Schön sein genügt nicht – In Hildesheim wird ab 13. März „Zypern – Insel der Aphrodite“ ausgestellt

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Das Plakat zur Ausstellung.

In der Ausstellung werden die Exponate eines ganz sicher zeigen: Daß nämlich diese Insel seit jeher eine besondere strategische Lage einnimmt, die sie prädestinierte, als Knotenpunkt zwischen Orient und Okzident zu fungieren. Deshalb sind die archäologischen Funde auch besonders alt, aber besitzen auch im Wechsel der geschichtlichen Ereignisse immer wieder eine Aussagekraft über die politischen Veränderungen und kulturellen Einflüsse von jeder Seite. Der Knotenpunkt ergab sich nicht nur aus der geographischen Lage, sondern auch aus der Attraktivität für die Bewohner, besitzt Zypern doch sehr viele Bodenschätze, die in der Bronzezeit und Eisenzeit wirkmächtig wurden. Daß Zypern nun auch noch mit dem Mythos der aus dem Meer schaumgeborenen Aphrodite leben darf, erhöht das Interesse, denn die griechische Götterwelt ist eine der Grundlagen unserer Kultur und speist bis heute Literatur, Theater und Opern.

Der Verlag Philip von Zabern hält für die Vorbereitung zur Ausstellung oder für die Nachbereitung und erst recht als Ersatz, wenn man es nicht nach Hildesheim schafft, den Ausstellungskatalog „Zypern – Insel der Aphrodite“ bereit. Wie in jedem guten Katalog werden nicht nur in Abbildungen die Ausstellungsobjekte gezeigt und inhaltlich beschrieben, sondern – auch das gehört zu guten Katalogen – ebenso in Essays eine Vertiefung der angerissenen Themen geleistet. Da geht es um die geschichtlichen Vorkommnisse, die Art und Weise, wie die archäologischen Funde ans Licht traten und Zypern zu einer Wiege europäischer Kultur machten, aber auch um unterschiedliche Einschätzungen der Bedeutung bestimmter Epochen. Zudem wird die Insel über viele überwältigenden Landschafts- und Naturaufnahmen auch sinnlich dem Betrachter nahegebracht.

Welche Rolle in der Ausstellung der „Insel der Aphrodite“ dieser Göttin selbst zukommt, wissen wir noch nicht, werden aber sicher genau diesen Aspekt in einem Ausstellungsbericht beleuchten. Denn die Göttin der Schönheit ist ja auch die der Liebe. Auch wenn jeder weiß, daß Schönheit noch nichts mit liebenswert oder gar Liebesfähigkeit zu tun hat, sind das Synonyme. Diese Tatsache ist auch Ausdruck unserer Kultur, die den Frauen die Schönheit zugesteht, damit Männer sie begehren. Die Geschichte vom Raub der Helena durch Paris und die daraus erwachsenden Fatalitäten des Krieges um Troja ist deren Beweis. Aber, daß die Frauen, nicht die Männer für die Liebe in der Welt zuständig sind, das ergibt sich aus den alten Sagen genauso und ist letzten Endes bis heute gesellschaftliche Grundlage. Dabei gibt es auch den kleinen Liebesgott. Mit dem Knaben Eros, einer der Söhne der Aphrodite, fängt es an, der zum Kuppler wird, wogegen es einst Paragraphen gab. Der Moral wegen. Aber in der ändert sich sowieso allerhand, mal in die eine Richtung der Liberalisierung, mal in die andere der gesellschaftlichen Ächtung, des Mißbrauchs an den Opfern wegen. Denn Knabenliebe, die der vielliebende Göttervater Zeus auch betrieb, ist heutzutage so eine Sache, mit der keiner offiziell zu tun haben will.

Aber das ist nicht das Thema der Aphrodite, die ohne Mutter geboren, dem Vater und den Männern besonders nahe steht. Die griechische Kunst ist einen schlingernden Weg gegangen, um diese Göttin und ihre Begleiterinnen darzustellen. Gerade in der archaischen Phase war es üblich, die schöne weibliche Gestalt in derart zarte, durchsichtige, körperbetonende Stoffe zu kleiden, daß sie fast wie nackt wirken. Später wurden viele Lagen Stoff aufgetragen, um Frauen eher als Matronen denn Lustobjekte zu zeigen. Erst im Hellenismus gab es die erste nackte weibliche Gestalt als Skulptur. Kunststile entwickeln sich nicht zwangsläufig, sondern im Zusammenhang der ideologischen Grundfesten einer Gesellschaft, sozusagen als ihr künstlerischer Reflex. Von daher kann man in dieser Zypernausstellung auch vermittelt über die Kunstexponate viel über die damaligen Zeiten erfahren. Man muß nur genau hinschauen.

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Ausstellung: ab 13. März bis 12. September 2010

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