Nur für Weicheier – Annotation zum Buch „Harte Kost“ von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger

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© Ludwig Verlag
Thurn schreibt auch. Zusammen mit Stefan kreutzberger, Jahrgang 1961, das Buch „Die Essensvernichter“. Kreutzberger schrieb zudem das Werk „Die Ökolüge“. Beide Autoren bleiben ihren Themen und sich treu. 2014 legten sich mit „Harte Kost“ nach und der Ludwig Verlag brachte das 320 Seiten starke Werk über die Weise, wie unser Essen produziert wird, heraus.

Die Autoren begeben sich zugleich immer auch auf die „Suche nach Lösungen für die Ernährung“ der Weltbevölkerung, die „bis 2050 auf fast zehn Milliarden Menschen anwachsen“, werde, wie sie schreiben. Um diese Masse an Menschen auf diesem Planeten in 35 Jahren ernähren zu können, muss die Produktion von Lebensmitteln um 70 Prozent gesteigert werden. Viele vertreten die Ansicht, dass das nur mit mehr Chemie, mehr Gentechnik mehr Massentierhaltung ginge. Thurn und Kreutzberger jedoch hinterfragen diese Sicht und befragen Menschen mit Gegenstandpunkten. Thurn und Kreutzberger behaupten, dass Menschen alle zehn Milliarden Menschen satt machen könnten. Die „nachhaltige Revitalisierung der geschundenen Böden jenseits von Gentechnik und Monokulturen“ hören ebenso dazu wie die Umstellung „u Ernährungs- und Konsumweise“ (S. 295). Es dürfe nicht sein, dass Essen „im Trank, Trog oder der Tonne anstatt auf dem Teller landet“ formulieren sie famos und fordern dazu auf, „weniger Fleisch“ zu essen und „weniger Agrarsprit in unsere Autos“ zu füllen. Nicht nur mehr Produktion sondern weniger Verlust von Produziertem sowie eine gerechte Verteilung seien die Wege der Welternährung.

Dabei regiert Geld die Welt und die Hungermacher. Wie aus dem Nischendasein von Alternativen, die beide Autoren zeigen, eine Weltrevolution werden soll, um den Geschäftemachern mit dem Hungert den Garaus zu machen, das sagen sie nicht. Sie bleiben auf der Ebene der Prosa und nennen das Armut und Reichtum, statt Kapitalisten und Lohnknechte beim Namen zu nennen und das Ganze auf den Begriff zu bringen. Warum scheuen die Autoren die Mühen der Ebene einer dialektisch-materialistischen Gesellschaftsanalyse und -kritik?

Thurn und Kreutzberger bringen die Probleme nicht wirklich auf den Punkt und deswegen sind die servierten Lösungen halbgar. Das mag für Gutmenschen unter den Lesern reichen, die wie Kirchgänger sonntäglich Hände faltend in den Schoß legen und werktäglich gehorchen Hand- und Kopfarbeit verrichten. Sie singen hier wie da doch nur das Lied derer, dessen Brot sie essen.

Brav wie diese Bürger suchten beide Autoren weltweit „nach zukunftsfähigen Lösungen für eine Nahrungsmittelproduktion, die Mensch und Tier respektiert und die knappen Ressourcen schont“. Diese über das Buch in die Bundesrepublik zu holen, das ist – keine Frage – ein Verdienst der investigativen Berichterstatter, die vermutlich erneut von vielen Weicheiern als bienenfleißige  Sammler und Aufbereiter von Informationen gelobt und gepriesen werden. So weit, so gut. Doch die Verdammten dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt, werden davon nicht wach.
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Valentin Thurn, Stefan Kreutzberger, Harte Koste, Wie unser Essen produziert wird, Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt, 320 Seiten, Paperback, Klappenbroschur, 13,5 x 20,6 cm, Ludwig Verlag, 2014, ISBN: 978-3-453-28063-2, Preise: 16,99 EUR (D), 17,50 EUR (A) und 22,90 CHF

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