„Wir sind ein Teil der Natur, genau wie die Tiere, die wir misshandeln“ – Über das Buch „Vom Horsemanship zum Natural Horsemanship, Tierschutz und die Ohnmacht der Veterinärämter“ von Bernd Paschel

Kirstin Tönnies mit ihrem 32-jährigen Friesenhengst beim Spanischen Schritt auf der Titelseite des Buches "Vom Horsemanship zum Natural Horsemanship. Tierschutz und die Ohnmacht der Veterinärämter" von Bernd Paschel. © United P.C., BU: Stefan Pribnow

Frankfurt am Main, Deutschland (Weltexpress). Als 4. Buch in der Serie „Vom Horsemanship zum Natural Horsemanship“ setzt sich der Autor mit der Frage auseinander, warum ein in Teilen gutes deutsches Tierschutzgesetz nur selten in die Praxis umgesetzt wird. Welche Rolle spielt dabei das Raubtier Mensch, welche Rolle spielen die Tierärzte und nicht zuletzt die Politiker?

Das Zitat der Tierärztin Dr. Hiltrud Strasser bringt es auf den Punkt: „Als Tierärztin fühle ich mich – im Gegensatz zu vielen Mitgliedern meiner Zunft – als Anwalt der Tiere. Seit Jahrzehnten versuche ich mit den fundierten Argumenten meiner Ausbildung und meines Gewissens, ihnen eine Stimme zu geben und das Leiden der Tiere unter uns Menschen der Bevölkerung bewusst zu machen, damit sie es ändern helfen.“

Melden sie beim Pferd einen Tatbestand der Tierquälerei beim Veterinäramt, wird zuerst gefragt, ob das Pferd in tierärztlicher Behandlung ist. Wenn das der Fall ist, besteht kaum noch die Möglichkeit, dass der Fall weiterverfolgt wird. Es gibt auch mutige Amtstierärzte, die allerdings oft ausgebremst werden durch ihren vorgesetzten Landrat, der als Politiker nicht selten ganz andere Prioritäten setzt als den Tierschutz. Das gilt nicht nur bei Pferden, sondern auch bei anderen Tieren, wie in der Schweine- und Geflügelhaltung, wo der Tierschutz sogar mit Genehmigung auf höchster Instanz beim Landwirtschaftsministerium, das auch für den Tierschutz zuständig ist, hintenangestellt wird. Dabei werden Verstöße gegen den Tierschutz tausendfach quasi legitimiert.

Das Problem Massentierhaltung ist bei Pferden die Einzeltierhaltung in Boxen, die im Prinzip eine Einzelhaft für das Weitwanderwild Pferd bedeutet.

Unnötige Grausamkeiten im Umgang mit den Pferden kommen fast überall vor und werden als solche nicht wahrgenommen, weil Pferde keinen Schmerzlaut haben und die Tradition im Umgang mit dem Pferd übermächtig erscheint, wenn es um Veränderungen zum Wohle des Pferdes geht, die diesen Traditionen widerspricht.

Die „korrekte“ Art, auf das Pferd Gewalt auszuüben, ist quasi zur Normalität geworden.

Ein typisches Beispiel, wo sogar der Innenminister des Landes das Gebrauchstum über den Tierschutz stellt und sogar über die gesetzliche Pflicht der Polizei zur Gefahrenabwehr, ist der Einsatz der Pferde im Karneval.

Im Sportreiten wird der Missbrauch der Pferde öffentlich betrieben und ist oft Vorbild für junge Reiterrinnen und Freizeitreiter.

Eklatante Verstöße gegen tierschutzrelevante Handlungen finden im Rennsport statt, wo gehäuft Todesfälle in Kauf genommen werden, die eindeutig auf Überforderung und Missbrauch rückführbar sind. Die zuständigen Veterinärämter sind hier eigentlich gefordert, Verbote auszusprechen, aber anscheinend ist die Lobby der reichen Pferdebesitzer stärker, die die Pferde schon im Kindesalter von 2 Jahren höchsten Belastungen aussetzen, welche zu einer Auslese der widerstandsfähigsten „Pferde-maschinen“ führt.

Wie der bekannte Journalist Edgar Verheyen sagt, werden die meisten Missbrauchsfälle im Tierreich aufgedeckt durch Tierschützer und ihre Verbände, nicht durch Veterinärämter.

Bibliographische Angaben:

Bernd Paschel, Vom Horsemanship zum Natural Horsemanship, Tierschutz und die Ohnmacht der Veterinärämter, 224 Seiten, mit 70 Fotografien, Taschenbuch, Format: 13,5 x 21,5 cm, Verlag: United-PC, ISBN: 978-3-71103-5096-2, Preis: 29,90 EUR (Deutschland)