Steiermark: Blasmusik in 3000 Metern Höhe

Als hätten die Grate, Felsflanken und Blöcke, die Türme und Gipfel aus Kalkstein eine Seele, so verändern Licht und Schatten das massive Steingesicht. Immer wieder bleiben Wanderer am Fuße des Berges stehen, um die gefährlichen Felsbrüche zu betrachten. Ihr Blick klettert mutig die Wände empor, spaziert durch Gebirgsfalten, setzt sich aufs Dach und springt von Gipfel zu Gipfel. Furchteinflößend fallen die rötlich gefärbten Fluchten der Südwände bis zu 1000 Meter senkrecht in die Tiefe.

Und hier soll man als Otto Normalverbraucher wandern?

Heinz Prugger, der freundliche und hilfsbereite Direktor des Tourismusverbandes Ramsau am Dachstein, versteht die Frage nicht. „Das ist ja das Schöne bei uns“, sagt er. „Hier kommen alle auf ihre Kosten. Die Familien, die Kinder, die ungeübten wie die geübten Wanderer, die Rad- und Skifahrer, die Snowboarder und die routinierten alpinen Kletterer.“ Ramsau ist eine Ferienlandschaft, die man sich auf drei Etagen erwandern kann.

Die erste befindet sich auf 1000 bis 1300 Meter Höhe, ist ein 18 km langes und zirka 4 km breites Hochplateau, das wie ein Balkon über den Auen des Ennstals liegt. Auf dieser weiten, satt begrünten Hochfläche hat sich Ramsau ausgebreitet. Als sogenannte „Streusiedlung“ mit ordentlich viel Landschaft zwischen den einzelnen Ortsteilen. Ramsau ist übrigens eine der ganz wenigen protestantischen Ortschaften im katholischen Österreich. Bergleute aus Sachsen hatten Luthers Lehre im 16. Jahrhundert in die Steiermark gebracht. Nach anfänglicher Tolerierung begann um 1600 eine gnadenlose Jagd auf die „Lutheraner“. Trotzdem gelang es nicht, das protestantische Leben auszulöschen. Luther-Bibeln wurden unter Lebensgefahr in die Dörfer geschmuggelt, gelesen, verbreitet, versteckt. Erst Kaiser Josef II. ermöglichte 1781 durch sein Toleranzpatent den Bauern, wieder offen ihren Glauben zu leben.

Die zweite Etage der Ferienlandschaft Ramsau am Dachstein liegt auf einer Höhe von 1600 bis 1900 Metern. Hier wird die Luft schon etwas dünner. Trotzdem bietet das sogenannte Almgebiet viele Wandermöglichkeiten, die für Familien geeignet sind. Stellvertretend sei der Fünf-Hütten-Weg genannt, für den man etwa sechs Stunden braucht. Er führt vom Plateau über die Almen bis an den Fuß der Dachstein-Südwände (1800 m). Unterwegs hat man immer wieder herrliche Aussichtspunkte und zahlreiche Schutzhütten. Die Krone in dieser schönen steirischen Urlaubswelt aber gebührt dem Dachsteingletscher (2700 m). Dieses hochalpine Ganzjahresskigebiet mit seinen vier Liftanlagen, den gut 20 Kilometer gespurten Loipen, dem Snowboard-Funpark und dem Eispalast im Gletscher ist etwas ganz Besonderes.

Wie alles Große fängt auch die „Bezwingung“ dieser Eiswelt ganz klein an, in der Talstation der Dachstein-Gletscherbahn. Hier sorgen eine 70 Personen fassende Gondel und 56 mm dicke Stahlseile dafür, dass man in rund 10 Minuten eine Strecke von 2147 m und einen Höhenunterschied von 998 m überwindet. In einem „Ritt“. Stützenlos. Zuletzt fast senkrecht: Oben angekommen, es ist ein strahlender Sommersonnentag, packt der Wind ruppig zu, und weht alle Menschlein, ob dick oder dünn, zuerst einmal hinüber zum „Dachstein Sky Walk“, einer Plattform, die weit über den Felsen ragt und durch einen Glasboden den Blick nach unten frei gibt. Spektakulär! Aber es soll noch besser kommen. Auf dem Gletscherrücken findet ein stetig nach oben führender Wanderpfad seinen Weg zur Seethalerhütte. Je nach Kondition und Wetter dauert die Tour durch Schnee und Eis bis zu einer Stunde. Immer wieder legen sich Nebelschwaden vor die Sonne, immer wieder bläst der Wind sie weg. Die dünne Luft verlangt nach Pausen. Japsend steht man im Schnee und staunt über die Bergwelt, die sich majestätisch um einen herum versammelt hat. Auf der Seethalerhütte in 2740 m Höhe folgt der Überraschung nächster Teil. Ein Jubiläumskonzert der Trachtenkapelle „Ramsau am Dachstein“ findet auf dem Gipfel statt! Das hat es noch nie gegeben. Aber der Anlass ist auch ein besonderer. Im Jahre 1909 gelang den „Steiner-Buam“ Franz und Georg erstmals der direkte Durchstieg der Dachsteinsüdwand. Seit jener Zeit gehört die „Himmelsleiter der Steinerbuben“ zu den großartigsten Klettertouren der Alpen. Schade, die Südwand ist nichts für „Otto Normalwanderer“.

Reise-Infos: Tourismusverband Ramsau am Dachstein; Ramsau 40, 8972 Ramsau am Dachstein, Österreich; Tel.: +43(0)3687 / 81833; Fax: +43 (0)3687 /81085; www.ramsau.com

Zur WELTEXPRESS-Newsletter-Anmeldung