Trendumkehr bei den Berliner Eisbären – Beim Eishockey-Meister geht es nach 5:1-Gala wieder aufwärts

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Matt Foy freut sich über ein Tor und den Sieg gegen Augsburg. © WELTEXPRESS, Foto: Bernd König

5:6 am "Tag der offenen Tür" gegen Köln, 6:2 in Wolfsburg und nun im zwölften DEL-Pflichtspiel 5:1 gegen das bisherige Überraschungsteam Augsburg – allesamt Begegnungen mit großem Unterhaltungswert aus Sicht des Titelverteidigers. Unter Mitwirkung der beiden Weltklasse-Stürmer aus der nordamerikanischen NHL, Claude Giroux und Danny Briere. Der spektakulärste NHL-Transfer der gesamten DEL – mittlerweile sind knapp 20 NHL-Akteure bis hin zur dritten Liga in Old Germany am Puck – scheint den offensivstarken Eisbären noch mehr Angriffsschwung verliehen zu haben!

57:38 Torschüsse zugunsten der Hausherren verdeutlichten, wer das Sagen hatte. Und erklären, warum eine der defensivstärksten Mannschaften mit dem bis dato erfolgreichsten Torhüter der gesamten Liga (Patrick Ehelechner) an diesem Abend chancenlos war. Auch wenn Augsburg sein Erfolgsrezept – stabile Abwehr und gefährliche Konter – phasenweise vorführen konnte. Doch bei den Eisbären war auf Schlussman Rob Zepp wie in besten Zeiten Verlaß, wenn die Augsburger frei vor ihm auftauchten. Und vorn ging dank der Pass-Künste und Spielübersicht der kleingewachsenen NHL-Stars (ein Beobachter: "Mann, das sind ja richtige Fliegengewichte") buchstäblich die Post ab. Abwehrmann Jens Baxmann, mustergültig freigespielt zum Berliner 2:0:"Die Beiden ziehen natürlich die gegnerische Abwehr auf sich und so haben die anderen Freiräume. Und die haben wir heute bei einer Superstimmung im Team gut genutzt."

Giroux begnügte sich mit einem Treffer und glänzte wie sein Kollege Briere erneut als Torvorbereiter. Für Matt Foy, Kapitän Andre Rankel, den jungen Vincent Schlenker und eben Baxmann. Auch das ein Beleg für die Baxmann-These, dass "die Beiden nicht nur ihre individuelle Klasse einbringen, sondern jeden von uns besser machen und ins Spiel bringen".

Nach rund einer halben Stunde hatte sich Augsburg, bis dahin auswärts bemerkenswert erfolgreich, nach einer Eisbären-Galavorführung vier Gegentore eingefangen und mehr oder minder resigniert.

"Unsere Jungens hatten heute zuviel Respekt in der Defensive und waren fast immer zu weit weg von den Gegenspielern. Außerdem hat Zepp unsere guten Möglichkeiten zunichte gemacht", meinte der enttäuschte Gästetrainer Larry Mitchell. Zudem sei die Abwesenheit verletzter Abwehrspieler ein weiterer Grund, dass die sonst geschlossene Defensive diesmal Lücken hatte.

Eisbären-Trainer Don Jackson wiederum hatte seinen Schützlingen eingetrichtert, Augsburg mit dem gebotenen Respekt und der nötigen Bereitschaft "zu harter Arbeit und voller Konzentration" zu begegnen. Wie Baxmann sah auch Jackson gegen einen starken Gegner "alles in allem unsere bisher beste Saison-Vorstellung". Auf den kritischen Hinweis, dass Berlin (die meisten Gegentore aller 14 DEL-Aufgebote!) wiederum etliche Kontersituationen zugelassen habe, meinte der US-Amerikaner: "Ja, an dieser Schwäche arbeiten wir im Training. Und es wird langsam besser."

Sechs Akteure (fünf verletzt, Verteidiger Mark Katic vier Spiele Sperre nach Foul in der Partie gegen Wolfsburg) fehlten den Eisbären erneut. Erstmals nach langwieriger Verletzung dabei war Nationalmannschafts-Verteidiger Constantin Braun: "Hab mich anfangs ein bisschen wie eingerostet gefühlt. Dann ging es von Minute zu Minute besser. Aber natürlich bin ich längst noch nicht in optimaler Form. Doch die Mannschaft hat nach dem 1:0 das Spiel gezeigt, das sie sich vorgenommen hatte. Und eine Super-Mannschaftsleistung geboten. Toll, dass Giroux und Briere da sind."

Wie lange noch, weiß allerdings keiner. Die beiden Kanadier bekommen beinahe täglich Infos, wie es bei dem Streit um die Verteilung der Milliarden-Einnahmen zwischen den Club-Eigentümern (bisher 47 %, wollen aber 50 %) und der Spielergewerkschaft (Spieler bisher 57 %) ausschaut. Tendenz: Einigung nicht in Sicht, Aussetzung der NHL-Saison dauert an. Gut für die Eisbären, gut für deren Fans!

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