Neue Proteste, Tote und Verletzte in Bolivien – Evo Morales schürt aus Mexiko das Feuer der Revolte gegen die Interimspräsidentin Jeanine Añez

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In einem Zirkus wird Evo Morals gefeiert. Foto: David Shankbone (own work), Quelle: Wikimedia, CC BY 2.5

La Paz, Bolivien; Berlin, Deutschland (Weltexpress). Wer in Bezug auf Bolivien von einem Putsch der Generäle schreibt und spricht, der hat von dem, was in Ägypten oder Chile geschah, genau so wenig Ahnung wie von den Zuständen in dem Andenstaat. In Bolivien häutete sich der Sozialist Evo Morales, der sich seit 2006 zu einem Autokraten, der widerrechtlich eine vierte Amtszeit und nicht in die Stichwahl wollte, entwickelte.

Morales war es, der die Verfassung des nach Simón Bolívar genannten Staates, in dem vier Sprachen Amtssprachen sind, darunter das Spanisch der Eroberer, mit Füßen trat und die Verfassungsgeber wieder und wieder austrickste. Die Verfassung lässt nur eine Wiederwahl zu und nicht drei oder vier. Zudem wiegen die Vorwürfe des Wahlbetruges schwer.

In „Wikipedia“ steht dazu: „Die Opposition erkannte dieses Wahlergebnis nicht an und in der Bevölkerung kam es zu Protesten. Als Antwort auf die Demonstrationen in verschiedenen Städten befahl er, die Städte zu belagern und einzukesseln. Die Wahlbeobachter der OAS empfahlen, die erste Wahl wegen Unregelmäßigkeiten zu annullieren. Die Polizei- und Militärführung stellte sich zunehmend auf die Seite der Demonstranten und am Abend des 10. November 2019 forderte ihn der Militärchef auf, zurückzutreten. Nachdem Morales am Vortag noch von Putsch und Verschwörung geredet hatte, hatte er sich zuerst – am 10. November nachmittags – für Neuwahlen ausgesprochen, abends erklärte er in einer Fernsehansprache seinen Rücktritt. Morales ging am 11. November 2019 ins mexikanische Exil, nachdem die Polizei am 10. November in ihren Kasernen geblieben war und es zu Gewaltausbrüchen gekommen war.“

In der „Zeit“ (13.11.2019) hält Thomas Fischermann unter den Überschriften „Bolivien: Die Rückkehr der Generäle – Putsch oder Dienst an der Demokratie? Das Militär in Bolivien hält sich für eine höhere, wachsame Instanz. Damit ist es in Südamerika längst nicht mehr allein.“ fest: „Morales-treue Schlägertrupps lieferten sich draußen auf den Straßen Schlachten mit Andersdenkenden und schüchterten die Bevölkerung ein. Die Gewalt kam und kommt derzeit von beiden Seiten und nimmt zur Stunde erschreckende Ausmaße an.

Als dann ein hoher Vertreter des Militärs dem Präsidenten „nahelegte“, zurückzutreten, war das ein Ruf, der Morales längst auch aus vielen anderen Sektoren der bolivianischen Gesellschaft entgegenschallte. Berichten zufolge kam diese Forderung zum Beispiel auch von den Gewerkschaften.“

Wohl wahr, dass die Morales-Müdigkeit viele Teile des Staatsvolkes erfasste, darunter Teile von Polizei und Militär.

Am Ende ist Morals zurückgetreten und abgehauen, um aus der mexikanischen Ferne Öl ins Feuer zu gießen und eine Revolte gegen Interimspräsidentin Jeanine Añez zu schüren.

Im „Focus“ (16.11.2019) wird unter dem Titel „Nach Morales-Rücktritt – Fünf Tote bei neuer Gewalt-Eskalation in Bolivien“ mitgeteilt, dass nicht nur fünf Menschen getötet wurden, sondern „“weitere 34 Menschen … verletzt und 169 festgenommen“ worden seien, „wie der Ombudsmann der Stadt Cochabamba, Nelson Cox, am Freitag (Ortszeit) mitteilte. Die Anhänger von Morales – Kokabauern – versuchten, über Cochabamba nach La Paz zu marschieren, um ihre Unterstützung für den Ex-Präsidenten zu zeigen.

Die Polizei und das Militär versperrten den Demonstranten den Weg auf einer Brücke in Sacaba, einem östlichen Vorort von Cochabamba. Die Toten wiesen Schusswunden auf, wie Cox sagte. Der Polizeichef von Cochabamba, Jaime Zurita, erklärte, die Kokabauern hätten die Sicherheitskräfte mit Schusswaffen angegriffen.“

Noch hat Morals Rückhalt auf dem Land, aber nicht mehr so stark wie zu Beginn seiner Amtszeit als Präsident. Von einem großen Rückhalt in den Städten kann keineswegs die Rede sein. Dennoch stehen nicht Bauern gegen Arbeiter und Angestellte.

In Bolivien gehen nicht nur alte Anhänger von Morales auf die Straßen, die keineswegs alle „links“ sind, sondern auch dessen Gegner, die nicht alle „rechts“ sind, wie manche aus Politik und Presse deutscher Zunge einem weismachen wollen.

In Bolivien gibt es mehr als nur den Morals und die Movimiento al Socialismo (MAS).

In der „Tageszeitung“ (16.11.2019) schreibtKatharina Wojczenko unter „Proteste und Morales-Sturz in Bolivien – Wir alle waren verliebt in ihn“: „Es lag etwas in der Luft, sagt die Politikwissenschaftlerin Nadia Guevara. Sie denkt an mindestens drei verschiedene Märsche, die am Sonntag vergangener Woche durch die Stadt La Paz im Westen Boliviens zogen. Einer davon war organisiert für die Rechte der Frauen, ein anderer von den Bergarbeitern aus der Region Potosí, ein weiterer von pensionierten Polizisten. Sie alle richteten sich ­gegen die Regierung von Boliviens Präsident Evo Morales.“

Protest und Widerstand gegen Morales und die MAS sind in letzten Jahren gewachsen.

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