Stadt aus Schmerz – Annotation zum Roman „Eine Straße in Moskau“ von Michail Ossorgin

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© Die andere Bibliothek
Von 1914 -1920 erfährt die Straße samt ihrer Bewohner ein herbes Schicksal. Weltkrieg und Revolution wirbeln die Menschen durcheinander, verstümmeln sie, nehmen ihnen die Träume, machen sie stumm. Ossorgin gelingt es, den wirklichen Geschehnissen anhand der fiktiven Familie ein stilistisch überragendes Denkmal zu setzen.
Der wunderbare Zeitroman erschien zuerst 1928 im Pariser Exil. Er wurde für die Andere Bibliothek neu übersetzt und ist mit einem großartigen Nachwort von Ursula Keller versehen, das Ossorgins Werk in den Geschichtskontext setzt und den interessierten Leser Zusammenhänge erschließt. Ein fesselndes Buch über eine schreckliche Epoche der russischen Geschichte, eine poetische Reise durch den Schmerz, gedichtet von einem großen Autor, der bereits 1922 auf Befehl Lenins die Sowjetunion verlassen musste. Lesen! Lesen! Lesen!
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Michail Ossorgin, Eine Straße in Moskau, 500 Seiten, Die Andere Bibliothek, Band 367, Berlin 2015, ISBN: 978-3-847-70367-9, Preis: 42 Euro (D)

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