Wer spielte am 14. Juni? Österreich-Ungarn. Gegen wen?

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© Foto Andreas Hagemoser, 2016

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Das mit dem Land ist im Fußball relativ, denn hier gibt es, was der gewöhnlichen Bevölkerung gern einmal verwehrt wird, andere Regeln, wie den Doppelpass, der hier erlaubt ist. Zu beobachten zum Beispiel am Dienstag, dem 14. Juni: Ungestraft spielten die Ungarn einen doppelten Doppelpass im Strafraum und erzielen daraus gleich das erste Tor.

Aus welchem Land kommen die Ungarn? 24 Länder schickten ihre Männer zur EM.

Da die Zahl 23 schon so eine wichtige Rolle spielt beim Fußball – genauso viele dürfen anreisen – und manchmal der letzte, der Schlussmann, sie gern trägt, hätte man nicht auch noch 23 Mannschaften teilnehmen lassen.

Aus 1 mach 2 – oder 3 …

Also bereitete man sich nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“ (divide et impera) schon 1914-18 darauf vor. 1914 gab es fünf Weltmächte oder Superpowers. Alle europäisch: Deutsches Reich, England, Frankreich, Österreich-Ungarn und Russland (alphabetisch geordnet). 1918 war das Zarenreich umfirmiert, das deutsche kleiner, und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, auch eine Seemacht (!), ward nicht mehr gesehen. War von der Landkarte verschwunden. Der Rest gehörte samt der Mittelmächte Japan und USA zu den Gewinnern.

Die EM 2016 – vorbereitet seit 1914

Damit war die Voraussetzung geschaffen für die Vergrößerung des Teilnehmerkreises. Schauen Sie nur: Die Slowakei, die Tschechische Republik, Österreich-Ungarn (als zwei Mannschaften) und Kroatien sind alle dabei.

Vielfalt und Verwechslungsgefahr

Slowenien konnte sich nicht qualifizieren. Zum Glück für die Merkleistung der Fans, wäre es doch nur zu oft mit der nördlicher gelegenen Slowakei um Bratislava (Preßburg) verwechselt worden.

Die Zerstückelung der Weltmacht Österreich-Ungarns vor weniger als hundert Jahren hat eine solche EM wie dieses Jahr erst möglich gemacht.

Wenn man wenigstens die Nationalfarben auseinanderhalten könnt‘! Österreich-Ungarn hat fast dieselben, drei waagerechte Streifen, oben rot, in der Mitte weiß. Österreich ist auch unten rot, als schämte man sich, dass man nur zwei Farben hat. Ungarn ist eine Fußballnation und wählte unten grün, die Farbe des Rasens.

Deutsche in Ungarn, Ungarn in der Bundesrepublik

Trainer Bernd Storck gibt seine Interviews auf deutsch. Vier „Legionäre“, die in der Bundesrepublik spielen, sind auch in der ungarischen Mannschaft: Torhüter Péter Gulácsi von RB Leipzig sowie László Kleinheisler (Werder Bremen), Ádám Szalai (Hannover 96) und Zoltán Stieber (1. FC Nürnberg).

Ein Durcheinander

Beim Zuschauen kam man dann immer wieder durcheinander.

Wie gut, das man wenigstens die Ungarn an ihren Namen erkennen kann. György Garisc zum Beispiel. Ach, der spielt für Österreich?

Na, wenigstens mit den deutschen Namen kennt man sich ja als Muttersprachler aus. Lang und Pinter zum Beispiel, schöne Namen. Deutsch, oder wenigstens österreichisch. Die spielen für Ungarn? Herrgottsakra!

Wechsel in der 2. Halbzeit: Kleinheisler kommt, Stieber geht. Der ältere Herr neben mir, mein Vater, hat die Ansage nicht ganz mitbekommen und vermutet, dass Österreich wechselt.

So scheint es, doch dem ist nicht so. Was für ein Schmarrn!

Südslawische Namen

Eigentlich konnte man die Jugoslawen meist gut am Namen erkennen. (Für die jüngeren Leser: Jugoslawien war auch einmal ein Land, dass nach der Zerstückelung Österreich-Ungarns entstand und nach einem weiteren europäischen Krieg selbst geteilt wurde und immer noch weiter bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt wird.) Serbien hat sich nicht qualifiziert. Im kroatischen Tor steht Kalinic, Subatic oder Vargic. Schnell wie ein IC kommt man dahinter, welche ‚-ic‘-Methode am Ende die Gemeinsamkeit darstellt.

Nun ahnen wir, wer in der kroatischen Nationalmannschaft spielt. Aber – oh weh! Nikolic spielt für Ungarn! Na gut, eine Ausnahme. Arnautovic, Dragovic, Junusovic spielen doch bestimmt für Kroatien. Nein? Für die Nationalmannschaft der Republik Österreich. Aha.

Und Zlatan Ibrahimovic? Alter Schwede!

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