Hessisches Landgestüt Dillenburg vor dem Aus – Dokumentation: Offener Brief an Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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Umweltministerin Priska Hinz, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, Bundespräsident Joachim Gauck und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Kloster Eberbach. 2014, © Staatskanzlei Hessen

Karben, Hessen, Deutschland (Weltexpress). Am 12. Juli 2017 wurde ein zweiter Artikel zum Thema „Schließung des Landgestüt Dillenburg in der ‚Frankfurter Rundschau‘ (FR) mit der Überschrift „Umstrittener Tierschutz“ veröffentlicht.

Wer streitet hier um den Tierschutz?

Deutschlands „Pferdelobby macht mobil“, dazu gehört anscheinend mehrheitlich auch der Magistrat der Stadt Dillenburg, Vertreter der CDU und SPD. Gegner sind Priska Hinz und die Grünen.

Die Tierrechtsorganisation PETA habe der Umweltministerin „Rückendeckung“ gegeben, heißt es in der FR weiter. Die Stärkung des Rückens wird vorsorglich als Argument gegen Frau Hinz eingebracht.

Was ist eigentlich umstritten?

Die artgerechte Haltung fordert nicht nur das Deutsche Tierschutzgesetz, sondern auch die Reiterliche Vereinigung FN. Strittig ist also nichts.

Ist es ein Machtkampf?

Es geht nicht um die tierschutzrechtlichen Gesetze, sondern dass seit Jahren und Jahrzehnten dagegen verstoßen wird und zwar nicht nur von der so genannten Pferdelobby, die in der Reiterlichen Vereinigung bestimmend ist, sondern tagtäglich auch auf vielen Reiterhöfen, wo Besitzerinnen und Besitzer von Pferden meinen, sie könnten mit ihrem „Eigentum Pferd“ umgehen, wie sie wollen.

In dieser Situation ist der Vorstoß der hessischen Umweltministerin und Erzieherin mutig, denn er könnte Wählerstimmen kosten.

Dokumentation: Offener Brief an Priska Hinz, die Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Karben, den 13.7.2017

An die Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden

Betrifft: Landgestüt Dillenburg

Sehr geehrte Frau Hinz,

wenn die Frankfurter Rundschau nun am12. Juli zum zweiten Mal das Thema, „Landgestüt Dillenburg“ aufgreift, ist das eine gute Werbung für Ihre Partei und den Tierschutz. Auch der Kommentar von Frau Rippegather ist sehr erfreulich.

Im internationalen, mehrsprachigen Infoportal WELTEXPRESS habe ich zum Thema einen Artikel verfasst, auf den ich Sie hinweisen will.

http://weltexpress.info/schwarz-gruene-regierung-in-hessen-schliesst-landgestuet-in-dillenburg/

In mehreren Artikeln, Interviews und anderen Veröffentlichungen weise ich als Reiter seit einigen Jahren auf das Thema hin, dass der Tierschutz im Reitsport mit Füßen getreten wird trotz eines relativ guten Tierschutzgesetzes, das wir in Deutschland haben, das aber von den Veterinärämtern nicht umgesetzt wird, und trotz eines Ethik-Kataloges der FN, gegen den die Reiterliche Vereinigung permanent selbst verstößt, wie auch hier im Fall Dillenburg.

Dieses Thema muss viel mehr in die Öffentlichkeit kommen und immer wieder thematisiert werden. Die Grünen sind von Ihrer Genese her eigentlich die beste und wichtigste Partei, die hierzu deutlich Position beziehen müsste.

Leider ist das in der letzten Zeit aus meiner Sicht als Reiter und grün denkender Mensch vernachlässigt worden, auch im Fall der Rennbahn in Frankfurt, wo ich viele Mitglieder im Stadtparlament diesbezüglich angesprochen habe.

Ein gravierendes Problem ist, dass es viele Pferdeliebhaberinnen gibt, die sehr unreflektiert mit diesem Thema umgehen. Bezeichnend für mich war zum Beispiel eine Aktion von Freizeit- und Wanderreiterinnen, die mit Pferd für den Erhalt der Rennbahn demonstriert haben, Personen, die mit ihrem eigenen Pferd eher gewaltfrei umgehen, aber aus einer irrationalen Solidarität, weil es um Pferde geht, zu solchen Aktionen kommen.

Das Landgestüt wird anscheinend auch aus Steuergeldern finanziert. Das ist geradezu ein Lehrstück für die Gegner einer Pferdesteuer und die FN, wie sie sich selbst widersprechen.

Welcher Nicht-Reiter soll das verstehen.

Die FN wäre eigentlich jetzt gut beraten, klein beizugeben, aber innerhalb der FN haben die Herren aus dem Adel, die Besitzer von teuren Pferden und Pferdezüchter das Sagen.

Diese sind nicht Ihre Wähler, wie ich vermute. Unter den Befürwortern des gewaltfreien Reitens, das viele Schattierungen hat, befinden sich Ihre potentiellen Wähler.

Mittlerweile gibt es unter diesen Horsemen auch viel Konkurrenz aber nur wenig Sektierer, was sehr erfreulich ist aus meiner Sicht als Alt-68-er. Das Problem der Sektierer ist Ihnen sicher bekannt.

Diese Toleranz versuche ich in meinen Interviews zu realisieren, auch wenn ich persönlich gelegentlich anders denke.

Dazu möchte ich Sie auf meine Homepage Bernd Paschel hinweisen, die ich als ehemaliger Diplomsportlehrer-Dozent in der Sportlehrerausbildung der Goethe-Universität Frankfurt gestalte. Zum Reiten kam ich schon 1969 als Moderner Fünfkämpfer in Warendorf.

Ich wünsche Ihnen noch  viel Erfolg in Wiesbaden für Ihren mutigen Schritt, auch wenn ich erwarte, dass Sie nicht nur von der Reiterlobby, sondern auch der CDU Gegenwind haben.

Mit freundlichem Gruß
Bernd Paschel

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