Sommerfest in Kienbaum – Einstige Trainingszentrale des DDR-Sports ein Beispiel für „gelebte deutsche Einheit“

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Auszug aus einem Screenshot der Website des Sportzentrums Kienbaum, www.kienbaum-sport.de, vom 25.07.2013. © WELTEXPRESS

Die Nationalmannschaften der Kanuten und der Volleyballerinnen gaben Auskunft über ihre Vorbereitungen auf die Heim-WM demnächst in Duisburg bzw. auf die EM in Deutschland und der Schweiz im September. Sprinter und Werfer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes sind da, feilen an der Form zur WM im August in Moskau. Während die Turner sich hier für die nationale Qualifikation zur Einzelgeräte-WM im September in Antwerpen präparieren…
Eine Auflistung, die belegt, dass Kienbaums Status als "herausragender Standort" im bundesdeutschen Sport allgemein akzeptiert ist. Obwohl ideologische Hardliner (West) es lieber gesehen hätten, wenn das zentrale Trainingslager des erfolgreichen DDR-Sports abgewickelt worden wäre. Wie so manches andere, was symbolträchtigen Charakter – "Palast der Republik" – für den mißglückten Versuch einer anti-kapitalistischen Staatsordnung hatte…

Dass Kienbaum letztlich nicht geschreddert wurde, ist dem Wirken u.a. von Armin Baumert und Hans-Georg Moldenhauer zu verdanken. Der einstige 8-m-Springer Baumert, unterm damaligen DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen Leistungssport-Direktor, fand mit Moldenhauer, Torwart des 1. FC Magdeburg, dann Funktionär im DDR-Fußball-Verband, einen politisch weitgehend unbelasteten Partner zur Rettung der einstigen "Sportschule" im märkischen Sand.

Moldenhauer, als Vermittler beim Anschluss des ostdeutschen Fußballs an den mächtigen DFB/West bewährt, übernahm vor 16 Jahren den Vorsitz des Trägervereins Kienbaum e.V. Darin vertreten die Nutzer-Verbände des Bundesleistungs-Zentrums, Sponsoren, der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB) und der Haupt-Geldgeber Bundes-Ministerium des Inneren (BMI). Und die kluge Konstruktion des eingetragenen Vereins (e.V.) nahm den Sportschul-Objekten in den Alt-Bundesländern die Kritik aus den Segeln, das für den Sport zuständige BMI würde die einstige "Hexenküche des DDR-Sports" (siehe Unterdruckkammer) ungebührlich unterstützen.
Weil aber die Verbände – neben den erwähnten u.a. die der Basketballer, Radsportler (Bahn), Bobfahrer, Judoka – für den Erhalt plädierten und Kienbaum durch den Regierungsumzug in die ehemalige Reichs-Hauptstadt aufgewertet wurde, kam das BLZ (Bundes-Leistungs-Zentrum) peu a peu zu erheblichen und dringend notwendigen Investitionen.

Insgesamt flossen – unter rot-grüner oder schwarz-gelber Regierungsägide – BMI-Mittel (Steuergelder) von mehr als 60 Millionen Euro in das heute hochmoderne Trainingsareal. Das beispielsweise auch von Profi-Boxern von Artur Abraham bis Marco Huck und dem Berliner Kult-Trainer Ulli Wegner gern frequentiert wird. Oder ausländische Gäste und in freien Monaten Freizeit-Vereine gegen entsprechende Bezahlung samt Vollpension beherbergt.

Am Dienstag wurde in Anwesenheit von Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im BMI, und Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, über weitere infrastrukturelle Ergänzungen informiert: Über ein neues Block-Heizkraftwerk, das jährlich Betriebskosten in Höhe von 100 000 Euro einsparen helfen soll. Über die Inbetriebnahme eines "dynamometrischen Messplatzes" aus dem Fundus des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) Leipzig, das Diskus- und Speerwerfern vielfältige Analysewerte vermittelt. Doppel-Weltmeister und Olympiasieger Robert Harting (Diskus) führte es: "Das ist schon eindrucksvoll, wie man Daten und Werte bekommt, warum ein Wurf gut oder schlecht war."

Und schließlich gab es die Grundsteinlegung einer neuen Turnhalle für die Männer-Nationalmannschaft. Kosten 8,4 Millionen Euro, Grundfläche ca. 3000 m ². Cheftrainer Andreas Hirsch: "Die alte Halle nebenan aus den 50-er Jahren hat optimales Arbeiten nicht mehr zugelassen." Das neue Modell, speziell auf das Männer-Turnen (die Frauen haben ihr Trainingszentrum in Frankfurt/M., d.A.) zugeschnitten, hat dann modernste Parameter: Blendfreies Licht, konstante Innentemperaturen von 24 Grad sommers wie winters, Filter, die den Magnesia-Staub aufsaugen…Nationalmannschafts-Akteur Andreas Toba jedenfalls ist überzeugt: "Wenn die neue Halle 2014 fertig ist, haben wir optimale Bedingungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro."

Nach Rundgängen, diversen Gesprächen und Interviews gab es abends bei Gegrilltem und Getränken noch die Ehrung der Teamsprint-Olympiasiegerin Kristina Vogel mit dem Kienbaum-Award für "vorbildhafte Kombination aus sportlichen und beruflichen Leistungen sowie sympathischen Auftreten". Und die Verabschiedung des zum Ehrenvorsitzenden des Trägervereins ernannten Hans-Georg-Moldenhauer, dessen Nachfolge in die Hände von DOSB-Leistungssport-Direktor Bernhard Schwank übertragen wurde.

Bobsport-Cheftrainer, zuvor Weltmeister und Olympiasieger, Christoph Langen: "Wir kommen regelmäßig im Sommer zum Athletik-Training hierher, genießen Landschaft und das optimale Umfeld und vermissen dann auch nicht die Berge daheim." Ein Lob aus dem Munde eines Bayern –  kann es eine größere Anerkennung geben?

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