Libyen: Ölhafen Ras Lanuf wieder unter Kontrolle der Aufständischen

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Keine Frage: Ohne die West-Allianz wäre das nicht möglich. Im Gegenteil: Die Rebellen wären am Ende. Doch mithilfe der internationalen Luftangriffe drängen die Aufständischen in Libyen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi immer weiter zurück. Am Sonntagvormittag konnten die Rebellen das wichtige Ölterminal Ras Lanuf im Osten des Landes wieder unter ihre Kontrolle bringen. Das meldete die Agentur AFP.

Ras Lanuf hatte bereits Anfang März kurzzeitig unter der Kontrolle der libyschen Opposition gestanden, bevor regimetreue Truppen, wie die Kritiker sagen, oder die libysche Armee, wie – nüchtern betrachtet, man wohl sagen muß, am 12. März den strategisch wichtigen Ölhafen zurückeroberten.

Am vergangenen Freitag und Samstag flog die internationale, aber von NATO-Mitgliedern dominierte Militär-Allianz massive Angriffe auf Gaddafi-treue Truppen in Adschdabiya und Marsa-el-Brega. Agenturen berichten von über 160 Luftangriffen allein am gestrigen Samstag. Immer deutlicher wird, daß die West-Allianz nicht nur ein Flugverbot durchsetzt, sondern Partei ist im Spiel um Macht, Herrschaft und letztendlich Zugriffsrechte auf die libyschen Rohstoffe, insbesondere auf Gas und Öl.

In der Nacht zum Sonntag wurde Sirt bombardiert, also die Stadt, in die sich die libysche Armee zurückgezogen hat. Zudem setze die westliche Militär-Allianz heute erneut das südwestliche Sebha, dessen Bevölkerung größtenteils zu Gaddafi steht, massiven Luftschlägen aus. In dieser Wüstenstadt befindet sich ein regimetreuer Truppenstützpunkt.

Zuvor hatten Bomben und Raketen in Adschdabiya und Marsa-al-Brega eingeschlagen, also in den Städten, die anschließend von den Rebellen "zurückerobert" wurden.

Laut libyschen Behörden starben dabei bei den Angriffen der letzten Tage Dutzende Soldaten und Zivilisten. Arabische Fernsehsender – insbesondere Al Jazeera – zeigten zerstörte Panzer, Panzerwagen und sonstige Militär-Fahrzeuge der Gaddafi-Armee. Nach den Luftangriffen konnten die Aufständischen die oben genannten Städte einnehmen und setzten ihre Offensive Richtung Westen fort.

Muammar al-Gaddafi, der seit mehr als 40 Jahren in Libyen herrscht, lässt seit Mitte Februar die Proteste gegen sein Regime mit Waffengewalt niederschlagen. Am 17. März verhängte der UN-Sicherheitsrat eine Flugsperre gegen die libysche Luftwaffe und öffnete mit einer Resolution die Tür für ein internationales militärisches Eingreifen in dem nordafrikanischen Land. Die Offensive der West-Allianz begann am 19. März.

Vor allem die USA, Großbritannien, Frankreich fliegen Luftangriffe gegen Militäranlagen und Städte, die von Gaddafi kontrolliert werden. Nach Angaben libyscher Behörden starben infolge der Angriffe Dutzende Menschen. Die Koalition bestätigt diese Angaben nicht.

Nach Angaben aus russischen Geheimdienstkreisen bereitet sich die internationale Koalition auf eine Bodeninvasion in Libyen vor, die Ende April beginnen kann. US-Präsident Barack Obama hat unterdessen eine Teilnahme von us-amerikanischen Truppen an einem Bodeneinsatz in Libyen definitiv ausgeschlossen (WELTEXPRESS berichtete).

Mit Material von AFP, Al Jazeera, dpa, Facebook, RIA Novosti und Twitter.

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