Was für ein Sport-Tag in der Hauptstadt – Nach Eisbären und Hertha auch die BR Volleys erfolgreich

Eine Dreier-Serie mit Einmaligkeits-Charakter!

Im "Volleyball-Tempel" in Prenzlauer Berg gab es vor der Saison-Rekordkulisse von 7683 Zuschauern (BL-Rekord an gleicher Stelle zwischen beiden Rivalen 8045) ein Traum-Finale der Szene: Berlin und Friedrichshafen – Vierfach-Meister gegen Zwölffach-Champion – die stabilste Mannschaft der Hauptrunde gegen die mit der bislang besten Play-off-Form!

Die Häfler vom Bodensee, Dritter der Vorrunde, reisten mit den besten Werten in den oft spielentscheidenden Bereichen Aufschlag und Block an.

Dagegen wollten die Berliner vor allem die Einheit von mannschaftlicher Geschlossenheit und größter Vb-Kulisse im Lande stellen. Was letztlich aufging. Denn die Volleys behielten in einer leidenschaftlich geführten Auseinandersetzung 3:1 (27:25, 23:25, 26:24, 25:15) die Oberhand. Und hat im Modus "Best of five" 1:0 die Nase vorn. Die zweite Partie geht am 28. April in Friedrichshafen über die Bühne.

Aus Sicht der Gäste war es ärgerlich, "das wir im ersten und dritten Durchgang Satzbälle nicht nutzen konnten", wie VfB-Trainer Stelian Moculescu einräumte.

Aus Sicht der Berliner war mitentscheidend, dass "unsere Mannschaft die Qualität hat und den Stolz und nie aufgibt", wie Berlins Cheftrainer Mark Lebedew seinen Schützlingen ein 1a-Zeugnis ausstellte.

Im ersten Satz lief der Gastgeber ständig einem Rückstand gegen die cool und clever agierenden Gäste hinterher. Lag einmal drei Zähler (10:13) zurück und hatte zwei Schiri-Pfiffe wegen angeblicher Zuspielfehler zu verkraften. Zudem waren vor allem Diagonalangreifer Simeonov und Linkshänder Rivera auf der Gegenseite kaum zu stoppen. Dennoch – der erste Ausgleich gelang zum 19:19. Doch bei 23:24 schafften die Berliner den Gleichstand und verwandelten ihrerseits den dritten Satzball durch Hauptangreifer Paul Carroll, nachdem Robert Kromm mit seinem Aufschlag eine Notannahme auf der Gegenseite provoziert hatte.

Riesenjubel auf den Rängen nach der allgemein als psychologisch wichtig angesehenen 1:0-Führung in einem Heimspiel.

Im zweiten Durchgang nahmen die Volleys die Hochstimmung mit, führten 6:3 und 8:6. Doch dann zeigte sich die besondere Aufschlag-Klasse des VfB. Asse der beiden Bulgaren Bratoev und Simeonow und von Mittelblocker Max Günthör sowie schwer zu parierende Schläge brachten die BR-Annahme in Nöte. Doch Berlin egalisierte erneut zum 19:19. Doch ein Happy End gab es diesmal nicht. Trotz 22:22, 23:23. Nach 23:25 also 1:1 nach Sätzen.

Ein Wechselbad der Gefühle für die Ränge, für beide Trainer und die Akteure auf dem Feld im dritten Abschnitt. Berlin begann elanvoll mit 5:2. Kassierte ein 7:11, 12:16 und lag gar 13:18 zurück. Der bald 36-jährige Simeonov punktete wie ein junger Gott. Auch Bratoev und Rivera. Berlin suchte nach einer Antwort. Wechselte Sikiric für Kromm und brachte auf Zuspiel Sebastian Kühner für Kawika Shoji. "Kawika hat nicht schlecht gespielt. Aber im Aufbauspiel gab es paar Aussetzer. Kühner bringt anderes Tempo und andere Optionen", erklärte Lebedew.

Manche Beobachter wie BR-Manager Kaweh Niroomand meinten, diese Rotation sei "mitentscheidend für den Spielausgang gewesen".

Der waschechte Berliner Kühner hinterher bescheiden: "Ich habe nur versucht, der Mannschaft einen push zu geben und Emotionen ins Spiel zu bringen.

Glücklicherweise ist der Funke dann zum Publikum übergesprungen…meinen Anteil mögen andere beurteilen, ich wollte einfach das Beste für die Mannschaft geben."
Egal wie und warum – Berlin kämpfte sich auf 18:18 heran und die Halle tobte vor Begeisterung, als Carroll ein Ass zum 19:18 landete. Bei 23:24 wehrte Berlin wieder den Satzverlust ab und schaffte mit der ersten Option das 26:24.

Zwischendurch hatte der VfB  den jungen Zuspieler Nikola Jovovic durch Juraj Zatko ersetzt. Was wenig am Verlauf des Geschehens änderte.

Dieser zweite mentale Genickschlag hatte Spuren hinterlassen. Als dann der routinierte Simeonov im vierten Satz ein paar Querschläger fabrizierte, war der Beweis erbracht, dass die Gäste nun den Glauben an einen Sieg verloren hatten.

Kaweh Niroomand bestätigte: "Dass wir den dritten Durchgang noch nach Hause gebracht haben war diesmal der Schlüssel. Und das goldene Händchen des Trainer beim Wechsel auf Zuspiel."

VfB- Kapitän Joa Jose: "Ich weiß nicht, was im dritten Satz passiert ist…jetzt gilt alle Konzentration dem zweiten Match."

VfB-Nationalspieler Max Günthör: "Ich habe ja vorher gesagt, das wird eine lange und enge Serie in den Play-offs. Drei Sätze war es ein Kampf auf Augenhöhe. Ich freue mich auch die zweite Partie zuhause und hoffe, dass wir dort die Unterstützung bekommen wie heute Berlin."

Die in der Saison vielfach bewiesene Comeback-Qualität, die Erfahrung aus engen Spielen in der Champions League, die Tiefe des Kaders und das Engagement der Wechselspieler – neben Kühner auch Felix Fischer für Ricardo Galandi – haben letztendlich den Ausschlag für die Volleys gegeben.

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