La via dell` amore oder Weg der Liebe – Der berühmte Küstenwanderweg an der italienischen Blumenriviera

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Während meine geübteren KollegInnen sich dem herausfordernden Höhenwanderweg oberhalb der Küste Richtung Portovenere im Nationalpark stellen, gestehe ich mir ein, dass mein heimisches Fitness-Training nicht ausreichte – den italienischen Schlagern wie „Azzurro“ von Adriano Celentano, zum Trotz, die motivierend im Fitnessstudio powerten.

Neidische Blicke der „Wandervögel“ ereilen mich, als ich die Fähre mit dem klangvollen Namen „Golfo dei poeti – Golf der Poeten“ nach Riomaggiore besteigen darf.
Herrlich, wie die Gischt emporspritzt, während wir zwanzig Minuten Dörfchen um Dörfchen passieren und die halsbrecherischen Terrassenanlagen bestaunen, die die Weinbauer dort mühsam anlegten und pflegen, um die Cinque-Terre Weißweine Bosco, Vermentino und Albarola sowie den süßen Dessertwein Sciaccetra anzubauen. Ohne diese Terrassen würden die Hänge auf die Dörfchen abrutschen.
Sicherlich hätte ich auch die preisgünstige Eisenbahn nehmen können, die von Dörfchen zu Dörfchen fährt, jedoch leider durch Tunnel – da entschied ich mich lieber für die malerische Panoramaaussicht vom Meer aus. Mit dem Auto erreicht man die Dörfer nicht.

In Riomaggiore angekommen darf erst einmal Treppen gestiegen werden – ohne Ende, will mir scheinen. Ich bewundere ältere Menschen, die dort so mutig sind, die elend steilen Stufen zu erklimmen. Mir steckt noch ein Muskelkater „in den Knochen“ durch Überanstrengung bei einer vorherigen Wandertour. Wo ist die „Via del amore“?  Ich will endlich wissen, was es mit diesem Weg auf sich hat, der einen solch vielversprechenden Namen trägt und ihn mit eigenen Augen sehen – zu viel habe ich von diesem Wanderweg gehört.

Im entzückend pittoresken Riomaggiore finde ich den Eingang. Fünf Euro Eintritt gebe ich der charmant lächelnden Kassenfrau gerne und endlich sehe ich die ersten Herzen am Eingangstor, voll von kleinen Sicherheitsschlössern, die Liebende dort als Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit anhängten. 850 Meter in dreißig Minuten – das freut meinen muskelkaterschmerzenden Körper: ein Weg, planiert mit Platten, auf dem sogar gehbehinderte Rentner mit „Rentnerporsche“ (Rollator) gehen könnten – das dürfte zu schaffen sein! Auf ins Fischerdörfchen Manorola, denn dahin führt der Weg! Wandern „light“! Es darf gestrahlt werden, ein bezaubernder Blick auf’s Meer, liebevoll gehegte Gärten mit mediterraner Vegetation und Amore, Amore, Amore ohne Ende. Hunderte von Sicherheits-Liebesschlössern hängen überall in den Drahtgittern, die die Felshänge sichern. Liebessprüche auf den zahlreich vorhandenen Sitzbänken, die zum Verweilen einladen, auch ohne Schmusepartner. Die Felsen über und über voll von daraufgemalten Verliebtennamen – hier wird einem was geboten für sein Geld! Selbst die großen Kakteen wurden nicht verschont von hineingeritzten Liebesschwüren. Vielleicht mal den eigenen Namen hinschreiben nebst  Telefonnummer – vielleicht klappt’s ja so mit der zu findenden Liebe? Charmante Menschen, darunter auch Singles, spazieren genug auf der Via del Amore – schnell komme ich mit einem netten, kultivierten Italiener ins Gespräch.

Ich schlendere genussvoll die Passegiata entlang. Im Ristorante dell’amore genieße ich „Spaghetti frutti di mare“ und einen Vermentino-Wein. Eine Möwe hockt auf dem Restaurantdach und stürzt sich angsterregend in die Tiefe zum gischtspritzenden Meer, wo sie sich mit ihren Artgenossen zu einem wilden Tanz auf und nieder durch die Lüfte schwingt. Als Dankeschön schmeiße ich ihr ein Schalentier auf’s Dach, welches sie gleich zerpickt.

Den Weg hin und zurück gehen – ich genieße jede Minute. Ob ich noch von Manarola nach Corniglia fahre mit der Bahn – ich entschließe mich, nach Riomaggiore zurück zu gehen, da nur von dort aus das Boot nach Portovenere fährt, auch ein berühmter, pittoresker Fischerort, der zusammen mit den Cinque-Terre zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Während ich auf die Fähre warte in einem Café mit Blick auf den kleinen Fischerhafen, bestelle ich Oliven mit Chips und mein neu entdecktes Lieblingsgetränk Aperol Sprizz, (Aperol, mit Prosecco und Soda). Seine Farbe hat es mir angetan – ein wunderschönes goldgelbrot spiegelt sich wieder in der untergehenden Spätnachmittagssonne am Meereshorizont. Und da erklingt schon wieder „mein“ Lied aus dem heimischen Fitness-Studio. „Azzurro“ singt Adriano Celentano aus dem Barlautsprecher – nur er? Nein, ein Einheimischer singt es auch voller Inbrunst und ich singe mit. Hier fühle ich mich wohl, hier will ich bleiben, fühle ich und habe Tränen des Abschiedsschmerzes in den Augen, doch die Fähre legt an und Portovenere ruft. Auf Wiedersehen, via dell’amore, bis zum nächsten Mal. Vielleicht trainiere ich dann doch noch ein wenig mehr zuhause, um Dich dann vom Höhenwanderweg aus besuchen zu können! Eine Münze habe ich nicht ins Meer geworfen, um wiederzukommen, aber meine Liebe hat diese Liebesstrasse in jedem Fall! Via dell’amore mit Liebe!

„I am sailing!“ Abgerundet wird die Tour mit meinen Lieblingssongs in Portovenere, auf der, von dort  aus mit einem venezianischen Motorboot zu erreichenden Insel Palmaria. Im unscheinbaren Sternerestaurant-Hotel „Locanda Lorena“ verkehren Stars wie Rod Stewart, wie die Fotogalerie im Restaurant verkündet. Serviert wird „Hummer í  la carte“!

Noch schnell ein Abschiedsfoto mit dem zauseligen Promi-Sternekoch – so kann der schöne ligurische Küstenwanderweg auch ohne Anstrengung von Hedonisten geliebt werden.

* * *

Das grüne Herz Liguriens von Agenzia regionale Promozione Turistica "In Liguria": http://www.turismoinliguria.it/turismo/de/MediaENotizie/notizie.do?contentId=20961

ENIT – Italienische Zentrale für Tourismus, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt am Main, Telefon: +49 (0)69 259126, Website: www.enit.de

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