie an die Gestalt des in Windeln gewickelten Christkinds?

Für religiöse Erwägungen bleibt allerdings nur wenig Zeit. Denn längst ist der kleine Backofen neben der Hütte vorgewärmt, in dessen Öffnung die üppigen Teigrollen mit vorsichtigen Handgriffen verschwinden. Als Vorbote des zu erwartenden Stollengenusses quillt bereits nach kurzer Zeit ein verführerischer Duft aus dem Ofen hervor. So wie ähnlich zur Zeit Augusts des Starken, der im Jahr 1730 einen Riesenstollen von 1,8 Tonnen Gewicht mit 24.000 Portionen backen ließ. Und der mit diesem gigantischen Backwerk eine Tradition ins Leben rief, die noch heute alljährlich am Vortage des 2. Advents aufwändig gefeiert wird.

Kulturelle Höhepunkte

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Die Semperoper bei Nacht. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Dresdens kulturelle Tradition zu Weihnachtszeit wächst jedoch weit über die Attraktionen des Striezelmarktes hinaus. Auch die Semperoper ist mit ihrem Weihnachtsprogramm einer der Hauptanziehungspunkte. Zum Beispiel mit der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ in einer tiefsinnigen Inszenierung von Katharina Thalbach. Darin werden Gut und Böse eindrucksvoll als Teil der menschlichen Natur dargestellt. Und will nicht die Hexe, die augenzwinkernd auf ihrem Besen entwischt, nicht damit zum Ausdruck bringen, dass auch weiterhin mit ihr zu rechnen ist?

Emotional wird es auch in der Frauenkirche während der „Orgelnacht bei Kerzenschein“. Dabei reicht ein Adventschoral aus der Feder Martin Luthers völlig aus, um damit über die jeweiligen Stilepochen und unterschiedlichen Musikgattungen ein ganzes Abendprogramm zu gestalten. Im Halbdunkel des flackernden Kerzenlichts macht Organist Philipp Christ mit unglaublicher Klangvielfalt in seiner Registrierung deutlich, dass der Orgel völlig zu Recht den Ehrentitel einer „Königin der Instrumente“ zuteil wird.

Ausgestellte Männlichkeit

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Hof eines Großmoguls im Neuen Grünen Gewölbe. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Ähnlich erstrahlt das Residenzschloss in kurfürstlichem Glanz. Wie Christbaumschmuck präsentieren sich die funkelnden Edelsteine im „Historischen Grünen Gewölbe“ Augusts des Starken. Ebenso die unglaublich fein gearbeiteten Kunstgegenstände im „Neuen Grünen Gewölbe“. Als unübertroffen erweist sich die in feinem Gold gearbeitete Szene am Hof des indischen Großmoguls Aurangzeb. Sollte einst sein Vorbild an orientalischer Prachtentfaltung bis an den sächsischen Hof ausstrahlen?

Darauf lässt auch die originelle Kleidersammlung der sächsischen Herrscher in der prachtvollen Rüstkammer des Schlosses schließen. Hier haben offenbar die Abbildungen des pompösen Fürstenzuges an der Außenfassade der Residenz konkrete Gestalt angenommen. Und dies in einer Weise, über die hinaus es damals nichts Prachtvolleres geben sollte. Nur die in der Hosenmode üppig zur Schau gestellte Männlichkeit traf offenbar nicht mehr den Geschmack späterer Zeiten.

Sächsisches Genusszentrum

Schloss Wackerbarth in Sachsen.
Schloss Wackerbarth bei Radebeul. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Auch über die Stadtgrenze hinaus haben sich frühere Geheimtipps bereits zu Besuchermagneten gewandelt. So das Sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth bei Radebeul. Als „Europas erstes Erlebnisweingut“ stellt es Aktivitäten im Reich der Sinne in Aussicht – und hält, was es verspricht. Denn spätestens seit der Zeit Augusts des Starken hat es sich, so die Meinung von Kommunikationsdirektor Martin Junge, mit seinen rauschenden Festen zu einem „Genusszentrum der feinen sächsischen Art“ entwickelt.

Als noch älter und traditioneller erweist sich das 1000-jährige Meißen, das unterhalb seiner prächtigen Domkulisse in gediegener Weihnachtsromantik erstrahlt.“Weiß und heiß“ heißt das Motto für den etwas anderen Punsch, der hier auf regionale Art hergestellt und genossen wird. Und doch, so viel ist sicher, führen alle Wege zurück in das Stadtzentrum von Dresden. Denn kann man sich wirklich sicher sein, nicht doch etwas vom Weihnachtsgenuss und dem weihnachtlichen Glanz der sächsischen Kulturmetropole verpasst zu haben?

Reiseinformationen “Dresden”:

Weihnachtliches Dresden in Sachsen.
Striezelmarkt am Fuße der Dresdner Kreuzkirche. © 2017. Foto/BU: Dr. Bernd Kregel

Anreise: mit Bahn oder PKW über Leipzig; Direktflüge nach Dresden von größeren deutschen Flughäfen z.B. mit Eurowings; www.eurowings.com

Reisezeit: Ganzjährig, speziell jedoch die Advents- und Weihnachtszeit

Unterkunft: Hervorragend geeignet ist Hotel Rothenburger Hof mit Gründerzeitflair und Wellnesscenter, Tel. 0351-8126-0, www.dresden-hotel.de

Essen und Trinken: Dresden – Westin: www.westinbellevuedresden.com; Alte Meister: www.altemeister.net; Dresden 1900: www.dresden1900.de; Radebeul – Schloss Wackerbarth: www.schloss-wackerbarth.de; Meißen – www.hotel-burgkeller-meissen.de

Auskunft: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS), Bautzner Straße 45-47, 01099 Dresden, Tel. 0351-491700; info@sachsen-tour.de; www.sachsen-tourismus.de

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine Erstveröffentlichung im WELTEXPRESS. Sie finden mehr Bilder in der Fotoreportage: Leuchtendes, weihnachtliches Dresden.

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