Mitsingen ist „in“ – Nach den Fischerchören und „Everybody can sing“ mit Jocelyn B. Smith nun erstes Mitsingkonzert mit Gerhild Herrmann

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Gerhild Herrmann mit Gitarre Mitte Dezember 2015 in Berlin. © Foto: Andreas Hagemoser, 2015
Gotthilf Fischer vereinigte so friedlich Millionen. In den 70ern sangen die Fischer-Chöre „Song of Joy“, „Amazing Grace“ und „Frieden – sei dieser Welt beschieden“ mit großer Breitenwirkung. Der Plochinger gründete im ersten Friedensjahr kaum volljährig einen Chor, dem viele weitere folgten. 1969 erreichten die Sänger erstmals ein großes Publikum mit einem Fernsehauftritt in „Drei mal neun“ mit Wim Thoelke, ab 1971 folgten Schallplatten, auch goldene. Fischer komponierte die „Friedensmesse“ und überreichte sie US-Präsident Jimmy Carter anlässlich eines Besuschs. Mehr als 1000 Stimmen zählen die Chöre.

Jocelyn B. Smith bietet seit 2015 mittwochs abends in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin-Charlottenburg fast wöchentlich Mitsingeabende an. Unter dem Titel „EVERYBODY CAN SING“ und im blauen Licht des Eiermann-Baus auf dem Breitscheidplatz geht die Post ab. Wer kann, liest die an die Wand gebeamten Texte ab und macht den Mund auf. Viele tanzen auch dabei.

Die Berlinerin Gerhild Herrmann schwimmt also im gewissen Sinne mit dem Strom, wenn sie am 20.2. ein Konzert zum Dabeisein und Mitsingen anbietet. Sie lässt mitteilen, dass man Mut haben kann, denn jeder dürfe mitsingen, keiner werde gezwungen. Ihre Botschaft: „Ich freue mich auf viel Spaß und Musikgenuss mit Euch!“ Das nimmt man ihr ab, wenn man sie einmal erlebt hat. Modern ist auch die Tatsache, dass sie ein Motto hat. Aus Amerika herübergeschwappt muss ja inzwischen jeder Bäcker und Schuster, sogar, wenn er bei seinem Leisten bleibt, so ein Sprüchlein verkünden. Sei’s drum, so erfahren wir drei Wörter mehr über die Sängerin, die spielend deutsch und englisch singt – „Gesang, der berührt“. Das ist ein Pfund, mit dem sie wuchern kann und ein weiterer großer Vorzug. Unerträglich sind in einer Zeit, in der fast alles auf englisch sein muss, diejenigen, die kein „th“ aussprechen können und auch sonst radebrechen, aber das Mikrophon in die Hand nehmen oder eine CD pressen. Beispiele gibt es dafür. Das hat man bei Gerhild Herrmann nicht zu befürchten. Ihre Kinder, denen sie Lieder komponiert hat, sind teils selbst zweisprachig aufgewachsen. Es ist sehr angenehm, wenn man ein englischsprachiges Lied hört, das auch so klingt. Zum Mitsingen lässt man sich so auch leichter animieren. Alle anderen sollen lieber Kraftwerk, BAP oder der neuen deutschen Welle folgen. Wer eine Sprache nicht kann, sollte sich nicht mit ihr auf die Bühne begeben. Mitsingen ist natürlich erlaubt und gehört heute anscheinend zum guten Ton.
Die Musikerin ließ im übrigen verlautbaren, dass sie sich fünf Tage nach dem Konzert nur noch mit fünf Buchstaben schreibt, da sie ihren Mädchennamen Gerhild Karpf wieder annehmen werde. Ob sie beim Unterschreiben Zeit sparen möchte? Sicher ist: ‚No name, no fame‘ und „Nomen est omen“. Einen Namen hat sie schon, jetzt hat sie zwei. Bei Cassius Clay ist das gut gelaufen. Was das lateinische Sprichwort angeht, ist nun gewiss: Es wird sich etwas ändern. Wir sind gespannt.

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Mitsingekonzert Samstag, 20. Februar um 20 Uhr im Molly Malones Irish Pub, Hanauer Straße 80, 14197 Berlin, Telefon: 030 82 00 78 66, Eintritt frei
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