Der alte Glanz kehrt zurück nach Salzburg- Eine solche Sammlung wertvoller Kunstschätze gab es noch nie

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© KHM-Museumsverband
Salzburg, Österreich (Weltexpress). Ein klein wenig erinnert er an den David von Michelangelo. Aber auch wenn dieser Jüngling nie an die bekannteste Skulptur der Kunstgeschichte heranreichen wird - sehenswert ist er schon, wie er da steht mit leicht abgewinkeltem, erhobenem rechten Arm, den Blick in die Ferne gerichtet, dieser junge Mann, eine Bronzestatue, die ein Bauer 1502, also im selben Zeitraum, als Michelangelo seinen berühmten David schuf, beim Pflügen auf dem Magdalensberg in Kärnten aus dem Boden holte. Nun steht er im Salzburger Museum und schmückt die vorzüglich konzipierte, auf drei Ebenen aufgebaute Ausstellung „200 Jahre Salzburg bei Österreich“, die an den 1. Mai 1816 erinnert, als auf dem Wiener Kongress im Rahmen der Neuordnung Europas Salzburg von Bayern zurück nach Österreich kam.

„Schatzkammer Salzburg“ nennt Peter Husty diesen Teil der Ausstellung, der einen Überblick gibt über das, was Anfang des 19. Jahrhunderts, einer durch Gewalt und Leid geprägten kriegerischen Zeit, an kostbaren Kunstgegenständen aus Salzburg geklaut und geraubt wurde. Dem Kunsthistoriker, Chefkurator des Salzburg Museums, ist es gelungen, rund 40 der kostbarsten Gegenstände für den Zeitraum der bis Ende Oktober dauernden Schau, die auch ein Licht auf die jahrhundertelange kulturelle Bedeutung der Stadt wirft, zurück nach Salzburg zu holen. Ein Großteil der Ausstellungsstücke ist im Auftrag der Salzburger Fürsterzbischöfe von angesehenen Künstlern geschaffen worden. "In dieser Zusammenstellung gab es das noch nie", sagt Husty. Da blinkt, leuchtet und glänzt es nur so aus den Glasvitrinen. Viele Exponate haben eine interessante Geschichte. Wie sind sie entstanden? Unter welchen Umständen sind sie aus Salzburg verschwunden? Der Jüngling vom Magdalensberg ist nur eines der glanzvollen Ausstellungsstücke. Dazu zählen auch die goldschimmernde Rüstung des Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, dem Erbauer von Schloss Mirabell, das Salzburger Zepterpaar, eines der schönsten barocken Universitätszepter, sowie die Skulptur „Hesperide den Drachen Ladon fütternd“ aus der ehemaligen Fürsterzbischöflichen Sammlung, eine qualitativ hochwertige Elfenbeinarbeiten, Gold- und Silbermünzen aus dem Palazzo Pritti in Florenz, aber auch wertvolle Bilder und die älteste Urkunde Österreichs, die dem Bischof die Privilegien sicherte, die aus der Zeit Karls des Großen herrühren. Diese und viele andere Schätze kehren nun an ihren Ursprungsort zurück. Auf Zeit. Für die erste Landesausstellung nach 22 Jahren.
Historische Schwerpunkte setzt der Ausstellungsteil „Am Schauplatz“. Orte, die damals für Salzburg von Bedeutung waren und dann vergessen wurden, werden von Fotokünstlern durch Video-Installationen ins Licht gerückt, so z. B. das Walserfeld, wo die französischen Soldaten über die kaiserlich-österreichischen Truppen siegten, um anschließend in Salzburg einzumarschieren und alles zu rauben, was – wie Peter Husty meint – nicht niet- und nagelfest war. Oder die Stadt Mühldorf am Inn, die – seit dem 8. Jahrhundert ein Teil des Erzstifts Salzburg ¬– mit Hilfe Napoleons 1809 von den französisch-bayerischen Truppen erobert wurde.
Eine Locke von Mozart
Sehr persönlich beginnt der dritte Ausstellungsteil "Erzähl mir Salzburg". Vier Personen erzählen Salzburger Volkssagen, wie die „Vom Bergmännlein im Dürrnberg“, in der sich die in einem Stollen wohnenden Zwerge von dem durch Maria Theresia eingeführten mächtigen Weckgeläute der Kirchenglocken so erschreckt fühlten, dass sie verschwanden und „keiner von ihnen jemals wieder erblickt wurde.“ Wohl nur wenige österreichische Bundesländer weisen einen so großen Sagenschatz auf, wie das kleine Salzburg. Neben den Sagen versucht „Erzähl mir Salzburg“ mit elf weiteren Themen die Stadt für den Besucher spürbar zu machen. Dazu zählt das Originalschriftstück des Gedichts von „Stille Nacht! Heilige Nacht“, das Joseph Mohr 1816 angeblich im Gebäude Kaingasse 9 geschrieben hat, wo sich heute das Hotel „Weiße Taube“ befindet. Die Ausstellung folgt den Spuren von Wolfgang Amadeus Mozart; zu den Exponaten gehört unter anderem eine Locke des berühmtesten Sohns der Stadt. Sie geht auf den Katastrophensommer 1816 ein, in dem wegen des Ernteausfalls große Hungersnot herrschte. Neben der Hungersnot wird auch ein anderer dunkler Fleck der Salzburger Vergangenheit beleuchtet – die Bücherverbrennung auf dem Residenzplatz während des Nationalsozialismus. Auch die Festspiele spielen eine Rolle: 1920 gelangen Max Reinhardt und Hugo von Hoffmannsthal mit den ersten Festspielen der Auftakt des heute weltberühmten Festivals, das diesen Sommer vom 22. Juli bis 31. August stattfindet.
Das Ausstellungskonzept ist gelungen. Auch für Besucher der Salzburger Festspiele ist die Landesausstellung ein sehenswertes zusätzliches Glanzlicht. „Wir wollen mit Objekten, Orten und Geschichten Salzburgs Geschichte erzählen“, so Martin Hochleitner, Direktor vom Salzburg Museum. Stadt und Land Salzburg lassen sich die Landesausstellung 1,5 Mio. Euro kosten. Angepeilt werden bis Ende Oktober 60.000 Besucher.
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