Berlin, BRD (Weltexpress). Die Chefs der Konzerne, so der Energieriesen ENI und ENEl oder des Energieversorger TERNA, einer der größten Stromnetzbetreiber Europas sowie der sechstgrößte weltweit, beziehen millionenschwere Gehälter während Millionen Beschäftigte mit Hungerlöhnen dahin vegetieren müssen. Das entlarvt die Basis-Gewerkschaft Unione sindacale di Base (USB) in einer Untersuchung, die das kommunistische Magazin „Contropiano“ am 22. April 2026 veröffentlichte. Der Bericht führt an, dass die Vorstandsvorsitzende von Terna, Giuseppina Di Foggia, nach Ablauf ihrer Amtszeit für lediglich drei Dienstjahre eine Abfindung von 7,3 Millionen Euro verlangte, nachdem sie in dieser Zeit ein Bruttojahresgehalt von 3,8 Millionen Euro bezog. Erst nach scharfen Protesten der Gewerkschaften und der Zusicherung, dass sie die Präsidentschaft von ENI erhalten werde, verzichtete sie auf die Abfindung bei Terna.
Wie das Gerangel um diesen Platz am Futtertrog ausgeht, ist noch offen, denn laut der Nachrichtenagentur „ANSA“ habe Ministerpräsidentin Meloni, den derzeitigen 71-jährigen Claudio Descalzi als CEO von Eni im Amt bestätigt. Er soll eine Gehaltserhöhung von 73 % erhalten, wodurch sein Jahreseinkommen auf bis zu 15,4 Millionen Euro (brutto) steigen würde. Flavio Cattaneo, CEO von ENEL, verdient hingegen mit 10,14 Millionen Euro brutto jährlich „etwas weniger“. „Gräbt man weiter, würden noch viele weitere Beispiele ans Licht kommen“ hält USB fest und ergänzt, dass dieselben Unternehmen, die – zusammen mit den Banken, für die sowohl Meloni in Italien als auch die Europäische Kommission auf kontinentaler Ebene verantwortlich sind – die Erhebung von Steuern auf die in den letzten Jahren aufgrund des Booms der Energiepreise oder der Erhöhung der Bankzinsen erzielten Mehrgewinne abgelehnt haben.
„All dies geschieht im Namen des liberalen Credos der Abschaffung jeglicher Beschränkungen für diejenigen, die Reichtum produzieren, natürlich privaten Reichtum“, prangert die USB weiter an. Denn bei denen, die tatsächlich Reichtum produzieren, nämlich die Arbeiterklasse im weitesten Sinne, komme nichts davon an. Im Gegenteil ist „die Zahl der arbeitenden Armen in unserem Land in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist, also derjenigen, die trotz Arbeit immer ärmer werden.“
Laut einer Statistik der CGIL nahmen 2025 prekäre Arbeitsverhältnisse und die Instabilität zu. Über zwei Millionen Beschäftigte wurden gekündigt und mussten Anträge auf Arbeitslosenunterstützung stellen. Betroffen waren vor allem strategische Sektoren wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Stahlindustrie, Metallurgie, Basischemikalien, Haushaltsgeräte und -komponenten. Aber auch Industriedienstleistungen, Logistik, Beschaffung und Callcenter. Besonders, aber nicht nur, war Süditalien stark betroffen. Denn selbst der industrielle historische Viertel, die einst als robust geltenden Gebiete wie Molise, Abruzzen, Basilikata und Sardinien verzeichnen einen dramatischen Anstieg der Anträge.
Im Februar wurde bekannt, dass der Lieferdienst des spanischen Konzerns Glovo Löhne unterhalb der Armutsgrenze gezahlt habe, wogegen die Staatsanwaltschaft auf Forderung der CGIL ein Verfahren einleiten musste. Wie sich herausstellte hatte der Geschäftsführer Pierre Miquel Oscar die „Arbeiter unter ausbeuterischen Bedingungen beschäftigt und ihre Notlage ausgenutzt“. Im Mailänder Gebiet wurde bis zu 40.000 Fahrern „ein Gehalt, das in einigen Fällen bis zu 76,95 Prozent unter der Armutsgrenze und bis zu 81,62 Prozent unter dem Tarifvertrag lag“, gezahlt. „Es zahlte bis zu 40.000 Fahrern, die im Mailänder und im nationalen Gebiet tätig waren, ein Gehalt, das in einigen Fällen bis zu 76,95 Prozent unter der Armutsgrenze und bis zu 81,62 Prozent unter dem Tarifvertrag lag.“ Eine Erklärung der Branchengewerkschaft Nidil der CGIL enthüllte, dass die Lieferfahrer einem „regelrechten System der Illegalität und Ausbeutung“ unterworfen waren , das oft als digitale Bandenherrschaft bezeichnet wird und insbesondere Wanderarbeiter betrifft.“
An der Schwelle zu 2022 lebten nach Angaben des Statistikamtes ISTAT 11, 5 Millionen Italiener in Armut. Davon waren 4 Millionen Arbeitslose, eine Million in den Ruin getriebene Selbständige, deren Zahl damit auf 4,9 Millionen anstieg. In Armut oder an deren Rand lebten aber auch Menschen, die eine Arbeit, aber mit einem prekären oder niedrigen Gehalt hatten, war ISTAT zu entnehmen. Für 2025 liegen keine Angaben zur Armut vor, aber es muss davon ausgegangen werden, dass die Zahlen angesichts der Energiekrise als Folge des von den USA entfesselten Krieges gegen den Iran, der damit entfesselten neuen Inflationswelle und der Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten dramatisch angestiegen sind. Zumal die italienische Regierung es nicht für nötig gehalten, Maßnahmen zur Abmilderung dieser Situation zu ergreifen, abgesehen von der lächerlichen Abschaffung der Kraftstoffsteuer um rund 20 Cent“ , betont die USB, die darauf verweist, dass die Unternehmen Betriebsschließungen und Massenentlassungen durchführen und so versuchen, im Wettbewerb zu widerstehen. Hinzu komme, dass Hunderte von Milliarden von Sozialausgaben, Gesundheitsversorgung und Renten umgeleitet werden und in Militärausgaben fließen, die bereits jetzt wehrlose Bevölkerungsgruppen im Interesse eines Kapitalismus massakrieren, der ein räuberisches Stadium erreicht hat. Die USB ruft für den 29. April und 23., Mai in Rom zu zwei Aktionstagen auf, um der Abwälzung der Krisenlasten auf die arbeitenden Menschen, die Arbeitslosen, die Rentner, von denen immer mehr in die Armut getrieben werden, den Kampf anzusagen und einen monatlichen Nettolohn von 2.000 Euro, einen Mindeststundenlohn von 12 Euro, die Wiedereinführung eines automatischen Lohnrückforderungsmechanismus, die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf lebensnotwendige Güter, einen Stopp von Zwangsräumungen wegen unabsichtlicher Nichtzahlung von Rechnungen und ein Moratorium für Stromabschaltungen zu fordern.
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