„Natze“ ist jetzt Spitze auf dem Planeten – Mit 612 Punkten wurde Nadine Angerer Weltfußballerin des Jahres 2013

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"Hoffentlich merkt keiner, dass ich mit Natze unterschrieben hab ´". Eine Foto-Karikatur der Frankfurter Fotografin Carlotta Erler zum Thema Angerer und ihrer Berühmtheit. Auf dem Bild ist natürlich nicht Angerer zu sehen, sondern eine Mitspielerin aus der Nationalmannschaft - ein wenig Spaß muss sein

Wie wurde Angerer gewählt?

Hier unsere Antwort aus guter Quelle: Der Weltverband FIFA  erstellte eine Kandidatenliste mit Spielerinnen. Daraus konnten 147 Nationaltrainer und 146 -kapitäne der in der FIFA  vereinten Nationen wählen und je drei Spielerinnen  ihre Stimme geben, wobei die erste Wahl fünf Punkte bringt, die zweite drei Punkte und die dritte einen Punkt. Zudem gibt es eine Fachkommission aus internationalen Journalisten, die von der französischen Fußball-Fachzeitschrift „France Football“ ausgewählt wurde. Alle für eine Spielerin abgegebenen Punkte wurden zum Endergebnis addiert. Angerer, die zuvor von der UEFA bereits zu Europas Spielerin des Jahres gekürt wurde, erhielt 612 Punkte und setzte sich gegen Vorjahressiegerin Abby Wambach (539 Punkte) und die fünffache Weltfußballerin Marta (493 Punkte) durch.

Fantastische Mannschaft

Es war ein historischer Moment. Angerer, die im April zu den Portland Thorns in die USA wechselt, ist nach Birgit Prinz die zweite deutsche Fußballerin, der diese Ehre zukommt. „Ich bin überrascht, stolz und dankbar“, sagte Europas Fußballerin des Jahres zu ihrer ersten FIFA-Auszeichnung. „So einen Erfolg schafft man niemals alleine, auch ich nicht. Ich bin sehr dankbar, 2013 in dieser fantastischen Mannschaft gespielt zu haben, die es mir sehr einfach gemacht hat, meine Leistung abzurufen.“ Angerer führte sichtlich bewegt weiter aus: „Zweitens ist es mir wichtig, meinem Torwarttrainer Michael Fuchs  Danke zu sagen, der es immer wieder schafft, mich auf ein Level zu bringen, an das ich selber nicht mehr geglaubt habe. Die sportliche Seite ist das eine, privat ist das andere. Ich bin stolz, eine wunderbare Familie zu haben und ein Dank geht auch an meine wunderbaren Freunde.“

Echtes Freizeitvergnügen

Klare Worte einer dankbaren Sportlerin, der zuzutrauen ist, den Erfolg persönlich nicht über zu bewerten und auf dem Boden der Realität zu bleiben. Denn Frauenfußball ist im Gegensatz zum Entertainment des Männerfußball noch familiär und echtes Freizeitvergnügen so mancher Bundesligaspielerin. Frauenfußball ist eigentlich eine Amateursportart, deren Spitzenkönnerinnen Weltklasse leisten. Die Zukunft liegt darin, dass erfolgreiche Spielerinnen wie Nadine Angerer ihre Leitbildfunktion bei den jungen Mädchen mit Überzeugung ausüben. Unterstützend zur Vorbildfunktion bekannter Spielerinnen sollte der Fokus des Deutschen Fußball Bundes, des Weltfußballverbandes sowie dessen interkulturelle Verankerung seiner Mitgliedsverbände noch mehr als bisher Wert auf die Jugendarbeit und der persönlichen Entwicklung der Spielerinnen legen. Dabei sollte die altersgerechte Ausbildung der Nachwuchs-Fußballerinnen im Vordergrund stehen. An der Seite der 35-jährigen Angerer entschieden auch die "jungen Wilden" – Spielerinnen unter 20 Jahren – die Europameisterschaft in Schweden. Spielführerin Angerer befand sich schon fast in der Altersstufe der Müttergeneration dieser so erfolgreichen „Kinder".

Kinsey-Skala läßt grüßen

Altersgerechte Ausbildung bedeutet für junge Frauen und Mädchen neben dem sportlichen Engagement im Verein im äußeren Umfeld gleichwertiger Einsatz für Schule, Studium, Ausbildung und für den Beruf. Das Zerrbild des übertriebenen feministischen Geschlechterkampfes im Frauenfußball ist schon längst passé – im Frauenfußball ist ein entspannter Umgang mit sexueller Orientierung schon längst üblich. Hier kräht sprichwörtlich kein Hahn mehr danach, wenn auf dem Fußballplatz der Frauenbundesliga ein lesbisches Paar neben einer jungen Familie und zwei Rentnern Platz nimmt. Selbst Angerers persönliches Outing zur  Bisexualität sollte nach den Ergebnissen des Kinsey-Reports, der in der angeblich so prüden 50er Jahre unserer Urgroßväter schon feststand, dass zwischen 90 % und 95 % der Bevölkerung nach der Kinsey-Skala zu einem gewissen Grad bisexuell sind, wirft in der lebhaften Frauenfußball-Fan-Szene keinen mehr vom Hocker. Ein Medienhype zu Angerers damaligem Bekenntnis  ist nicht zu erwarten, eher Seite 10, Spalte links unten, maximal 30 Zeilen, unter ferner liefen in der Tageszeitung, die sonst über das Liebesleben der männlichen Fußballer berichtet. Warum ist das so? Ganz einfach, weil im Allgemeinen im Frauenfußball kein schneller Euro zu verdienen ist. Bis auf ein Paar Werbeverträge für Angerer, Jones, Alushi und Co. Nun gut, wir werden auch das überstehen. Abnehmen werden wir auch nicht dabei, so wie Weight Watchers es uns glauben machen möchte. Das sollte gewiss einmal erlaubt sein, festgestellt zu werden.

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