Russland investiert in Infrastruktur entlang der arktischen Schifffahrtsroute – Profit an der Nordostpassage

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Ein Containerschiff namens Maersk Sealand
Maersk Sealand. Quelle: Pixabay

Moskau, Russland (Weltexpress). Die Russische Föderation will die Nordostpassage fördern und forciert den Bau eines Hafens an der Mündung des Indiga. Die Quelle der Indiga liegt an der Nordostflanke des Timanrückens. Von dort aus strömt sie laut Wikipedia „in nordnordwestlicher Richtung durch die Malosemelskaja-Tundra und mündet schließlich in die Indigskaja-Bucht, einer kleinen Bucht östlich der Tschoscha-Bucht an der Küste der Barentssee“. Von dort zur Karasee ist es nicht weit und weiter geht die Schiffsreise zur Laptewsee und über die Ostsibirischen See zur Tschuktschensee und von dort aus runter ins Beeringmeer. Bis zum Japanischen Meer und zum Ostchinesischen Meer und zu den Häfen der Werkbänke der Welt ist es nicht mehr weit.

Von Tokio nach Hamburg sind es über die Nordostpassage rund 13.000 Kilometer. Um Indien rum, durch den Sueskanal und übers Mittelmeer sind es 21.000 Kilometer.

Weil die Nordostpassage immer besser zu passieren ist und sie über immer längere Zeiträume eisfrei bleibt, werden immer mehr Schiffe mit Fracht aus dem Pazifischen Becken diesen Weg nach Westeuropa wählen, zumal er bis zu eine Woche kürze ist. Zeit ist Geld auch für die Handelsflotten, viel Geld sogar.

Außerdem sparen die Reeder Treibstoff und die Gebühren für die Passage durch den Sueskanal.

Die Russen können rechnen und wollen investieren. Von rund vier Milliarden Euro, die in der Nenzen-Region gesteckt werden solle, ist die Rede in russischen Publikationen. Außerdem solle aus der Nenzen-Siedlung Indiga ein großer Hafen werden, der ganzjährig betrieben werden soll.

Laut „RT Deutsch“ (2.12.2018) solle der „jährliche Frachtumschlag … 70 Millionen Tonnen erreichen, davon sollen 50 Millionen Tonnen Kohletransporte ausmachen, die aus Russlands größtem Kohlebergbaugebiet im Kusnezker Becken im Südwesten Sibiriens gefördert werden.“ Gut möglich, dass auch das Flüssiggas-Projekt wieder Fahrt aufnimmt.

Die weltgrößte Container-Reederei Maersk-Line mit Sitz in Kopenhagen und mit hunderten von Tochtergesellschaften weltweit schickte in diesem Jahr erstmals ein Containerschiff über die Nordostpassage von Wladiwostok nach St. Petersburg. Die Reise für die „Venta Mærsk“ verlief gut und ohne Eisbrecher. „Die Reise verlief ganz nach Plan und der Mannschaft geht es gut“, teilte das Unternehmen der Presse mit. In der „Frankfurter Allgemeine“ (FAZ, 18.9.2018) hieß es dazu: „Im Jahr 2009 durchquerte die Bremer Reederei Beluga Shipping mit zwei Schiffen und kommerzieller Ladung an Bord als erste Frachtreederei der Welt die Nordostpassage, 2013 durchfuhr als erstes Containerschiff die „Yong Sheng“ die Arktis von Dailan in China nach Rotterdam. Die Fahrt der „Venta Maersk“ ist dennoch besonders, da das Frachtschiff bedeutend schwerer ist als seine zwei Vorgänger.“

Weiter heißt es in der „FAZ“: „‚Alle sind sich einig, dass die Arktis in den nächsten 30 bis 50 Jahren eisfrei sein wird‘, sagt Christian Haas, Meeris-Experte des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. ‚Das führt zu einem Anstieg der Schifffahrt im Allgemeinen.‘ Als eisfrei bezeichnen Forscher die Arktis, wenn die Eisbedeckung im Sommer unter 1 Million Quadratkilometer sinkt. Zum Vergleich: Beim bisherigen Minusrekord im Jahr 2012 lag sie bei 3,6 Millionen Quadratkilometern.“

Moskau setzt offensichtlich auf steigende Temperaturen im Norden und Profit an der Nordostpassage.

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