Beachvolleyball: Weltelite in dieser Saison nicht auf deutschem Boden – Nun möchte Hamburg ein Weltturnier oder gar die WM präsentieren

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Alison Conte Cerutti und Bruno Oscar Schmidt beim Beachvolleyball 2015 in Rotterdam. © FIVB
Gstaad, Schweiz; Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Karawane der weltbesten Beachvolleyballer ist von der WM in den Niederlanden in die Schweiz weiter gezogen. Und hat in Gstaad beim traditionellen Treff in rund 1000 m Höhe mit dem Major Series-Wettbewerb für Furore gesorgt. Dies ist auf der Welttour nach Grand Slam und vor den Open-Wettkämpfen die zweithöchste Kategorie, was Preisgeld und Ranglistenpunkte betrifft.

Dabei untermauerten die frischgebackenen Weltmeister Alison/Bruno (Brasilien) eindrucksvoll ihren Triumph von Den Haag und bezwangen im Finale die Letten Samoilovs/Smedins 2:1. Die Deutschen Meister Jonathan Erdmann/Kay Matysik (Berlin) mussten sich wie zur WM mit Rang neun zufrieden geben.

Bei den Frauen gab es gleichfalls Rang eins für die derzeit überragenden Beacherinnen vom Zuckerhut. Nur gewannen diesmal nicht die Welt-Champions Agatha/Barbara (5. Rang), sondern die bei den WM gescheiterten Mitfavoritinnen Larissa/Talita. Die Vize-Weltmeisterinnen Fernanda/Lima (Brasilien) wurden erneut Zweite. Bestes deutsches Duo waren auf Platz fünf die Hamburgerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst.

Die WM-Vierten Katrin Holtwick/Ilka Semmler (Essen/Berlin) mussten wie andere Paare den WM-Strapazen Tribut zollen und verabschiedeten sich bereits in den Vorrunden-Gruppenspielen.

Beachvolleyball-Fans in Deutschland werden die Leistungsschau der Netz-Sand-Spezialisten in dieser Saison nicht live erleben können. Nach rund 20 Jahren inklusive kurzzeitiger Unterbrechungen ließ sich die Galashow der Beacher in der Hauptstadt nicht mehr stemmen. Wie überhaupt Beachturniere hierzulande schwer zu etablieren sind.

Stadtverwaltungen lehnen Zuschauer freundliche Standorte in den Innenstädten ab. Anwohner beschweren sich – wie in Köln, Bonn oder Münster bei der nationalen Tour – über Lärmbelästigung. Sponsoren fordern kaum zu erfüllende TV-Präsenz auf frei empfangbaren Kanälen.

Was ist der Hauptgrund, dass ein internationales Topturnier in Deutschland es so schwer hat?- Obwohl die Deutschen nach Brasilien und den USA den erfolgreichsten Verband stellen? Mehrfach Europameister-Titel einheimsten, Julius Brink/Jonas Reckermann Weltmeister (2009) und Olympiasieger (2012) wurden!

Siegbert Brutschin, Macher des Beachvollyball-Spektakels in Berlin, sagt: „Es gibt keinen alleinigen K.o.-Faktor – es ist ein Komplex der Probleme, der es so schwierig macht.“

An der Spree musste er im Laufe der Jahre von einem Ort zum anderen ziehen. Olympiastadion, Waldbühne, Alexanderplatz, Schloßplatz („Der war ideal“). Und letztlich vor den Hauptbahnhof, wo es wegen Bauvorhaben nicht mehr gestattet wurde.

Dies widerfuhr ihm mehrfach beim Bemühen, zumindest den Centercourt auf dem attraktivsten Platz zu errichten, den die Hauptstadt  zu bieten hätte – den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor!

Anziehungspunkt Nummer eins für Touristen aus aller Welt, zentral gelegen und mit öffentlichem Nahverkehr gut erreichbar. Wegen seiner Symbolik für Mauerfall und Freiheit verlockend für Sponsoren. Begehrt für Veranstalter aller Couleur.

Aber Beachvolleyball hat im Berliner Senat nicht  den Stellenwert von Fußball (WM-Bühne), der Silvester-Nacht oder der Leichtathletik (Berlin fliegt mit Sprungkonkurrenzen).

Zudem ist der Subventionstopf der hochverschuldeten Metropole dieses Jahr schon kräftig angezapft worden. Durch Zuschüsse oder Ausfallbürgschaften für die Euro-Finals der Fuß-, Hand- und Volleyballer.

Da geht es schon mal um Beträge im sechsstelligen Bereich. So hat das ungleich finanziell besser bestückte München beispielsweise einen Antrag auf Gewährung von 500 000 Euro Zuschuss für ein Major-Turnier der Beacher abgelehnt.

Dennoch geben Brutschin und andere Organisatoren nicht auf, ein Ereignis der Welttour wieder nach Deutschland zu holen. Getreu dem Motto, was in Brasilien, Russland, den USA, Kroatien, Polen, China oder Norwegen möglich ist, müsste doch im wirtschaftlich stärksten Land Europas mit Erfolgstraditionen im Beachvolleyball auch zu schaffen sein!

Wie bei der WM zu vernehmen war, scheint vor allem Hamburg im Zuge seiner olympischen Werbekampagne sehr interessiert daran zu sein, schon im nächsten Jahr ein Weltturnier oder gar die Weltmeisterschaften 2017 auszurichten.

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