Kreativ puzzeln wie Römer und Byzantiner – Die Mosaikschule im italienischen Friaul-Julisch-Venetien zeigt die Kunst der Mosaiktechnik

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Ein Schüler der Mosaikschule demonstriert das Zerkleinern des Materials zu Steinchen.

Der Name der an Slowenien und Österreich grenzenden Region mit der Hauptstadt Triest geht wohl auf das „Forum Juli“ zurück, das Julius Cäsar im Jahre 50 v. Chr. in der heutigen Stadt Cividale gründete und das aus der Römerzeit erlesene Relikte vorzeigen kann. Doch dazu später.

Zuerst sollte man wissen, dass die Schule ganzjährig unterrichtet und der Studiengang drei Jahre dauert. Jedes Jahr endet mit einer Prüfung. Im Sommer bietet die Schule Wochenkurse von 42 Stunden an für alle, die erst einmal erfahren möchten, ob ihnen die Handarbeit gefallen könnte. Zum Reinschnuppern gehört auch eine kostenlose geführte Visite, bei der man mit Material und Arbeitsprozess bekannt gemacht wird.

In der 1922 gegründeten Mosaikschule sind derzeit 90 Schüler aus 23 Ländern eingeschrieben. Die Einschreibgebühr beträgt 200 Euro und die monatliche Gebühr 50 Euro. Im Sommerkurs für Touristen ist die Zahl der Schüler pro Kurs auf zwölf beschränkt, Italienischkenntnisse vorausgesetzt. Der Sommerkurs kostet 400 Euro. In Privatunterkünften kann man günstig wohnen. 70 Prozent der Teilnehmer sind Frauen, das Durchschnittsalter beträgt 25 Jahre.

Seit Jahrtausenden wird der Mensch von den verschiedenartigsten Materialien angeregt: Aus natürlichem Material wie Flusskiesel und Marmor geschaffene Mosaiken bedeckten die Fußböden bereits zu Zeiten der antiken mesopotamischen und asiatischen Kulturen. Hellener und Römer folgten, letztere taten sich durch überdimensionale Fußboden-Mosaike hervor. Zusammen mit Gold verarbeiteten Byzantiner und Araber künstliche Materialien wie Glasmasse und Glasstückchen. Heute hat sich die künstlerische Technik fortentwickelt und nutzt die Ungleichmäßigkeit der Elemente des Mosaiks, die scharfen Bruchkanten und tiefen Fugen zu ihrem Vorteil.

Wichtiges Arbeitsutensil ist ein schwerer Hammer, mit dem der Mosaizist die Materialien, ob Marmor, Holz, Glas, Perlmutt, Backstein oder gebrannter Kalk, auf einem Holzklotz zu Steinchen zerkleinert, die dann mit Fliesenkleber an der passenden Stelle mal reliefartig erhaben, mal flach auf eine Holzunterlage aufgesetzt werden. 32.000 Farbnuancen stehen zur Verfügung. Den Motiven sind keine Grenzen gesetzt.

Anregungen für Motive gibt Friaul in Hülle und Fülle. Im von Rebhängen und Bergen geprägten Hinterland liegt Aquileia, von den Römern 181 v. Chr. gegründet und heute eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten Italiens. Aufgrund der herausragenden archäologischen Funde wurde Aquileia, auch das „zweite Rom“ genannt, von der Unesco ins Welterbe aufgenommen. Ein Teil des antiken Flusshafens wurde freigelegt. Bedeutsamer noch ist die Basilika Santa Maria Assunta am Ende einer malerischen Zypressenallee, deren frei stehender Glockenturm aus dem Jahre 1030 stammt, während die Basilika auf einem Gebäude aus dem 4. Jahrhundert errichtet wurde. Unendliche Stille begleitet den Spaziergänger, nur unterbrochen von Vogelgezwitscher und vom Gurren der Tauben. Beim Betreten traut man seinen Augen kaum. Der ganze Fußboden – es sollen 750 Quadratmeter sein – ist bedeckt von einem frühchristlichen Mosaik in vielen Teilen. Es soll das größte Mosaik der westlichen Welt sein. Glasstege schützen die kostbaren Preziosen. Dargestellt ist das Meer mit den 150 Fischarten, die die Römer kannten, mit Fischerboot und ausgeworfenen Netzen. Da wird Jonas von einem – nein, kein Wal – Monster verschlungen und an anderer Stelle wieder ausgespuckt. Ein weiteres Mosaik zeigt ihn, wie er sich nach der Strapaze ausruht. Symbol für Tod, Auferstehung und ewiges Leben? Ob es die Frau mit den Weintrauben oder die Blumenfrau ist, ob es die Vögel am Himmel sind oder die Engel, es gibt viel zu gucken. Ob die modernen Mosaizisten auch solch ausdrucksstarke Bilder erschaffen können? Ja, die Arbeiten der Mosaikschule Friaul beweisen es. Übrigens darf jeder Schüler seine Werke behalten und mit nach Hause nehmen.

Info:

Anreise: Flug z. B. mit Lufthansa und Air Dolomiti über München nach Triest oder mit tuifly nach Venedig, Autoreisezug nach Triest (www.dbautozug.de)

Auskunft: Scuola Mosaicisti del Friuli in Spilimbergo(www.scuolamosaicistifriuli.it), Agenzia Turismo Friuli in Codroipo, Tel. (0039/0432)734100, E-Mail: info@turismo.fvg.it, www.turismofvg.it, und Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, E-Mail: enit.ffm@t-online.de

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