Zum US-Start von „The Interview“ oder Film, Furcht und Fake

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Szene aus dem Film "The Interview". © Sony Pictures Releasing GmH

Wir erinnern uns: Terror soll gedroht haben. Doch jetzt schießt Sony zurück. Nachdem angekündigt wurde, dass der Hollywood-Film in mindestens 300 Kinos der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) gezeigt werden wird, bringt der Medien-Konzern Sony die Nordkorea-Komödie auch online unters Volk: als Stream.

Mut und Movie

Dass der Film dem Terror zum Trotz gezeigt werde, das nennen die Macher mutig. Selbst US-Präsident Barack Obama mischte mit beim Rühren der Werbetrommel: "Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendein Diktator irgendwo anfängt, in den USA Zensur auszuüben.“ Statt mit einem Flop darf Sony Dank der medialen Aufmerksamkeit nun damit rechnen, dass die 80 Millionen, die für die Produktion ausgegeben worden sein sollen, wieder eingespielt werden, zumal die von einem Attentat auf Kim Jong Un handelnde Actionkomödie bereits auf YouTube, Google Play und Microsoft Xbox Video fast weltweit im leider lückenhaften Weltnetz zu sehen ist. Seth Rogen, einer der Darsteller, freut sich darüber und twitterte: "Das Volk hat gesprochen! Die Freiheit siegt! Sony hat nicht aufgegeben!"

Triple F: Film, Furcht und Fake

Vorab wurde die Premiere nämlich wegen einer Terror-Warnung abgesagt. Doch heute startet der Film in den USA. Hätten wir alle vorher koreanisch gelernt und die Aufschrift auf den Werbeflächen zum Film „The Interview“ aufmerksam gelesen, dann hätten wir gewusst, was dort in Koreanisch zu lesen steht: "Glaubt diesen ignoranten Amerikanern nicht!" Die Schrift auf den Raketen bedeutet übersetzt: "Wir werden einen Krieg beginnen!" Und wir hätten ahnen können, dass das, was Sony am 18. Dezember 2014 verkündete, nämlich den schlichten Streifen mit James Franco und Rogen aus Angst streichen zu wollen, bloss Jux und Dollerei oder besser gesagt: ein echter Fake gewesen sein könnte. Die Furcht der Filmemacher wurde damit begründet, dass Hacker der Gruppe „Guardians of Peace“ Sony-Computer knackten und mit Anschlägen auf US-Kinos drohten, sollten diese den Film zeigen.

Kim und die Komödie

Zum heutigen Start in den USA wolle das FBI Wache schieben, aufpassen und überwachen, denn Kim Jong Un zeigt sich nicht amüsiert darüber, dass die Komödie in die Kinos kommt. Kim Song von der nordkoreanischen UN-Vertretung bezeichnete den Film als „unverzeihliche Verhöhnung von Souveränität und Würde des obersten Führers". Zur Agentur AP sagte der Diplomat, sein Land verurteile den Kinostart, plane jedoch keine „physische Reaktion“ darauf. Auch beteuerte Kim Song, dass Nordkorea mit den jüngsten Hackerangriffen auf das Filmstudio Sony nichts zu tun habe und bei Bedarf seine Unschuld beweisen könne. Er kritisierte, dass die USA eine gemeinsame Ermittlung abgelehnt haben.

Der Start von "The Interview" in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Sie sollten bei Sony oder in der Nordkoreanischen Botschaft nachfragen.

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