Werften in Mecklenburg-Vorpommern im Trudeln – Ist ihr Untergang „alternativlos“?

Auf Kajak-Fototörn bei kabbeliger See vor MV-Werften Stralsund mit Neubau MS Crystal Endeavor. © Foto/BU: Dr. Peer Schmidt-Walther

Stralsund, Deutschland (Weltexpress). Besser in Schiffe als in Arbeitslosigkeit investieren – so ist mir der markanteste Satz von OB Dr. Alexander Badrow zur neuerlichen Werften-Krise in Erinnerung. Wie wahr, kann ich da nur jubeln, gäbe es denn auch potente Investoren. Die sind aber nicht in Sicht! Mir und schifffahrtsjournalistischen Kollegen ist jedenfalls kein einziger bekannt.

Niemand investiert heute in Werften, höchstens in Gold und Immobilien. A propos: als Immobilie ist das Gelände am Stralsund durchaus (ver-)handelbar oder auch als „maritimer Gewerbepark“. So einen Vorschlag gab es meines Wissens schon mal: bezogen auf die brachliegende ehemalige Strahl-Werft im Schatten der Rügenbrücke. Was ist bisher draus geworden? Mal wieder nichts als heiße Luft. Eine Werft wird dort sicher nicht mehr einziehen.

Vielleicht hoffen einige auf „die Chinesen“, die ja schon so manches deutsche Unternehmen aufgekauft haben. Das ist dann meistens Hochtechnologie, von der selbst die findigen Ostasiaten profitieren können. Nicht aber von einer konventionellen Werft, die nach deutschen Tarifen bezahlt und nicht nach chinesischen Niedrigstlöhnen. Inzwischen ist China zu einer der führenden Schiffbauländer der Welt aufgerückt. Interessant dabei, dass von dort immer mehr hochspezialisierte Schiffe kommen, die man in Europa nicht annähernd zu chinesischen Preisen bauen könnte. Darunter Offshore-Fahrzeuge, Schwergutfrachter, Fähren und auch Kreuzfahrtschiffe. Von letzteren nahm man sogar an, dass die Chinesin sie gar nicht bauen könnten. Weit gefehlt und arrogant daneben gedacht!

Die MV-Werft, besonders der Standort Stralsund, hat in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen, wie flexibel sie ist. Da wurden nicht nur Fischereifahrzeuge am Fließband gebaut, nein, auch hochwertigste Passagierschiffe wie die drei Hurtigruten-Schiffe, Bagger und Containerfrachter, die mit ihrer Geschwindigkeit an der Weltspitze lagen. Ihre Kapitäne sind heute noch voll des Lobes wegen deren guter Qualität. Ich selbst habe das in einem Orkan in der Barents-See erleben können bei 17 Meter hohen Wellen und heftigem Seeschlag. Auch wenn es zurzeit ganz still ist auf der Werft, die See geht hinter den Kulissen hoch. Da geht´s um viel (Steuer-)Geld. Manche sprechen von einem Fass ohne Boden oder fordern sogar eine Verstaatlichung. Um auf den Kernsatz von Dr. Badrow zurückzukommen: in Schiffe investieren!

Kann das, will das der Staat überhaupt? Denn dazu gehört Akquise, also das Beschaffen von Aufträgen. Klar, wird jetzt mancher sagen, warum nicht Marine-Schiffe selbst bauen, statt milliardenschwere Aufträge ins Ausland zu vergeben. Das jedenfalls machen Deutschlands NATO-Partner nicht. Die lassen auf eigenen Werften bauen, nicht nur aus Kostengründen. Da schwebt mir das Beispiel Peene-Werft vor Augen. Die ist mit Marine-Aufträgen auf Jahre gut ausgelastet. Während auf der Stralsunder Werft nicht einmal Schiffe repariert werden. Obwohl das ein bedeutender Markt ist, zumal Stralsund den größten Schiffslift der Welt sein eigen nennt. Der liegt ungenutzt da.

Wenn man sieht, wie gut zum Beispiel Blohm & Voss in Hamburg und die Lloyd-Werft in Bremerhaven damit ausgelastet sind und über die Runden kommen, dann muss man sich am Sund schon wunder. Würde besser gedacht und gehandelt werden, müsste auch nicht die „Gorch Fock“ (I) von Stralsund für viel Geld nach irgendwohin – man spricht von Wolgast – geschleppt werden. Die ließe sich hier am Sund reparieren und noch viele weitere Schiffe, die ihre Klasse erneuern oder Reparaturen erledigen lassen müssen.

Sprüche klopfen und Steuergelder ausgeben kann jeder gut bezahlte Politiker. In erster Linie wird sie wohl kaum das Schicksal der Werftarbeiter tangieren, sondern mehr die (Wieder-)Wahl. Statt ans Wohl des Volkes wird hier sicher mehr an das eigene gedacht.

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