Mit viel Glück einen Punkt gerettet – Darmstadts kleines Geschenk für Jens Keller

Torsten Frings
Torsten Frings, Trainer des SV Darmstadt 98. © 2017, Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Darmstadts Trainer Torsten Frings übte sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel in Sarkasmus. Dort standen zwei unzufriedene Trainer. „Ersteinmal alles Gute zum Geburtstag – Geschenke haben wir heute verteilt. Wir sind natürlich sehr enttäuscht.“ Als der vierte Offizielle kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit seine Tafel hob und eine Nachspielzeit von vier Minuten anzeigte, führten die Lilien aus Darmstadt mit 3:2. Die zahlreich angereisten Fans der Gäste sangen aus voller Kehle „Lilien oh Lilien“. Es lief bereits die dritte Minute der Nachspielzeit und es gab einen Freistoß für Union. Etwa 30 m vor dem Tor, aus zentraler Position schaufelte Christopher Trimmel den Ball in den Strafraum der Gäste. Der Ball wird zur Ecke geklärt. Der Eckball kommt wieder gefährlich, wird zunächst abgewehrt und flippert sich ins Tor. Darmstadts Jan Rosenthal war der Unglücksrabe. Sein Eigentor war das Geschenk an Jens Keller zu seinem 47. Geburtstag. Eine Niederlage hätte den Geburtstag wohl vollständig verhagelt.

In der ersten Halbzeit lief unter Flutlicht alles nach Plan. Die Anfangsphase gehörte den Gästen, denen merkte man, dass sie sich einiges vorgenommen hatten. Die Eisernen bekamen das Spiel mehr und mehr in den Griff. Der Führungstreffer von Grischa Prömel in der 39. Minute fiel folgerichtig. Allerdings sah Florian Stritzel in seinem ersten Pflichtspiel im Darmstädter Tor unglücklich aus. Der Torschütze und der Torwart kennen sich gut, haben so manche Trainingseinheit beim Karlsruher Sportclub gemeinsam absolviert.

Die zweite Halbzeit hatte einen hohen Unterhaltungswert. Zwischen der 51. und 66. Minute fielen vier Tore. Es ging hin und her, beide Mannschaften demonstrierten unbedingten Siegeswillen. Terrence Boyd, 14-facher US-amerikanischer Nationalspieler erzielte den Ausgleich und 6 Minuten später, liefert Schiedsrichter Timo Gerach ein Geburtstagsgeschenk ab. Er will Handspiel im Strafraum gesehen haben. Den 11m verwandelt Sebastian Polter sicher und Union führt wieder. Die Freude währt nur drei Minuten, Boyd ist per Kopf zur Stelle und nimmt das Geburtagsgeschenk wieder weg.

Die Darmstädter wurden immer galliger. Es gibt wieder einen Elfer, der ist berechtigt, Christopher Trimmel foulte im Strafraum und der eingewechselte Tobias Kempe verwandelt sicher. Darmstadt hatte das Spiel gedreht und musste den Sieg erst mit der letzten Aktion im Spiel wieder hergeben.

Taktik

Torsten Frings setzte gegen Unions 4-2-3-1 ein 4-4-2. Jens Keller brachte mit Dennis Daube und Grischa Prömel eine neue Besetzung für die Doppelsechs . Kapitän Felix Kroos blieb zunächst auf der Bank und kam ab der 83. Minute für Grischa Prömel. Der andere 6er Dennis Daube wurde ab der 73. Minute – rot gelb gefährdet und als Reaktion auf den Rückstand – durch Damir Kreilach ersetzt. Der erste Wechsel im Spiel betraf Akaki Gogia. Er hatte einen gebrauchten Tag erwischt. Für ihn kam Steven Skrzybski, der musste fast fünf Minuten an der Seitenlinie warten und mitansehen, wie Darmstadt in Führung ging. Taktisch änderte Jens Keller nichts. Alle Wechsel waren positionsgetreu. Keller hätte auch nicht auf ein System mit 2 Stürmern umstellen können. Philipp Hosiner war nicht im Kader, so dass mit Sebastian Polter nur ein Stürmer zur Verfügung stand. In der Pressekonferenz nach dem Spiel kam kurz die Frage nach Hosiner auf. Er war nicht verletzt oder krank, hätte also spielen können.

In der ersten Halbzeit ging das taktische Konzept auf. Positionswechsel im Mittelfeld sorgten für Torgefahr. Mit den hoch aufgerückten Außenverteidigern der Eisernen hatten die Darmstädter in der ersten Halbzeit einige Probleme. Einige Bälle wurden auch im Gegenpressing erobert. Darmstadt versuchte mit langen Bällen zum Erfolg zu kommen. Darauf war die Abwehr der Eisernen vorbereitet. Nach der Pause stellte Darmstadt mehr auf das Kombinationsspiel um, ließ den Ball über Stationen im Mittelfeld laufen. Warum nach der Pause dadurch die Statik im Union-Mittelfeld ins Wanken geriet und zu 3 Gegentoren führte, ist ein Rätsel.

Fazit

Das Spiel hätten sie verlieren können. Es ist in dieser Saison kennzeichnend, bis zum Schluss an die eigenen Qualitäten zu glauben. In den letzten zwei Spielen wurden insgesamt 6 Gegentore kassiert. Ein Wert, der schleunigst wieder nach unten gedrückt werden muss. Im gesamten bisherigen Saisonverlauf waren die Abwehrleistungen in Ordnung. Nach 15 Spielen wurden 21 Gegentore kassiert, das ist ein Schnitt von 1,4 pro Spiel.

Stimmen zum Spiel

Markus Steinhöfer (Mittelfeld SV Darmstadt 98): „Es ist ein Punkt, aber für das, was wir heute gezeigt haben ist das zu wenig. Trotzdem, wir haben eine Reaktion gezeigt und das wir in der Lage sind auch bei Union Berlin zu gewinnen.“

Christopher Trimmel (Verteidigung 1. FC Union Berlin): „Viele Gegentore sind aus Flanken entstanden. Wir müssen da früher ansetzen und versuchen, mehr Flanken zu verhindern. Der Elfmeter war berechtigt. Ich habe versucht den Ball zu blocken und dann das Bein runter zu nehmen.“

Grischa Prömel (Mittelfeld 1. FC Union Berlin): „In der zweiten Halbzeit haben wir nicht konsequent nachgeschoben, so wurde es Konter auf der einen und Konter auf der anderen Seite. Was die Gegentore betrifft, vor Heidenheim haben wir relativ wenige bekommen. Im Training steht jetzt die Aufgabe, wie können Flanken verhindert werden.“

Jens Keller (Trainer 1. FC Union Berlin): „In der ersten Halbzeit sind wir schwer in das Spiel gekommen, hatten dann aber alles im Griff. In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht geschafft, unser Tor zu verteidigen. Vor allem im Zentrum sind wir nicht an den Männern und bekommen innerhalb von 15 Minuten 3 Tore.“

Spieldaten

2. Fußball-Bundesliga Spieltag 15, Freitag 24.11.2017 18:30 Uhr

1. FC Union Berlin
Tor: Jakub Busk; Abwehr: Christopher Trimmel, Toni Leistner, Marc Torrejon, Kristian Pedersen; Mittelfeld: Dennis Daube (ab 73.Damir Kreilach), Grischa Prömel (ab 83. Felix Kroos), Marcel Hartel (ab 75. Damir Kreilach), Simon Hedlund, Akaki Gogia (ab 67. Steven Skrzybski); Angriff Sebastian Polter
System: 4-2-3-1
Trainer: Jens Keller

SV Darmstadt 98
Tor: Florian Stritzel; Abwehr: Sandro Sirigu (ab 59. Tobias Kempe), P. Jensen-Bangaard, Aytac Sulu, Fabian Holland; Mittelfeld: Markus Steinhöfer, Hamit Altintop, Wilson Kamavuaka, Marvin Mehlem (ab 88. Yannick Stark); Angriff: Jan Rosenthal, Terrence Boyd (ab. 83. Roman Bezjak)
System: 4-4-2
Trainer Torsten Frings

gelbe Karten
2. Min Grischa Prömel (1.FC Union Berlin)
18. Min. Sandro Sirigu (SV Darmstadt 98)
27. Min. P. Jensen-Bangaard (SV Darmstadt 98)
29. Min Terrence Boyd (SV Darmstadt 98)
45. Min Dennis Daube (1. FC Union Berlin)
72. Min Hamit Altintop (SV Darmstadt 98)

Ergebnis: 3:3

Tore:
1:0 (39. Min) Grischa Prömel
1:1 (51. Min) Terrence Boyd
2:1 (58. Min) Sebastian Polter (Elfmeter)
2:2 (61. Min) Terrence Boyd
2:3 (66. Min) Tobias Kempe (Elfmeter)
3:3 (90. Min) Jan Rosenthal (Eigentor)

Zuschauer: 21.108 Stadion Alte Försterei

Schiedsrichter: Timo Gerach; Nicolas Winter; Timo Klein; Felix-Benjamin Schwemmer

Wetter: nasskalt bei 14 Grad Celsius

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